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Interview mit Gerd Scherm

von Marianne Labisch

 

Zur ihrer Rezension von Der Nomadengott führte Marianne Labisch ein vergnügliches Interview mit dem Autor Gerd Scherm:

Gerd Scherm 2012, Foto von Jim Albright
Gerd Scherm 2012, Foto von Jim Albright


Vorab kurz zur Info: Gerd und ich sind seit vielen Jahren gemeinsam im Forum der Geschichtenweber und haben eine Anthologie Was geschah im Hotel California? gemeinsam herausgegeben, daher sind wir per Du.

 

Fantasyguide: Gerd, ich weiß, du bist relativ bekannt, aber stell dich bitte den Leuten, die noch nie von dir gehört haben, kurz vor.

 

Gerd Scherm: Ich habe mit 16 Jahren mit dem literarischen Schreiben angefangen und mich zum »Wiederholungs- und Serientäter« entwickelt – Lyrik, Prosa, Geschichten, Satiren, Essays, Hörspiele, Theaterstücke. »Der Nomadengott« war mein erster Roman, den ich zuende geschrieben habe.

 

Fantasyguide: Wie bist du auf die Idee zum »Nomadengott« gekommen?

 

Gerd Scherm: Ich bin unter anderem Kultur- und Religionssoziologe, da interessiert mich von Haus aus das Verhältnis der Menschen zu göttlichen Wesen. Beim »Nomadengott« gab es zwei Impulse zum einen die Vielfalt und Vielgestaltigkeit der ägyptischen Götter. Zum anderen hat es mich immer gestört, dass der »Auszug aus Ägypten« in der Bibel mit so viel Mord und Totschlag, Raub und Brandschatzung verbunden wird. Ich wollte eine humorvolle und unterhaltsame Alternative erfinden.

 

Fantasyguide: Du hast diesen Roman ursprünglich über Books on Demand veröffentlicht.

War das damals nicht noch relativ ungewöhnlich? Und warum hast du diese Art der Veröffentlichung gewählt?

 

Gerd Scherm: Ja, man wurde als »Selbstverleger« von den meisten schief angesehen und den Begriff »Indie-Autor« gab es noch nicht. Aber ich wollte einfach nicht Monate und Jahre damit vergeuden, Verlage abzuklappern und habe deshalb meinen Roman gleich selbst veröffentlicht.

 

Fantasyguide: Wie kam es dann dazu, dass Heyne sich dafür interessierte?

 

Gerd Scherm: »Der Nomadengott« erhielt enorm viele positive Rezis im ganzen deutschsprachigen Raum und entwickelte sich schnell zu einer Art »Kultbuch« im Internet. Dann wurde der Roman mit dem BoD Autoren Award auf der Leipziger Buchmesse 2004 ausgezeichnet und im gleichen Jahr unter anderem für den Phantastikpreis der Stadt Wetzlar nominiert. Als erstes selbst verlegtes Buch kam »Der Nomadengott« in die Runde der letzten 8 und belegte Platz 2 hinter Tintenherz. Kurz darauf bekam ich einen Anruf vom Lektorat des Heyne Verlags. Sie fragten mich auch gleich, ob ich mir eine Fortsetzung vorstellen könne.

 

Fantasyguide: Wie stehst du heute zu Selbstveröffentlichungen? Wo liegen für dich die Vor- und Nachteile?

 

Gerd Scherm: Ich arbeite ja auf vielen literarischen Gebieten und suche mir für die jeweiligen Projekte die entsprechenden Publikationswege. Seit 20 Jahren arbeite ich z.B. im Bereich Lyrik hauptsächlich mit einem bibliophilen Verlag, meine Essays werden in einschlägigen Zeitschriften veröffentlicht und meine Geschichten bei diversen Verlagen. Meine Theaterstücke publiziere ich über Books on Demand, da hier der Markt sehr überschaubar ist. Andere Projekte sind so speziell und ausgefallen, dass sie in keine Verlagsschublade passen wie z. B. meine Satiren Das Brevier der allerletzten Wahrheiten, das bei mir zu einem Dauer-Seller geworden ist. Oder mein dokumentarischer Episodenroman Die dunkle Mühle, den dann Vito von Eichborn in seine Edition übernommen hat.

 

Fantasyguide: Wie kam es zur Neuauflage im p.machinery Verlag?

 

Gerd Scherm: Ich habe auf Facebook und dem Forum Geschichtenweber gepostet, dass ich die Rechte an meiner Nomadengott-Saga vom Heyne Verlag zurückbekommen habe und nun einen Verlag für eine Neuausgabe suche. Es dauerte nicht einmal 24 Stunden und p.machinery machte mir ein sehr gutes Angebot.

 

Fantasyguide: Wurde in der Neuauflage viel geändert?

 

Gerd Scherm: Überhaupt nichts. Nur ein paar alte Fehler korrigiert.

 

Fantasyguide: Ich kannte dich bisher als Theaterstückschreiber, Lyriker und Verfasser von E-Literatur, als humorvollen Autor weniger. Was für eine Rolle spielt Humor für dich?

 

Gerd Scherm: Nun, auch bei meinen »ernsten« Texten ist mir Humor immer wieder wichtig. In meinem Drama Alexander der letzte Markgraf z. B. ist die zweite Hauptrolle und Star des Stücks ein Hofnarr.

 

Fantasyguide: Wer war zuerst da? Der Ort Memphis (in Ägypten) oder El Vis?

 

Gerd Scherm: Ich gestehe, der Ortsname hat mich dazu inspiriert, die Figur des El Vis zu erschaffen, eines Sängers, der wegen »extremer Weltlichkeit« verbannt wurde.

 

Fantasyguide: Ist dein Buch nicht heute fast aktueller, als zu der Zeit, als du es geschrieben hast?

 

Gerd Scherm: Ich denke, das Thema des Buchs ist – leider – zeitlos. Es ist anscheinend ein menschlicher Reflex, in einer Krise nach Schuldigen zu suchen und da fällt die Wahl zum Sündenbock stets auf die nächste Minderheit – Fremde, Andersgläubige, Andersfarbige, Anderssprechende.

 

Fantasyguide: Woran arbeitest du im Moment?

 

Gerd Scherm: Gemäß der Aussage von Douglas Adams, dass jede gute Trilogie aus mindestens vier Bänden besteht, arbeite ich derzeit endlich am 4. Band meiner Nomadengott-Saga –Die Trickster. Der Roman hat die keltische Mythologie zum Thema mit Kreuzungspunkten zur Artus-Sage. Er soll ebenfalls im Verlag p.machinery erscheinen.

 

Fantasyguide: Vielen Dank für dieses Interview. Möchtest du noch irgend etwas loswerden?

 

Gerd Scherm: Viel Spaß beim Lesen meiner Bücher!

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Buch:

Der Nomadengott

Autor: Gerd Scherm

Taschenbuch, 232 Seiten

p.machinery, 20. November 2015

 

ISBN-10: 3957650429

ISBN-13: 978-3957650429

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B018DYKB94

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition

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Erstellt: 22.01.2016, zuletzt aktualisiert: 26.09.2016 17:11