Der verbotene Schluessel von Ralf Isau

 

Rezension von Bine Endruteit

 

 

Inhalt:

Sophia ist alleine nach Berlin gefahren, um das Erbe ihres Opas anzunehmen, denn es ist niemand sonst da, der etwas von ihm bekommen könnte. Ihre Eltern sind vor einiger Zeit bei einem Verkehrsunfall gestorben und andere Verwandte hat er in seinem Testament nicht bedacht. Was sie bekommt, scheint auf den ersten Blick eher gewöhnlich, nämlich die Wohnung des alten Mannes und alles, was sich darin befindet. Aber es gibt noch ein weiteres Erbstück und bei seinem Anblick ist Sophia doch überrascht. Es handelt sich um ein echtes Fabergé-Ei. Es ist mehrere Millionen wert, doch trotzdem ist das noch nicht das aufregendste der Erbschaft, denn Sophia entdeckt in dem Ei einen ebenfalls eiförmigen Mechanismus, der wie eine Uhr aussieht. Zu dem Ganzen gehört ein Buch, das ihr Großvater per Hand geschrieben hat und welches sie unbedingt lesen soll.

 

Ihr Opa schrieb von der Zeit und dass in dem Uhr-Ei, oder der Eieruhr, wie Sophie sie spaßeshalber nennt, mehr Macht steckt, als sie sich das vorstellen kann. Als sie sie mit dem beiliegenden Schlüssel aufzieht, muss sie am eigenen Leib erfahren, was er damit gemeint hat, denn sie wird in eine komplett fremde Welt gezogen. In Mekanis besteht alles aus Metall, ist mechanisch und unbelebt. Lebewesen bewegen sich auf eine unnatürliche, programmierte Weise. Allerdings begegnet sie hier auch dem Jungen Theo, der eindeutig ein Mensch ist. Mit ihm reist sie zurück in die Menschenwelt und erfährt, dass Mekanis die Welt von Oros, dem Herrscher der Zeit ist. Der will alles kontrollieren, braucht dazu aber das sogenannte Weltenei. Sophia und Theo schweben also in höchster Gefahr und müssen versuchen Oros so schnell wie möglich zu entkommen. Doch leider kann er mit einer einzigen Berührung auch Menschen zu seinen willenlosen Werkzeugen machen und so befinden sich die beiden selbst mitten in Berlin nicht mehr in Sicherheit.

 

Rezension:

Mit "Der verbotene Schlüssel" hat Ralf Isau einen Roman verfasst, in dem er von der Macht der Zeit und der Freundschaft, die diese überdauern kann, erzählt. Es gibt einen weiblichen und einen männlichen Protagonisten, so dass sich jeder jugendliche Leser mit einer Figur identifizieren kann. Seine Geschichte ist spannend und fesselnd erzählt, aber trotzdem hat sie einige Schwächen.

 

Man hat ständig das Gefühl, dass man das, wovon man gerade liest, bereits kennt. Das kommt daher, dass es unglaublich vieles von den Ideen so oder in ähnlicher Form schon mal woanders seinen Platz gefunden hat. Parallelwelt? Kennt man. Gefühllose Gegenspieler? Auch nicht neu. Der düstere Widersacher, der nur durch Berührung böses tut? Naja. Und natürlich der attraktive Junge im gleichen Alter wie die weibliche Hauptfigur und das herumschleichen umeinander, obwohl man doch weiß, worauf es hinausläuft. Wo sind da die neuen, spannenden Einfälle? Selbst eine Welt wie Mekanis hat es schon gegeben, erinnert sie doch nicht zuletzt an "Der magische Kompass" von Philip Pullman. Leider ist das wirklich verschenktes Potenzial, denn Ralf Isau ist ein Autor, der es immer wieder schafft, seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite an seine Geschichte zu fesseln.

 

Fans des Autors werden einige seiner Eigenarten bereits kennen und werden auch hier nicht enttäuscht. Zum einen gibt es einen Charakter, den man bereits aus einem seiner früheren Romane kennt, nämlich Nico dei Rossi aus "Der Herr der Unruhe", zum anderen bedient er sich historischer Fakten, um die herum er eine fantastische Geschichte erfindet. Dies ist unter anderem die Zeitreform aus dem Jahr 1582, in der zehn Tage im Kalender gestrichen wurden. Leider wird der Leser nicht darüber aufgeklärt, was noch auf Tatsachen beruht, dabei versteckt sich in dem Roman so einiges Wissenswerte. Es wird zum Beispiel vom Antikythera-Mechanismus berichtet, einem alten Artefakt aus Zahnrädern, das in seiner Komplexität verbunden mit seinem Alter durchaus Rätsel aufgibt.

 

Fazit:

"Der verbotene Schlüssel" ist zwar ein unterhaltsamer Roman, aber wenn man etwas genauer über die Geschichte nachdenkt, merkt man schnell, dass sie nicht viel neues bietet. Hier hätte man sich von Ralf Isau etwas mehr Kreativität gewünscht und nicht immer nur die alten Muster.

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MEDIUM:

Der verbotene Schlüssel

Autor: Ralf Isau

Gebundene Ausgabe: 512 Seiten

Verlag: cbj (15. November 2010)

ISBN-10: 3570138348

ISBN-13: 978-3570138342

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 20.09.2019 15:49 | Users Online
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