Große Geschichten vom kleinen Volk (Herausgeber: Ruggero Leo)
 
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Große Geschichten vom kleinen Volk, herausgegeben von Ruggero Leo

Rezension von Christel Scheja

 

„Der Hobbit“ wirft seinen Schatten voraus – in allen großen Verlagen erscheinen derzeit Romane, Anthologien und Sachbücher, die sich mit dem kleinwüchsigen und gemütlichen Volk beschäftigen. Die umfangreichste Geschichtensammlung aus deutschen Landen ist wohl „Große Geschichten vom kleinen Volk“ aus dem Bastei-Verlag. Herausgeber Ruggero Leo hat fünfzehn deutsche Autoren unter dem Buchdeckel versammelt, die ihre ganz eigenen Visionen präsentieren.

 

Den Anfang macht Christoph Hardebusch mit „Wenn einer eine Reise tut“. Der junge Held mag zwar seinen Spaß daran haben, die spießigen Mitbürger machen sich aber seine ganz eigenen Gedanken darüber, die nicht besonders nett sind.

„Held wider Willen“ von Thomas Finn beschäftigt sich mit dem jungen Fido, der unter einem schweren Erbe zu leben hat, denn sein Großvater war völlig aus der Art geschlagen, ein Abenteurer, der sich in fernen Landen sogar mit Drachen herumgeschlagen und darüber auch noch ein Buch geschrieben hat. Er ahnt nicht, dass er bald keinen Grund mehr haben wird, über die herzuziehen, die sich von diesen Abenteuern inspirieren lassen.

Alexander Lohmann erzählt eine Nebengeschichte zu seinen „Gefährten des Zwielichts“. Auch hier hält ein Halbling das Schicksal der Welt in den Händen, denn er hat auf seinen Reisen das Wesen der anderen Völker zu Genüge kennengelernt.

Bernd Perplies erzählt in „Shloko Holmser und der unsichtbare Bogenschütze“ von den eigenwilligen Ermittlungen eines nicht ganz so großen Meisterdetektivs.

Claudia Kern lässt in „Die Hütte“ der Neugier einiger junger Halblinge freien Lauf, die aber eine bittere Erfahrung machen müssen.

Gesa Schwarz beweist mit „In den Schatten“, dass auch Halblingsmädchen bereit dazu sind, sich in Abenteuer zu stürzen, auch wenn sie dabei einiges durchmachen müssen. Aber manchmal heilt das sogar tiefe Wunden.

Linda Budinger erzählt in „Der steinerne Fluch“, wie alte Geheimnisse eine Hochzeit unter den Halblingen überschatten. Alles beginnt damit, dass sehnlichst erwartete Händler nicht zum vereinbarten Zeitpunkt auftauchen und führt zu einem dramatischen Abenteuer, in dem vor allem der junge Haru über sich herauswachsen muss.

„Der Halbling“ macht dem Autoren Michael Peinkofer klar, warum er sich eigentlich nicht als Held seiner Geschichte eignet, Nur gut, dass er bald dankbaren Ersatz für seine Idee finden wird.

Weitere Geschichten stammen von Aileen P. Roberts, Jo Zybell, Bernd Frenz, Prisca Burrows, Ruggero Leo, Stephan Russbült, Rebecca und Wolfgang Hohlbein.

 

Die Mischung ist bunt und abwechslungsreich, denn neben humorvollen Blicken auf die ganz besonderen Eigenarten der Halblinge – ihre Gemütlichkeit und das tief verwurzelte Spießbürgertum, gibt es auch dramatische und traurige Geschichten. Fast alle haben aber auch einen abenteuerlichen Kern, manche arbeiten zudem mit mystischen Geheimnissen, die auch Gelegenheit dazu geben, eine gute Geschichte in der Handlung selbst zu erzählen.

Da die Autoren genug Raum bekommen haben, um sich zu entfalten, arbeiten viele Erzählungen nicht nur auf eine Pointe am Ende zu, gerade die längeren wie „Der Steinerne Fluch“ bieten ein abwechslungsreiches Abenteuer und einen ausgefeilten Hintergrund. Aber immer haben die Autoren dabei den Charakter des kleinen Volks in Auge, der sie von Elfen oder Zwergen abhebt. Interessanterweise wählt nur eine Autorin eine weibliche Heldin, die anderen stellen mehr oder weniger junge Halblinge in den Mittelpunkt, die mal mehr, mal weniger Eigenschaften von Frodo, Sam, Pippin oder Merry zeigen.

Wirkliche Ausfälle gibt es nicht. Allein die Geschichte von Wolfgang Hohlbein fällt ein wenig aus dem High-Fantasy Rahmen, da er sie fest in der irdischen Gegenwart verankert. Andere Ideen sind nicht gerade neu, aber Michael Peinkofer setzt das Gespräch zwischen dem Autoren und seiner unwilligen Hauptfigur charmant um.

Letztendlich gewinnt die Anthologie durch die Freiheiten, die die Autoren erhalten haben. Gerade weil jeder seine Idee angemessen umsetzen konnte, sind die Geschichten abwechslungsreich und spannend, teilweise Novellen, die mehr als nur ein kurzes Lesevergnügen bieten. Auch lösen sich viele Erzählungen von Tolkiens Vorbild, ohne jedoch den Geist des Volkes zu verleugnen, so dass man immer wieder Neues geboten bekommt. So wird jeder, der ohnehin ein Faible für leichtfüßige High Fantasy mit listenreichen Figuren hat, seine Lieblingsgeschichte finden und auch den Großteil des Restes genießen können.

 

„Große Geschichten vom kleinen Volk“ ist eine gelungene Anthologie, die aus einem aktuellen Modethema eine gelungene Sammlung von humorvollen bis spannenden Geschichten macht, die so manchen Winterabend versüßen dürften, wenn man sich auf abenteuerliche Fantasy-Abenteuer mit einem frechen Augenzwinkern einlassen kann.

 

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Bücher:

Große Geschichten vom kleinen Volk

Herausgeber: Ruggero Leo

Bastei-Lübbe, erschienen November 2012

broschiert, 510 Seiten

Titelbild von Jorge Jacinto

Illustrationen von Jürgen Geier

ISBN-10: 340420705X

ISBN-13: 978-3404207053

Erhältlich bei: Amazon

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230607204217271c3f01
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Erstellt: 12.12.2012, zuletzt aktualisiert: 07.08.2022 14:43