Im Jahre Ragnarök von Oliver Henkel

Rezension von Christel Scheja

 

Der 1973 in Lübeck geborene Oliver Henkel ist bereits zweimaliger Gewinner des „Deutschen Science Fiction“-Preises, unter anderem für „Die Zeitmaschine Karls des Großen“ und „Kaisertag“ in denen er sich darüber Gedanken machte, wie die Welt aussehen könnte, wenn einige Ereignisse einen ganz anderen Ausgang gehabt hätten. Auch in „Im Jahre Ragnarök“ greift er sein Lieblingsthema „Alternativwelten“ noch einmal auf.

 

Josef Stalin stirbt überraschend im Frühjahr 1945 und hinterlässt ein Land, dass sich nun im Bürgerkrieg zerfleischt. Das kann zwar das Schicksal Deutschlands nicht aufhalten, aber die Verteilung der Schutzzonen im ehemaligen Reichsgebiet sieht ganz anders aus und sowohl die Amerikaner als auch die Engländer ziehen den „Morgenthau“-Plan gnadenlos durch. Deutschland verliert viele seiner Industrieanlagen und wird ein, von den Alliierten abhängiges Argrarland. Da auch der „Marshall“-Plan niemals durchgeführt wird, ist das Land Anfang der 1960 ein noch immer verwüstetes und in weiten Teilen entvölkertes Armenhaus mitten in Europa. Allein die „Rheinische Republik“, die aus der französischen Zone entstanden ist, kann sich ein wenig besser halten.

In dieses gespaltene und verletzte Land wird John Tubber geschickt, um ihm kaltzustellen. Der englische Geheimagent ist seinen Vorgesetzten unangenehm aufgefallen und die Strafe folgt nun auf den Fuß. Vordergründig heißt es, dass er besonders gut geeignet sein, weil seine Ex-Frau aus Deutschland stammt, und er neben der Sprache auch die Verhaltensweisen der Einheimischen besser kennen würde.

In Hamburg soll er den mysteriösen Tod eines Mannes aufklären, der illegal mit Kunst gehandelt hat. Zunächst ist er gar nicht über seinen deutschen Begleiter – einen eifrig Homer und Shakespeare rezensierenden Kommissar – begeistert, aber schon bald schätzt er dessen Einfallsreichtum und Vertrauen. Zusammen mit zwei Frauen des horizontalen Gewerbes kommen die beiden ungleichen Männer schließlich einer Verschwörung auf die Spur, die bis in die Nazizeit zurück reicht und nicht nur für die Mitte Europas dramatische Folgen haben könnte. Es sei denn, sie handeln auch ohne die Einwilligung ihrer Vorgesetzten...

 

Man merkt, dass sich Oliver Henkel die Entwicklungen sehr genau überlegt hat und plausibel darzustellen versucht. Die Recherchen machen sich bezahlt, denn „Im Jahre Ragnarök“ hält sich sehr eng an die Realität und zeigt eine düstere Gegenwart, die durchaus hätte möglich sein können, wenn Deutschland zu einem Agrarstaat geworden wäre. Solide setzt der Autor die Entwicklungen in Szene, gerade die ersten beiden Drittel der Geschichte wissen durch ihren Detailreichtum zu gefallen.

Als allerdings – wieder einmal - die Nazis ins Spiel kommen, dreht die Geschichte etwas ins Klischee ab und verliert einiges von ihrer Spannung und Dramatik. Denn der Verlauf des ganzen ist damit klar, die „Bösen“ verhalten sich mehr oder weniger so, wie man es von ihnen kennt und weichen kaum von den archetypischen Verhaltensweisen ab, so dass man sich den Ausgang der Geschichte schon früh ausmalen kann. auch wenn der Autor seinen Helden ausnahmsweise einmal ein interessantes Happy End gönnt.

 

Alles in allem hat „Im Jahre Ragnarök“ einen interessanten Ansatz und liest sich in weiten Teilen des Romans sehr spannend, setzt aber bei der Auflösung all zu sehr auf gängige Klischees, was ihm viel von seinem Ideenreichtum nimmt.

 

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Buch:

Im Jahre Ragnarök

Autor: Oliver Henkel

Atlantis Verlag, Juni 2009

Taschenbuch, 216 Seiten

Titelbild: Timo Kümmel

 

ISBN-10: 3941258052

ISBN-13: 978-3941258051

 

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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zuletzt aktualisiert: 06.10.2019 17:40 | Users Online
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