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Der Erwecker der Toten

Illustration von Björn Ian Craig

Autor: Achim Hildebrand

 

»Wurstbrote! Hier gibt's die echten astocanischen Wurstbrote! Zwölf leckere Sorten - garniert und mit Tunke. Nur einen Kupferfünfer das Stück!«

Nidel versuchte, nicht auf den Ausrufer zu achten, aber das hohle Gefühl in seinem Magen zwang alle seine Sinne mit übermächtiger Gewalt zur Bude des Astocaners und zu den Tellern mit Wurstbroten auf deren Theke. Sie mussten hervorragend sein, denn vor dem Stand drängten sich so viele hungrige Kunden, dass die beiden pausbackigen Mägde, die dem Astocaner zur Hand gingen, kaum mit dem Schmieren nachkamen.

Er hatte es noch nicht gewagt, seine Meuchelharfe einzusetzen. Nicht in Rhissus, der Stadt, die einen enthaupteten Meuchelsänger im Wappen führte. Aber es war klar, dass er es früher oder später riskieren musste, wenn er nicht auf den umliegenden Dörfern um einen Napf Schorfrübenbrei betteln wollte. Oder eine Arbeit als Achtel-Zestrinen-Bursche annehmen - ein Gedanke, der sein Hungergefühl bislang gedämpft hatte.

Er warf einen versteckten Blick in den Abfallkorb, der neben der Bude des Astocanersstand, erspähte aber nichts, außer zerknüllten Einwickelpergamenten und allerlei Unrat - die Wurstbrote mussten tatsächlich ausgezeichnet sein.

Nidel besaß zwar noch fünf einzelne Kupferstücke und hätte sich ein Wurstbrot leisten können. Aber für das passende Rübenbier reichte es nicht mehr. Und morgen würde er wieder Hunger haben ...

Er seufzte. Es hatte keinen Zweck - er musste hier weg und sich irgendwie ablenken, bis ihm etwas einfiel wie er zu Geld kommen konnte.

Ablenken konnte man sich am besten in der Gasse der Schausteller. Hier gab es nichts zu essen und zu trinken, sondern nur Unterhaltung, Musik und ungewöhnliche Erlebnisse. Und wenn man nicht zu dicht an die Stände heranging, konnte man es auch vermeiden, für die Vorstellungen zu bezahlen.

Er begab sich zur Einmündung der Gasse, stieg über zwei, drei Betrunkene hinweg, die auf dem Pflaster ihren Rausch ausschliefen und tauchte ein in die bunte Luft der Schaustellerwelt. Viele Musikanten gab es hier, ebenso Gaukler, Wahrsager und Geschichtenerzähler, ein Angebot, das man kannte. Aber es fanden sich auch immer wieder ungewöhnlichere Darbietungen, die zum Stehenbleiben und Zuschauen veranlassten, wie etwa Kazumba, den Schwarzen Weisen, der anbot, die »gesammelte Weisheit des Universums« mitzuteilen, oder einen Urn, der rechnen konnte. Auch einen Schamanen aus Nungudan, der anbot, die Schädel seiner Kunden anzubohren um die Gedanken freier strömen zu lassen, sah man nicht auf jedem Markt.

Einer der Stände erweckte Nidels besondere Aufmerksamkeit. «Rheufs Tote-Ratten-Schau« verhieß ein Schild, das vor dem großen Tisch hing, auf dem diese Schau dargeboten werden sollte. Sie begann damit, dass Rheuf, ein hagerer Arguder ein Bündel toter Ratten auf den Tisch legte. Dass sie tatsächlich tot waren, ließ sich an ihren eingetrockneten Augen deutlich erkennen, doch als Rheuf einige befehlende Worte in einer fremden Sprache rief, sprangen sie plötzlich quicklebendig auf. Sie liefen umher, machten Handstand, jonglierten mit Erbsen und fuhren einander in kleinen Schubkarren über den Tisch.

Nidel war beeindruckt. Dressierte Ratten hatte er schon gesehen, aber keine toten.

Sein Staunen legte sich, als er die Nähte bemerkte, mit denen die Rattenfelle auf der Brust zusammengenäht waren. Offenbar steckten kleine menschenähnliche Wesen in ihnen, wahrscheinlich entflügelte Phiniolen. Nidel war zuerst versucht, die Zuschauer auf den Betrug aufmerksam zu machen, unterließ es aber. Erstens hatten sie selber Augen im Kopf, zweitens schien sie der Schwindel nicht zu stören und drittens hatte es in seinem Kopf zu arbeiten begonnen.

Er war sich sicher, dass man eine solche Schau noch weit eindrucksvoller und überzeugender aufziehen - und damit auch viel mehr Geld fürs Zuschauen verlangen konnte. Angenommen, man würde einen toten Menschen erwecken ... von so etwas hatte er noch nie gehört - und er hatte schon eine ungefähre Vorstellung davon, wie man es bewerkstelligen könnte. Aber es war zwecklos, solche Pläne zu schmieden. Die Schausteller brauchten zwar kein Geld, um sich Waren zu besorgen, die sie dann wieder verkauften, aber um die Gebühr für den Stand kamen auch sie nicht herum. Mit fünf Kupferstücken war da nichts zu machen.

Als der Gehilfe des Rattendompteurs schließlich herumging, um die Zuschauer abzukassieren, zog Nidel sich zurück und schlenderte weiter. Vorbei am »Kampf der nackten Pangulinnen«, »Womid dem Initiativadvokaten«, einem wandernden Tätowierer und den »Erotischen Exzessen völlig verhüllter Frauen«.

Er hatte fast das Ende der Gasse erreicht, als er auf einen Schausteller traf, der offenbar dabei war seinen Stand abzubauen. Das war ungewöhnlich, denn es bleib noch ein halber Tag, um Kunden anzulocken und Geld zu verdienen. Das Schild, welches die Art der Darbietung verkündete, hatte der Schausteller, ein kleiner, plumper Croomite mit dünnem Haar, schon entfernt. Nidel trat neugierig näher.

»Sehe ich das richtig«, sprach er den Mann an, »du brichst deinen Stand ab? Mitten am Tag?«

Der Croomite drehte sich nach ihm um, blickte ihn mürrisch an und zuckte schließlich mit den Achseln.

»Warum nicht? Ich habe heute noch kein halbes Kupferstück verdient. Da kann ich genauso gut zu Hause bleiben und meine kranke Frau pflegen.«

»Erstaunlich«, erwiderte Nidel. »Es laufen hier wirklich genug Leute herum, die du als Zuschauer gewinnen könntest.«

»Ich weiß auch nicht warum«, seufzte der Mann und warf die Arme hoch. »Aber aus irgendeinem Grund scheinen sie meinen Stand zu meiden. Es hat keinen Zweck, davor die Augen zu verschließen.«

»Vielleicht liegt es an deiner Darbietung. Welcher Art ist denn deine Kunst?«

Der Mann klemmte seine Daumen hinter die Hosenträger.

»Ich bin Bezerus, der Gestaltwandler«, antwortete er, nun doch mit etwas Stolz in der Stimme.

»Gestaltwandler?« Nidel trat unwillkürlich einen halben Schritt zurück, als er an die Ghrauns dachte, jene gefährlichen Klumpen aus ungeformter Chaosmaterie, die in den Sümpfen unweit von Croom hausten und jede beliebige Gestalt annehmen konnten. Sie waren bekannt als besonders heimtückische Wegelagerer.

»Du bist ein Ghraun?«, stieß er hervor.

Bezerus winkte lachend ab.

»Bewahre, nein. Ich hab meine eigene Art und Weise.«

»Ah - und welche?«

Bezerus' Augen leuchteten auf.

»Ich kann es dir zeigen. Gib nur acht.«

Damit huschte er in sein Zelt. Nidel hörte ihn kramen und keuchen. Dann tauchte er wieder auf - mit einem angeklebten Schnurrbart im Gesicht und einer mit Goldfarbe bemalten Holzkrone auf dem Kopf.

»Na wie ist das?« fragte er.

»Was?«

»Siehst du nicht, wer ich jetzt bin?«

Nidel zuckte mit den Achseln.

»Deine Kunst überfordert mich. Sag es mir.«

»Na Faliban, der Dodekarch von Salascare.«

»Oh«, sagte Nidel. »Wenn ich ihn je gesehen hätte, wäre mir die Ähnlichkeit sicher aufgegangen.«

»Das war auch recht schwer. Pass auf, ich zeig dir was einfacheres.«

Wieder schlüpfte er in sein Zelt. Als er zurückkam, trug er eine Kappe mit Schild und Nackenschutz, wie auch Nidel eine trug und dazu einen Reisesack über der Schulter.

»Wer bist du jetzt?«

»Erkennst du mich nicht? Ich bin's, Ferdando, dein seit langem verschollener Bruder. Dass wir uns endlich wieder sehen, nach all den Jahren.«

»Aha«, sagte Nidel.

»Und, wie gefällt dir meine Kunst?«, fragte Bezerus und nahm die Kappe vom Kopf.

»Etwas für Kenner«, sagte Nidel. »Aber ich verstehe nun, warum du hier keinen Erfolg hast. Rhissus ist einfach nicht die richtige Stadt für solch anspruchsvolle Darbietungen. Ich bin überzeugt, in Canduz oder Valauna würdest du dein Publikum schon finden.«

»Vielleicht hast du Recht«, meinte Bezerus. »Aber es ist zu spät. Der Aufenthalt hier in Rhissus hat all meine Mittel erschöpft. Eine Reise nach Canduz kann ich mir nicht mehr leisten.«

»Und was willst du tun?«

»Meine Sachen hier verkaufen und hoffen, dass der Erlös so lange reicht, bis ich eine Arbeit als Taglöhner gefunden habe.«

»Schade um die vielen Zestrinen, die du in Canduz verdienen könntest«, sagte Nidel und rieb sich das Kinn. »Vielleicht habe ich einen besseren Vorschlag für dich.«

»Einen Vorschlag?«

»Ja, ich weiß, wie du doch noch an das Geld für die Reise nach Canduz kommst und dort ein reicher Mann wirst. Hör zu: Ich selbst bin auch ein Schausteller. Leider haben ein paar Betrunkene meinen Stand verwüstet und mir fehlt das Geld für einen neuen. Wie wäre es , wenn du mir für heute den deinen überlässt, um mein Gewerbe auszuüben? Ich bin sicher, hier eine hübsche Summe zu verdienen. Du gehst nach Hause, kümmerst dich um deine Frau, und wenn du heute Abend wieder kommst, teilen wir.«

Bezerus machte ein misstrauisches Gesicht.

»Und du hast nicht etwa vor, meine Sachen zu verkaufen und dich mit dem Erlös aus dem Staub zu machen?«

»Wir Schausteller betrügen uns gegenseitig nicht«, versicherte Nidel.

»Welche Sicherheiten gibst du mir?«

Nidel seufzte.

»Wie ich schon sagte habe ich selber nichts. Aber vielleicht genügt es dir, wenn ich dir meine letzten fünf Kupferstücke überlasse – als Pfand; wir verrechnen sie heute Abend mit deinem Anteil.«

»Fünf Kupferstücke«, murmelte Bezerus und kratzte sich im Genick. »Viel ist das nicht.« Aber es war wohl lange her, dass er fünf Kupferstücke auf einmal in der Hand gehabt hatte, denn schließlich nickte er.

»Gemacht. Und heute Abend die Hälfte von deinen Einnahmen.«

»Das soll ein Wort sein.«

Sie schüttelten sich die Hände und Nidel gab Bezerus das Geld.

»Pass auf, dass nichts von meinem Sachen wegkommt«, mahnte Bezerus, warf sich sein Jacke über und schritt davon.

Nidel betrat das Zelt. Es war sparsam eingerichtet: Zwei Schemel, eine Holzliege und die Kiste, in der Bezerus seine Verkleidungsutensilien aufbewahrte. Auf der Liege lag ein Schild, auf dem »Bezerus, der Gestaltwandler« zu lesen war. Nidel wischte die Schrift aus und schrieb mit einem Schminkstift aus der Kiste des Gestaltwandlers:

 

Nomoros, der Erwecker der Toten

nächste Vorstellung in wenigen Augenblicken

 

Dann stellte er draußen die Bühne des Schaustellers wieder auf und eilte zum Anfang der Gasse. Man hatte die drei Betrunkenen zwar zur Seite geschoben, aber sie lagen noch da. Einer von ihnen schien bestens für Nidels Zwecke geeignet. Seine Augen waren verschwollen und von tiefen, schwarzen Ringen umgeben und seine Gesicht nicht gerötet, wie sonst bei Trunksüchtigen, sondern fahl wie Madenhaut und von blauen Äderchen durchzogen.

Mit einem kräftigen Schütteln versuchte Nidel, den Mann zu wecken, aber der stöhnte nur und versuchte, sich wegzudrehen.

»Aufstehen!«, zischte Nidel und schüttelte stärker. »Die Marktwache kommt. Wir müssen uns verdrücken.«

Der Betrunkene stöhnte wieder, öffnete aber die Augen einen Schlitz breit und hob den Kopf an.

»Die Marktwache kann mich ...«, Sein Kopf kippte mit offenem Mund nach hinten.

Nidel verschwendete keine Zeit mit weiteren Versuchen, den Mann zu wecken.

»Dieser Mann ist offensichtlich tot«, sagte er; nicht so laut, dass es nach Absicht klang, aber doch so, dass die meisten Umstehenden es hören mussten. »Wie günstig für mich«, fügte er noch hinzu.

Er zog den Betrunkenen empor, stellte ihn auf die Füße und zerrte ihn mit sich. Als sie das Zelt erreichten und Nidel das Schild aufgestellt hatte, war der Mann so weit bei sich, dass er sprechen konnte.

»Was soll das?«, lallte er und ließ sich auf einen der Schemel fallen. »Warum schleppst du mich hierher?«

»Zu deinem Besten«, erwiderte Nidel. »Sag mir deinen Namen.«

»Braum heiße ich. Zwölf-Becher-Braum. Hast du was zu trinken für mich?«

»Wenn du mit mir zusammenarbeitest bekommst du zu trinken, soviel du willst.«

»Arbeiten?« der Betrunkene schaute angewidert zur Seite.

»Hör zu, Braum, ich bin ein Schausteller und brauche einen Gehilfen. Du scheinst mir der richtige Mann dafür zu sein, und wenn du dich geschickt anstellst, bekommst du nach der Vorstellung ein Fünftel der Einnahmen. Wie klingt das?«

Der Mann zeigte nicht viel Begeisterung.

»Was muss ich'n tun?«

»Leichte Arbeit«, lächelte Nidel. »Du sollst einen Toten spielen. Ich werde dich wieder zum Leben erwecken und du wirst den Leuten zeigen, wie sehr du dich darüber freust.«

»Freuen«, murmelte Braum. »Worüber sollte ich mich wohl freuen?«

»Dann mach es eben ohne Freude. Sing ein Lied oder jongliere mit Äpfeln - zeig einfach, dass du wieder richtig lebendig bist.«

Der Betrunkene senkte den Kopf hob die verkrümmten Hände vor die Augen und sagte:

»Schau dir diese Hände an; sie werden nie wieder mit etwas jonglieren können, nie wieder schreiben, eine Waffe führen oder die Haut einer schönen Frau liebkosen.«

»Vielleicht kannst du tanzen«, schlug Nidel vor.

»Tanzen?«, rief Braum in gekränktem Ton. »Auf diesen Beinen, die mich kaum tragen wollen? Wie stellst du dir das vor? Weißt du, wie oft ich sie mir schon gebrochen habe, nur weil ich versuchte ...«

»Na schön. Gibt es irgendetwas, was du kannst?«

»Trinken. Trinken und die Welt verfluchen. Aber selbst das fällt mir immer schwerer, da ich ...« Er vergrub das Gesicht in seinen Händen und begann zu schluchzen. »Was soll nur aus mir werden, wenn ich auch das nicht mehr kann. Was kann dem Schicksal noch an Grausamkeiten für mich einfallen? Wird es mich erst in Frieden lassen, wenn ich ...«

»Schon gut«, seufzte Nidel. »Vielleicht genügt es, wenn du einfach redest. Zumindest das scheint dir ja nicht schwer zu fallen.«

»Reden?«, flammte Braum auf. »Wie soll das gehen, wenn die Zunge nicht gehorcht und das Hirn so leer und finster ist wie ...«

»Mir wird etwas einfallen. Tu einfach immer was ich sage, dann wird es gut gehen.«

»Gutgehen? Weißt du, wann bei mir zum letzten Mal etwas gut gegangen ist? Sicher nicht, denn ich habe es selbst vergessen. Alles, was ich anfasse ...«

»Schweig jetzt«, zischte Nidel. »Denk an das Geld, dass du verdienen kannst.«

»Pah, Geld. Kann man mit Geld ein besseres Leben kaufen? Die elende Vergangenheit auslöschen? Die verlorene Zeit zurückholen? Was soll ich mit Geld? Wozu soll mir ein schäbiges Fünftel gut sein?«

»Ein Fünftel«, sagte Nidel kalt. »Das ist sehr angemessen für jemanden, der nicht mehr tun muss, als den Kopf zu heben und aufzustehen.«

»Auch das Kopfheben kann einen hohen Preis wert sein, wenn es einem so schwer fällt, wie mir.«

Nidel antwortet nicht darauf. Er ging zum Zelteingang und warf einen Blick durch den Schlitz des Vorhangs. Draußen hatte sich ein gutes Dutzend Neugieriger um das Schild versammelt, die lebhaft darüber diskutierten, ob es ohne faulen Zauber möglich sei, Tote wieder zum Leben zu erwecken.

»Ich glaube, wir können so langsam anfangen«, sagte er über die Schulter.

»Sie werden es merken«, unkte Braum. »Sie werden prüfen wollen, ob ich wirklich tot bin. Sie werden mich kneifen und kitzeln und ich werde zucken und zappeln, und man wird uns in den Turm der Besserung einsperren, wo wir...«

»Keine Angst, dafür werde ich sorgen.« Nidel bückte sich nach seinem Reisesack und holte die Meuchelharfe heraus.

»Was hast du vor?«, fragte Braum besorgt.

»Ich werde dir ein kleines Schlaflied singen. Du wirst in einen tiefen Schlummer sinken und nicht spüren, wenn sie dich kitzeln.«

»Und wenn sie mich mit Messern stechen?«

»Das werde ich nicht zulassen«, versicherte Nidel und strich mit den Fingerspitzen über die Saiten. Matte Akkorde erklangen und gingen in einen monotonen Rhythmus über. Eine wabernde Klangwolke erfüllte das Zelt wie berauschender Blütenduft. Dazu begann Nidel zu singen - leise, fast geflüsterte Reime in einer fremdartigen Sprache. Es war der »Gesang vom trügenden Tod«. Und er wirkte rasch. Braum wiegte den Kopf, als sei ihm schwindlig. Dann verdrehte er die Augen, ließ die Arme sinken und kippte hintenüber von seinem Schemel.

Nidel legte die Harfe beiseite und blickte befriedigt auf seinen Partner. Den langen Rest des Liedes, der dafür sorgte, dass das Schmerzempfinden betäubt wurde, schenkte er sich – draußen warteten Kunden. Braum konnte also fühlen, riechen und hören - aber nicht einmal mit den Wimpern zucken. Erst ein Befehl Nidels würde ihm die Herrschaft über seine Muskeln wiedergeben. Ein Befehl, der viele Zestrinen wert war, wenn er im richtigen Augenblick gegeben wurde. Er zog Braum an den Armen hoch und wuchtete ihn sich über die Schulter; schob den Zeltvorhang beiseite und trat ins Freie.

Inzwischen waren es schon zwei Dutzend Schaulustige, die sich vor der Bühne versammelt hatten und ihn erwartungsvoll anblickten. Er ließ Braum von der Schulter gleiten und legte ihn lang ausgestreckt auf den Rücken. Dann richtete er sich auf und holte tief Atem.

»Es ist soweit!«, rief er laut. »Gleich werdet ihr Zeugen eines Wunders, wie es in Rhissus noch nie gezeigt wurde!« Er machte eine bedeutungsvolle Pause und fuhr fort: »Doch bevor ich beginne, sollt ihr eure Augen prüfen, damit ihr sicher seid, ihnen trauen zu können, wenn ihr erblickt, was ich euch darbieten werde. Seht ihr die Magd dort, mit dem grünen Kopftuch und dem Ferkel unter dem Arm?«

Alle Köpfe wandten sich der Gasse zu, und dem Mädchen, das dort gerade vorbei ging.

»Und ob ich die sehe!«, rief einer, und ein paar andere nickten mit rohem Lachen.

»Und was fällt dir an ihr auf?«

»Beim brodelnden Chaos - sie hat die größten Brüste, die ich je gesehen habe!«

»Sogar noch größer!«, bekräftigte ein anderer.

»Wenn ich's nicht mit eigenen Augen sehen würde...«

Das Mädchen schaute sich erschrocken nach ihnen um, packte das Ferkel vor ihre Brust und eilte mit roten Ohren davon.

»Nun wisst ihr, dass eure Augen euch nicht täuschen werden, wenn ihr mein Wunder erblickt«, sagte Nidel. Er deutete auf Braum, der vor seinen Füßen lag. »Dieser Mann starb heute im Morgengrauen. Seine Familie bat mich, ihn zu behandeln, denn sie hat mit ihm ihren Ernährer verloren, und sieben kleine Kinder fragen mit großen Augen, wann ihr Vater nach Hause kommt. Leider haben seine Angehörigen kein Geld, deshalb gestatteten sie mir, seine Erweckung vor Zuschauern und gegen Bezahlung vorzuführen. Bevor ich also beginne, bitte ich euch, jeweils einen Kupferfünfer in die Schale dort zu werfen.«

»Der hat weder eine Familie, noch ist er tot. Das ist Zwölf-Becher-Braum und er ist nur sinnlos besoffen. Wenn du ihm einen Becher Rübenschnaps unter die Nase hältst, wird er von selbst wieder lebendig.«

Nidel sah den Sprecher, einen schwarzbärtigen Hafenarbeiter, gleichgültig an.

»Durch dein Misstrauen bringst du die anderen hier um ein Erlebnis, dass ihnen nie wieder geboten werden wird, denn ohne Bezahlung kann ich nicht anfangen.«

Zwei oder drei Zuschauer warfen verdrossen Blicke auf den Zweifler. Nidel fuhr fort:

»Aber du gibst mir Gelegenheit, die Wahrheit meiner Worte zu beweisen. Wenn du als erster deinen Fünfer in die Schale wirfst, darfst du prüfen, ob dieser Mann wirklich tot ist.«

Zustimmendes Gemurmel erhob sich und der Bärtige wurde sanft nach vor geschoben. Finster blickend griff er in seinen Beutel und warf die Münze in die Schale. Dann trat er vor die Bühne, wo Braum mit glasigen Augen in den Himmel starrte.

»Prüf ihn«, ermunterte Nidel.

Der Bärtige hob zögernd eine Hand und tippte mit dem Finger Braums Unterarm an. Ein schadenfrohes Grinsen glitt über sein Gesicht.

»Der ist ja ganz warm!«, rief er zu den Umstehenden gewandt.

»Eine Folge des Rübenbranntweins, den er seit Jahren getrunken hat, um das Elend seiner Familie ertragen zu können. Den Ärzten ist diese Wirkung seit Jahrhunderten bekannt. Außerdem habe ich nicht behauptet, dass er kalt ist, sondern tot. Also prüf ihn.«

Der Bärtige langte nun mutiger hin. Er piekte Braum in die Seite, zwickte ihn derb ins Ohrläppchen und boxte ihm in die Weichteile. Dann packte er Braums Unterarm mit beiden Händen und drehte die Haut in entgegengesetzte Richtungen, bis das Blut aus den Poren trat. Vergeblich - Braum zuckte nicht einmal mit den Lidern.

»Nun?«, fragte Nidel. »Glaubst du, dass er tot ist?«

»Scheint so«, brummte der Bärtige.

»Alle sollen es hören.«

»Verdammt – ja, er ist wohl tot!«

»Dann wird sicher niemand mehr Bedenken haben, den Preis fürs Zuschauen zu bezahlen«, sagte Nidel in die Runde. Zufrieden verfolgte er, wie eine Münze nach der anderen in die Schale klimperte und schätzte, dass mindestens zehn Zestrinen zusammengekommen sein mussten.

Als der letzte bezahlt hatte, leerte Nidel die Schale, kniete sich vor Braums ausgestreckten Körper und hob die Arme.

»Der Tod ist eigentlich ein ganz schlichter Vorgang«, begann er mit einem Achselzucken. »Wenn die Lebenskraft unserem Körper entströmt oder entzogen wird, dann sterben wir. Wäre es möglich, diese Lebenskraft zurückzuleiten, so würde ein Toter natürlich auch wieder leben. Leider...«, er schüttelte bekümmert den Kopf, »... ist das nicht ganz so einfach. Genau genommen kann es überhaupt niemand.« Er ließ die Worte ein wenig wirken und hob dann plötzlich die gespreizten Hände. »Außer mir! Mir ist die Gabe verliehen, dass meine Fingerspitzen pure Lebenskraft verströmen, die ich auf einen toten Körper übertragen kann. Passt auf, wie ich es mache.«

Er verwendete viel Zeit darauf, mit den Fingern wieder und wieder über alle Körperteile Braums zu streichen und dazu unverständliche Worte zu murmeln, die sich wie magische Formeln anhörten. Erst als die ersten Zuschauer zu hüsteln begannen und ein gelangweiltes »Wird das noch was?« geflüstert wurde, bohrte er plötzlich die Zeigefinger in Braums Schläfen und rief laut »Arephta!«, was in der Sprache des Meuchelgesangs »Erwache!« bedeutete.

Ein Zucken lief durch Braums Körper. Er drehte den Kopf hin und her und begann leise zu stöhnen.

»Mein Arm. Mein Arm tut weh«, ächzte er und rieb sich den feuerroten Unterarm.

»Das ist nicht wichtig«, sagte Nidel »Freu dich, denn ich habe dich ins Leben zurückgeholt. Komm, steh auf, damit alle es sehen können.« Er zog Braum empor, bis er schwankend auf seinen Beinen stand. Staunende Ausrufe und vereinzeltes Händeklatschen begleiteten ihn dabei.

»Er lebt!«, rief er triumphierend. »Sprich zu unseren Zuschauern, Braum. Wie fühlst du dich?«

Braum stierte auf die Umstehenden. Langsam öffnete er die Lippen.

»A ... ma ... bab ...«, krächzte er. »Mein Arm tut weh.«

»Sein Geist braucht eine kurze Zeit, um sich wieder im Diesseits zurecht zu finden«, erklärte Nidel. »Gönnt ihm einen Moment Ruhe und er ist wieder ganz der Alte. Wartet, ich bin gleich zurück.« Er führte Braum von der Bühne und schob ihn ins Zelt.

»Warte hier - wir werden noch mehr Geld verdienen.«

Dann kehrte er auf die Bühne zurück und hob die Arme.

»Die Wunder sind noch nicht zu Ende!«, verkündete er den Zuschauern.

»Willst du ihm das Trinken abgewöhnen? Das wäre ein noch größeres Wunder!« Die ersten hatten sich so weit gefangen, dass sie wieder zu spöttischen Bemerkungen fähig waren.

»Ich fürchte, das kann selbst ich nicht«, grinste Nidel. »Nein - aber denkt daran, dass Braum sich einen ganzen Tag lang im Jenseits aufgehalten hat. Er hat die Gefilde des Todes erkundet und weiß, was euch erwartet, wenn ihr einst auch über diese Schwelle tretet. Er kann euch die Fragen beantworten, die euch quälen, wann immer ihr an den Tod denkt. Werdet ihr bestraft werden, für eure bösen Taten? Werden euch die guten entlohnt? Ist man im Jenseits nackt oder angezogen, und was gibt es dort zu essen? Braum kann euch das alles beantworten, wenn ihr wollt. Und noch vieles mehr.«

»Soll das auch wieder was kosten?«, rief eine magere Frau mit schmalen Lippen.

»Nur für den, der es in Anspruch nimmt«, erklärte Nidel. »Ich werde Braum gleich zurückholen und jeder, der einen weiteren Fünfer zahlt, darf ihm eine Frage stellen.«

»Und jeder, der hier steht, kann für mein Geld die Antwort hören«, nörgelte die Frau.

»So wie du die Antworten hörst, die die anderen bezahlt haben«, sagte Nidel.

»Ich hab noch nicht vor zu sterben«, brummte der Bärtige und wandte sich zum Gehen. Einige folgten ihm, aber die meisten blieben und erklärten, Braum ihre Fragen stellen zu wollen.

Nidel kehrte ins Zelt zurück, wo sein Partner auf einem Schemel saß und sich den Unterarm hielt.

»Ich komme fast um vor Schmerz«, jammerte er.

»Denk nicht dran. Wir müssen noch einmal hinaus.«

»Noch einmal? Warum? Ich kann nicht.«

»Es gibt noch mehr Geld zu verdienen. Pass auf ...« Er setzte Braum in kurzen Worten auseinander, was zu tun sei.

»Du hast mich angelogen«, schimpfte Braum. »Ich hab alles gespürt. Da, schau dir meinen Arm an. Dafür will ich die Hälfte statt eines Fünftels. Und wenn ich noch mal rausgehe auch die Hälfte.«

»Ein Fünftel, wie vereinbart - oder gar nichts. Ich trage schließlich die Kosten für alles hier.«

»Pah, und ich muss mich schinden lassen wie ein ... » Braum bekam plötzlich schmale Augen. »Ich könnte hinausgehen und allen erzählen, wie du sie betrogen hast.«

»Das könntest du natürlich« nickte Nidel langsam. »Aber weise wäre es nicht.« Er tippte mit dem Finger auf den Knauf des Kurzrapiers, der an seinem Gürtel hing. »Zweimal ein Fünftel ist besser als gar nichts. Wenn du dich geschickt anstellst, werden wir zusammen durch die Städte ziehen und einen Haufen Geld verdienen.«

»Na schön«, schnaubte Braum. »Aber das erste Fünftel will ich jetzt gleich.«

Mit saurem Gesicht holte Nidel seinen Geldbeutel hervor und zählte Braum einige Kupferstücke auf die Hand, der lange Augen machte, um in den Beutel blicken zu können.

»Komm jetzt. Die Leute warten schon auf uns.«

Braum erhob sich, nahm den Schemel mit und folgte Nidel aus dem Zelt. Es waren wieder einige Zuschauer hinzugekommen. Nachdem sein Partner die Bühne erklommen und sich auf dem Schemel niedergelassen hatte, wandte sich Nidel erneut an die Zuschauer:

»Der Wiedererweckte ist nun bereit, eure Fragen zu beantworten. Wer will der erste sein? Wer wirft einen Fünfer in diese Schale um die Antwort auf seine drängendste Frage erhalten?«

»Ich will ihn etwas fragen!«, krächzte ein alter Mann, der sich auf zwei Stöcke stützte und einige Mühe hatte, das Kupferstück aus seiner Tasche zu fingern und in die Schale zu legen.

»Stell deine Frage«, sagte Nidel.

Der Alte hustete rau und spie einen Brocken Schleim aus.

»Wie ist das - werde ich im Jenseits diesen verdammten Husten los werden?«

Braum zuckte zusammen und schaute Nidel aus den Augenwinkeln fragend an. Nidel antwortete mit einem versteckten Achselzucken.

»Ja, also ... ich weiß nicht«, begann Braum. »Ich selbst hab ja keinen Husten. Aber ich glaube ... Ich habe dort auch niemanden getroffen der Husten hat. Wer weiß ...«

Der Alte machte ein verdrossenes Gesicht und wollte offensichtlich zu einer Beschwerde ansetzen, aber ein Mann, der die grüne Schürze der Schankwirte trug, drängte sich vor.

»Ich hab eine wirklich wichtige Frage«, rief er und warf eine Münze in die Schüssel.

»Nur zu«, sagte Nidel freundlich.

»Also, da gibt es einen Mann für den ich jahrelang angeschrieben habe. Leider ist er vor einigen Wochen gestorben, ohne seine Schulden zu bezahlen. Werde ich mein Geld im Jenseits wieder bekommen? Gibt es dort ein Gericht vor dem ich ihn verklagen kann?«

Braum rutschte unruhig hin und her.

»Ja also ... »

»Gibt es dort Advokaten und was kosten sie?«

»Woran orientieren sich die Wechselkurse drüben?

»Sagt man im Jenseits Jenseits zum Diesseits?«

»Kommt man auch dort hin, wenn man nicht dran glaubt?«

Die Fragen flogen jetzt wild durcheinander. Keiner kümmerte sich mehr um den fälligen Fünfer.

»Sprich schon - du warst doch drüben.«

Dicke Schweißperlen standen plötzlich auf Braums Stirn und sein Kinn begann zu zittern.

»Ja, wie gesagt ... ich ... », unvermittelt sprang er auf, deutete auf Nidel und schrie: »Er hat euch betrogen! Ich war gar nicht tot. Er hat mich gezwungen mitzumachen und mich mit einem Meuchellied gelähmt.! Er ist ein Betrüger, ein Scharlatan, ein Hochstapler, ein ...«

Mit jeder von Braums Anschuldigungen wurden die Zuschauer unruhiger. Zuerst murrten sie dann wurden die ersten erbosten Schreie laut, und als Braum schließlich etwas von »... an den nächsten Ast mit ihm!« brüllte, war nicht mehr zu übersehen, dass die Menge ihm zu glauben begann und den 'Erwecker der Toten' bestraft sehen wollte. Der schaute sich vorsichtig um - überall Schreie und gereckte Fäuste. Es war an der Zeit gegenzusteuern, denn an Flucht war nicht mehr zu denken. Die ersten Klumpen von Unrat flogen in Richtung Bühne, aber da Nidel sich rasch hinter Braum stellte, konnten sie ihm nichts anhaben.

»Wartet!«, brüllte er aus seiner Deckung heraus, während er den sich windenden Braum festhielt. »Dieser undankbare Schuft belügt euch - er will mich um meine Einnahmen bringen. Ich schwöre es!«

Einige ließen die Arme sinken, da sie Nidel ohnehin nicht treffen konnten. Er nutzte die leichte Beruhigung und brüllte wieder:»Ich bin kein Betrüger! Ich kann es sofort beweisen!«

Die Menge beruhigte sich noch ein wenig mehr, sodass Nidel sich hinter Braum hervorwagen konnte.

»Lasst mich meine Ehrlichkeit beweisen!«, rief er. »Wenn mir das nicht gelingt, könnt ihr mich so behandeln, wie es ein Betrüger verdient.« Er deutete anklagend auf Braum. »Und ihn auch, denn er hat sich gerne an den Einnahmen beteiligt.«

Die letzten Schreie verstummten und die Zuschauer blickten sich gegenseitig an.

»Ich denke, diese Gelegenheit sollten wir ihm geben«, rief der Schankwirt schließlich. »Entwischen kann er uns ja nicht.«

Braum schien diese Wendung nicht zu gefallen. Er versuchte, sich von der Bühne zu stehlen, aber etliche Hände packten ihn und hielten ihn fest.

»Also«, rief der Wirt. »Wie willst du uns beweisen, dass du kein Hochstapler bist?«

»Indem ich euch zeige, dass ich jederzeit und wieder und wieder und unter allen Umständen Tote erwecken kann.«

»Schon klar, aber wie willst du das anfangen?«

Nidel tat, als dächte er nach, dann wies er auf Braum und sagte:»Ihr glaubt, ich hätte seinen Tod nur vorgetäuscht. Nun, warum verschafft ihr euch nicht Sicherheit? Tötet ihn noch einmal mit eigenen Händen und ich will ihn hier vor euren Augen wiedererwecken!«

»Und wenn es dir nicht gelingt?«

»Nun, so hat er euch auch betrogen, als er die Leiche spielte und hat den Tod genauso verdient wie ich.«

Die Leute schauten sich einige Atemzüge lang unschlüssig an.

»Also mich überzeugt das!«, krächzte schließlich der Alte mit den Stöcken.

»Gut, dann macht ihn bereit«, entschied der Wirt und nickte in Richtung Braum.

»He!«, rief Braum. »So geht das ...« Ein Knüppelhieb von hinten brachte ihn zum Schweigen. Er sank in die Knie und wurde im nächsten Moment von einem Wirbel prügelnder Fäuste und tretender Füße verschlungen.

Seine Schreie verstummten rasch, aber es dauerte eine ganze Weile ehe sie von ihm abließen und ihn freigaben.

Mit zusammengepressten Lippen schaute Nidel auf die zerfetzte Leiche des Wiedererweckten. Diesen Körper würde selbst ein Chaosmagier nicht wieder zum Leben erwecken.

»Nun, mach ihn wieder lebendig«, forderte der Wirt. »Wir werden alle aufmerksam zuschauen und wenn es dir nicht gelingt wirst du genauso aussehen.«

»Keine große Sache«, antwortete Nidel. »Lasst mich ihn nur rasch ins Zelt bringen und seine Wunden vernähen. Wenn erst alles Blut aus ihm herausgelaufen ist, kann auch ich nichts mehr tun.«

»Aber ich gehe mit«, sagte der Wirt.

»Gut. Hilf mir ihn zu tragen.«

Gemeinsam schafften sie die Leiche ins Zelt und betteten sie auf die Holzliege.

»Gib mir rasch den Beutel mit den Arztwerkzeugen, er liegt unter dem Fußende«, wies Nidel den Wirt an. Der bückte sich und tastete mit der Hand unter die Liege.

»Hier ist nichts.«

»Ich weiß«, sagte Nidel, riss seinen Kurzrapier aus dem Gürtel und hieb dem Wirt den Knauf ins Genick. Mit einem pfeifenden Laut sackte er zusammen.

Flugs öffnete Nidel die Utensilientruhe des Gestaltwandlers. Ein buschiger Bart, eine Kappe mit breiten Ohrenschützern und ein graugestreifter Wollumhang schienen ihm am geeignetsten. Zwei Atemzüge später war er sich sicher, dass niemand da draußen ihn wiedererkennen würde. Dann schlitzte er die hintere Zeltwand auf, schlängelte sich hinaus und huschte geduckt hinter den anderen Ständen in Richtung der Hauptstraße, wo es die astocanischen Wurstbrote gab.

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Lunay
Sonntag, 06. Februar 2011 19:02 Uhr
Wow, die Geschichte ist echt gut. Von Anfang bis Ende fesselnt. Du hast wirklich Talent.

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Erstellt: 16.08.2010, zuletzt aktualisiert: 27.09.2016 09:58