Snow Flake

Rezension von Christel Scheja

 

Christina Bäumerich ist eine junge deutsche Mangaka, die bisher nur im Fanbereich aufgetreten ist oder für kleinere Verlage gezeichnet hat. Mit „Snow Flake“ erscheint ihre erste taschenbuchlange Geschichte bei einem großen Verlag. Passend zum Datum hat sie eine weihnachtliche Geschichte gestaltet, die den Lesern zu Herzen gehen soll.

 

Kurai ist nach dem Tod seiner großen Liebe Kei, der zudem noch in seinen Armen gestorben ist, zu einem verbitterten Einzelgänger geworden. Er erledigt zwar auch noch seine Arbeit und hat sich nicht ganz von der Welt zurück gezogen, aber er lässt gefühlsmäßig niemanden mehr an sich heran, nicht einmal Satoshi, einen langjährigen Kumpel, der ihn unermüdlich aufmuntern will.

Um endlich wieder Ruhe zu haben, spricht Kurai bei einem Nachtspaziergang seinen sehnlichsten Wunsch aus. Und als habe ihn der Mond erhört, schwebt plötzlich ein Mann wie eine Schneeflocke vom Himmel und fast in seine Arme.

Da er Kei so furchtbar ähnlich sieht, kümmert sich Kurai um ihn und erfährt so, dass „Yuki“ kein Mensch ist, sondern der Fleisch gewordene Wunsch des immer noch trauernden jungen Mannes. Obwohl er sich nicht davon einfangen lassen will, verliert sich Kurai schon bald in seinen Gefühlen zu dem Gast und beginnt das Leben wieder so zu schätzen wie damals, als Kei so lebte. So bemerkt er erst gar nicht, dass Yuki anfängt schwächer zu werden und dahin zu schwinden. Als ihm diese Tatsache bewusst wird, kommen die alten Ängste zurück? Wird er wieder miterleben müssen, wie die Liebe seines Lebens ihn allein zurück lässt.

 

„Snow Flake“ mag märchenhaft-phantastische Züge haben, ist aber auch sehr besinnlich und erinnert die Leser daran, dass zur Liebe auch das Loslassen gehört. Es bedeutet keinen Verrat, sein Leben weiter zu führen und sein Herz anderen zu öffnen, sondern ist vielleicht sogar von den Sterbenden so gewollt.

Allerdings scheint der Held das erst zu begreifen, als er vor diese zweite Prüfung gestellt wird. Dabei ist es nicht einmal von Belang ob Yuki nun weiblich oder männlich ist – die Geschichte funktioniert eigentlich mit beiden Geschlechtern und lässt so den Boys Love Aspekt eher unwichtig erscheinen.

Ansonsten nutzt die Geschichte sehr viele leise und romantische Töne und konzentriert sich auf die Gefühle der Helden. Daher ist es fast schon unnötig, dies auch noch in explizit erotischen Szenen zu vertiefen, die hier eher aufgesetzt wirken, weil die Handlung eher jüngere als ältere Leser anspricht.

Die Zeichnungen selbst sind sehr durchschnittlich, da sie unausgereift und unsauber wirken. Vor allem die Gesichter verrutschen immer wieder und wirken sehr ungelenk, so als sei der Band in großer Eile erstellt worden.

 

Alles in allem kann sich „Snow Flake“ auf der einen Seite nicht entscheiden, welche Zielgruppe angesprochen werden soll, auf der anderen sind auch die Zeichnungen nicht so ansprechend wie sie sein könnten, so dass jeder Leser lieber erst einen Blick in den Band werfen sollte, ehe er ihn sich wirklich zulegt. Denn auch wenn das Thema ganz nett ist, die Umsetzung ist leider nicht besonders gelungen.

Eure Meinung:


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Comic:

Snow Flake

(Oneshot)

Autorin und Künstlerin: Christine Bäumerich

Manga-Taschenbuch, 192 Seiten

Egmont Manga & Anime, 11/2010

ISBN-10: 377047385X

ISBN-13: 978-3770473854

Erhältlich bei Amazon


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zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39 | Users Online
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