Ein verlorener Traum von Angerer der Ältere

Rezension von Roland Heddergott

 

Klappentext:

Erleben Sie mit dem Geschwisterpaar Sunaj und Janus, dass Träume wahr werden können. Reisen Sie mit ihnen durch verschiedene Länder, in das Reich der Elfen und des Märchenkönigs, treffen Sie Einhörner, Gralsritter und auch üble Widersacher, die eine Mission zu verhindern versuchen, um eigene verwerfliche Interessen umzusetzen.

 

"Wichtig ist, daß Träume immer da sind, man muss nur lernen, sie zu erkennen. Wenn du nicht an deine Träume glaubst, wirst du sie nur insofern spüren, als sie dir Schmerzen bereiten.

Es ist, als wenn du nachts im Wald an jedem Baum anstößt, weil du ihn nicht siehst, während ein anderer, der ein Licht mit sich trägt, den Weg hindurch findet."

 

"...wer träumen kann, wirft einen kurzen Blick ins Paradies."

 

Das Buch ist ein kleines Kunstwerk, das eine andere Entwicklung nahm, als es bei Büchern gewöhnlich der Fall ist. Es handelt sich um einen phantastischen Roman, welcher im Laufe vieler Jahre aus verschiedenen Geschichten in Zusammenhang mit wundervollen, vielfach ausgestellten Gemälden entstand.

 

Inhalt:

Die Geschichte handelt von den Zwillingen SUNAJ und JANUS, die auf dramatische Art und Weise in verschiedene Welten hineingeraten. Der Roman handelt nicht wie die klassischen Märchen von "Wundern" und "Zauber".

Während das Mädchen Sunaj entführt wird, ist der Übergang des Jungen Janus in andere Welten voller Irritationen, er weiß oft nicht mehr, ob er nur träumt oder wach ist - die Grenzen verwischen.

 

Auf der Suche nach seiner Schwester wandert er durch verschiedene Phantasiewelten, trifft Einhörner, eine kluge Schlange sowie Elfen, er verbringt eine Weile im Schlaraffenland und lernt dort den Unterschied zwischen Ernst und Spiel im Leben kennen.

 

Aber auch Gefahren gibt es reichlich zu bestehen. Zuletzt jedoch entpuppt sich der vermeintliche Gegner, gegen den Janus tapfer ankämpft, nicht als der eigentliche Feind.

Erst durch die persönliche Bekanntschaft müssen beide erkennen, daß sie das Opfer einer Macht im Hintergrund sind: der dämonischen Bösartigkeit, über andere Wesen zu herrschen, legitimiert durch scheinbar rassische, gottgewollte Überlegenheit.

Alle Wesen, ob Elfen, ein schwarzes und ein weißes Einhorn, das Volk der Zweistädter und andere sind von dieser Macht bedroht, doch ganz besonders Sunaj.

Um seine Schwester zu retten, erfüllt Janus eine Mission, die den Jungen formt: nämlich zu einem mitfühlenden Menschen, der aus selbstloser Liebe zum Retter wird und sich damit selbst rettet.

 

Meine Meinung:

Das Buch war noch gar nicht aufgeschlagen, da ging mein Blick schon zur gegenüberliegenden Wand … Angerer der Ältere, den Namen sollte ich doch kennen.

Kurze Zeit später stand ich vor dem Bild „Innenleben“ von, man ahnt es bereits, Angerer der Ältere, ein schreibender Maler, ein malender Schreiber?

 

Das Buch:

Schwer zu erklären, vielleicht angeregt durch seine Zusammenarbeit mit Michael Ende und seinen Film „Die unendliche Geschichte“, erleben die Zwillinge Sunaj und Janus, eine Reise in eine Traumwelt.

Jedoch nicht, wie in der bekannten Filmvorlage, durch ein Buch, die träumerische Sunaj „erschafft“ keine eigene Welt, Sie hat eher die Gabe in alltäglichen Dingen wie einer Wasserpfütze Welten und Abenteuer zu „sehen“.

Sie fühlt, träumt, sieht Dinge die andere Menschen nicht sehen können und hat so Zugang in eine Art Parallelwelt.

Ihr Bruder Janus, vom Charakter her das genaue Gegenteil, versteht die Gedankenwelt seiner Schwester nicht oder nur sehr selten und hält Ihre Träume und Geschichten für reine Spinnerei.

So leben die Zwillinge bis zu ihrem 14.Lebendsjahr zwar in verschiedenen Welten, aber doch zusammen und verstehen sich auf eine Art und Weise, wie Sie nur Zwillingen vorbehalten ist.

Das ändert sich in dem Moment da Sunaj scheinbar entführt wird und Ihr Bruder Janus sich, auf der Suche nach Ihr, in Ihre Traumwelt begeben muß.

Als Realist hat er kaum Chancen dem Weg seiner Schwester zu folgen, wo Sunaj einen Regenbogen sieht, erklärt Janus das physikalische Prinzip der Lichtbrechung in Spektralfarben.

Erst mit Hilfe des sonderbaren Herrn Traum gelingt Ihm der Einstieg in die Anderswelt, doch damit ist er noch lange nicht am Ziel seiner Reise.

 

Der Autor verlangt eine Menge Phantasie von seinen Lesern, in Begleitung von Janus, gerät man immer tiefer hinein in eine Welt, die sich von allem bisher Bekannten unterscheidet.

Janus trifft auf seiner Reise, Zwerge, Einhörner und Elfen, er kämpft immer wieder gegen die Stinker oder Miesmuschler, die lange Zeit die Seite des Bösen verkörpern.

Diese Miesmuschler sind von Menschen ähnlicher Gestalt, sehen ein wenig aus wie Ritter in Rüstungen und machen Jagd auf alles Weiße und Schöne.

20 Kapitel lang begleiten wir Janus in immer phantastischer Abenteuer, freuen und leiden mit Ihm und oft scheint es das nicht nur Janus, sondern auch der Leser aus jedem Kapitel eine kleine Lehre ziehen kann, das uns ein Stückchen Lebensweisheit angeboten wurde.

Wo die Phantasie des Lesers zu versagen droht, helfen die zahlreichen Zeichnungen, der Spruch „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ trifft mehr als einmal ins Schwarze.

Angerer macht sich sein Multitalent zunutze und verbindet Schrift und Bild zu einer virtuosen Einheit, eine Gabe die anderen Schriftstellern selten gegeben ist.

Der Leser sieht die Landschaft mit den Augen des Helden Janus, mehr als einmal las ich den Text, blättert um, sah das Bild und ein „aha“ Erlebnis entstand vor meinen Augen.

 

Auffällig ist das einige Bilder bereits in den 90er Jahren entstanden, was die Frage aufwirft wie lange schon hat Herr Angerer diese Geschichte geplant?

Für einen Zufall sind die Zeichnungen zu detailliert, es sei denn die Geschichte wurde um die Bilder herum geschrieben, erst das Bild, dann die Idee und letztlich das Buch …

Ob und wie es am Ende Janus gelingt seine Schwester zu retten, wie er den Elfen hilft und wer Apax 10 ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

 

Fazit:

Das Buch Ein verlorener Traum ist, nach eigenen Angaben, ein Märchenbuch, im besten Sinne des Wortes.

Kein Märchenbuch welches ich meiner 5jährigen Tochter vorlesen würde, zu komplex sind manche Zusammenhänge und zu grausam genau einige Schilderungen.

Selbst bei 12 Jährigen hätte ich noch arge Bedenken, je nach Entwicklung würde ich das Buch ab 14 – 16 empfehlen.

Der Leser braucht eine gehörige Menge des Sunaj Virus (Träumen & Phantasie), es ist nicht immer einfach sich Muscheln als Sinnbild des Bösen vorzustellen, das Schlaraffenland zu verstehen und Dinge wie Einhörner, Zwerge und Riesen als selbstverständlich hinzunehmen.

Das Talent zeichnen zu können und ein Buch zu schreiben, ist ein gewaltiger Vorteil und doch auch einer meiner größten Kritikpunkte.

Die Macht der Bilder ist an einigen Stellen größer als die Kraft der Worte, es gelingt Herrn Angerer nicht immer seine Phantasien, so in Worte zu fassen das ich als Leser Ihm folgen kann.

Im Kopf ein völlig anderes Bild, treffe ich auf der nächsten Seite, auf eine Zeichnung Die alles erklärt, die beschreibenden Worte sind vergessen, das Bild überragt den Text.

Das kann leicht dazu führen das man Landschafts-Beschreibungen nur noch überfliegt und einfach umblättert und das „passende“ Bild betrachtet.

Ein Sieg des Malers über den Autor Angerer.

 

Das Buch lädt ein zum mitreisen, über weite Phasen ist man gespannt wie es weiter geht, aber der allerletzte Funke will nicht recht überspringen.

Janus gelingen viele Dinge zu leicht, er der anfangs so gar nicht als Held erscheint, lernt in einem rasenden Tempo, spätestens in der Mitte des Buches war ich vom glücklichen Ende überzeugt.

Eine überraschende Wende nimmt die Geschichte der Miesmuschler, an diesem Punkt kann das Buch wieder einiges an Spannung aufholen und bleibt so doch noch lesenswert bis zum Ende.

Wer Freude an Bildern und Zeichnungen hat, sollte unbedingt die gebundene Ausgabe mit 19 farbigen Gemälden und 55 s/w-Abbildungen, für stolze 39,80€ kaufen.

Die hier vorgestellte broschierte Ausgabe, mit 55 s/w-Abbildungen, zum Preis: von 19,80 Euro, fällt dagegen doch etwas ab.

 

Ein verlorener Traum ist ein Buch, das man nach dem Lesen nachdenklich noch ein Wenig festhält und über das gerade Erlebte nachsinnt.

Kein Nerven aufreibendes Abenteuer, keine epischen Hintergründe und (fast) keine gewaltigen Schlachten.

Einfach ein schönes Buch, der Weg in eine Traumwelt, in der Alles möglich ist …

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Buch

Titel: Ein verlorener Traum

Autor: Angerer der Ältere

Verlag: Verlag Zeitenwende

broschierte Ausgabe, ca. 55 s/w-Abbildungen,

325 Seiten

ISBN 3934291430

Erhältlich bei: Amazon

weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 26.11.2019 17:39 | Users Online
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