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Smarty Pants - Das Besserwisserspiel (Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Es schien längst überfällig, die vielfältigen Optionen der Wii-Steuerung endlich auch für eine der liebsten Beschäftigungen der Deutschen zu nutzen, nämlich für das Quizspiel. Gerade zum Jahreswechsel kündigen sich in diesem Bereich gleich mehrere Titel an, darunter unter anderem auch eine Adaption des viel gepriesenen „Wer wird Millionär“. Bei weitem nicht so renommiert, deswegen aber sicherlich nicht unspektakulärer ist indes der neue EA-Titel „Smarty Pants“, der die Mechanismen der Wiimote über das klassische Ratevergnügen hinaus verwendet und das Frage-Antwort-Spiel mit einigen sehr lebendigen Segmenten bereichert.

„Smarty Pants“ ist dabei im Prinzip das Wii-Adäquat zum populären Playstation-Titel „Buzz“, wobei der Speicher der Nintendo-Variante scheinbar nicht ganz so viele Kategorien hergegeben hat wie Sonys Bestseller. Der Spielaufbau ist weitaus simpler, die unterschiedlichen Spielrunden nicht sonderlich verschieden und mit immerhin 20.000 Fragen steht man ebenfalls leicht hinter dem inoffiziellen Vorgänger zurück.

Dafür glänzt „Smarty Pants“ jedoch mit einigen schweißtreibenden Zwischensequenzen, in denen die Bewegungsfreude der Wii-Gemeinde auf die Probe gestellt wird, so zum Beispiel in verschiedenen Tanzeinlagen, deren Resultat am Ende als Multiplikator auf die eigene Punktzahl aufgeschlagen wird. Aber auch der Einsatz von Sonderkarten sowie kleine Wettkämpfe bei der Wahl der Kategorie machen das Spiel insgesamt doch ein wenig flexibler und, soviel vorab, zu einer lohnenswerten Alternative für die derzeit wohl lebhafteste Konsole.

 

 

Das Spiel:

In „Smarty Pants“ haben die Spieler die Wahl zwischen drei verschiedenen Modi, wobei der interessanteste sicherlich der Wettstreit mit bis zu vier Spielern ist. In einer vorab festgelegten Rundenzahl – man hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Spiellängen – testet man sein Wissen in insgesamt acht unterschiedlichen Kategorien, die jedes Mal wieder von neuem mit dem Drehrad ermittelt werden. Dabei ist es aber auch möglich, das Endresultat des Drehrads zu beeinflussen und es individuell hin und her zu schubsen, um somit bevorzugte Wissensgebiete öfter abzurufen – doch diese Option ist allen Spielern beschieden und führt mitunter zu witzigen Rangeleien vor der eigentlichen Fragerunde.

Diese wiederum besteht aus insgesamt drei Fragen je Kategorie, die mit dem klassischen Buzzer-System angewählt und schließlich beantwortet werden müssen. Hierzu reißen die Spieler die Wiimote sofort hoch, wenn sie glauben, die Antwort zu kennen, und erhalten schließlich vier Wahlmöglichkeiten, aus denen sie die passende heraussuchen müssen. Währenddessen tickt im Hintergrund die Punkteuhr herunter und bestimmt, wie viele Punkte der aktive Spieler für die richtige Antwort bekommt. Je langsamer er antworte, desto weiter ist diese Leiste schließlich dezimiert, und desto weniger Punkte erhält man schlussendlich. Wer indes falsch antwortet, bekommt die entsprechende Punktzahl von seinem Konto abgezogen. Im Übrigen ist auch ein Sicherheitsmodus für Blindwähler eingebaut; wer nämlich schon den Buzzer betätigt, bevor die Frage zu Ende gelesen wurde, und dann auch noch die falsche Antwort angibt, wird für den Rest der Runde ins Gefängnis gesteckt und vom Geschehen ausgeschlossen. Übereifrigkeit lohnt sich ergo nicht!

Während des Spiels sammeln die Spieler außerdem Karten, mit denen sie ihre Gegner ärgern können. So kann man den Schwierigkeitsgrad der Fragen des Gegners kurzfristig erhöhen (muss hierzu jedoch ein nettes Mini-Spiel absolvieren), den eigenen dem entgegen herabsetzen, die Zeitleiste ausbremsen oder eine falsch beantwortete Frage ohne Punktverlust hinnehmen. Und wer ein bisschen mehr Glück hat, landet mit dem Drehrad zusätzlich zur Kategorie noch in einer Tanzrunde, in der man die Wiimote energisch bewegen muss, um so für die kommenden Fragen einen möglichst großen Multiplikator zu erzielen, der mit allen richtigen Antworten verrechnet wird.

Während man im Freunde-Modus noch erbittert gegeneinander um den Sieg kämpft, handelt es sich im Familien-Modus um ein kooperatives System, bei dem man versuchen muss, möglichst viele Frage in einer bestimmten Zeitvorgabe zu beantworten. Dies geschieht reihum und offeriert jedem die gleichen Möglichkeiten, seinen Teil zu einer ordentlichen Gesamtpunktzahl beizutragen. Lobenswert hierbei und überhaupt im ganzen Spiel: Zu Beginn einer Partie müssen die Spieler ihr Alter eingeben, und dementsprechend ist auch der Schwierigkeitsgrad der Fragen gestaffelt, um tatsächlich jedem Beteiligten gleiche Chancen zu lassen. Eine fortschrittliche Idee, die man in solchen Titeln bislang immerzu vermisst hat!

Ähnlich wie das Familienspiel konstituiert sich auch der Solo-Modus, den man aber vornehmlich als Trainingseinheit betrachten kann. Doch auch wenn der Spaßfaktor bei weitem nicht so hoch ist wie in den übrigen beiden Systemen, so ertappt man sich auch hier dabei, sich ausdauernd auf sein Allgemeinwissen prüfen zu lassen. Und außerdem: Man hat ja nicht immer direkt einen oder mehrere Mitspieler zur Hand.

 

 

Technik:

Man hat sich bei Electronic Arts durchaus Gedanken gemacht, wie man den klassischen Quizspiel-Mechanismus derart aushebeln kann, dass auch die Funktionen der Wiimote sinnvoll integriert werden können. Das Buzz-System macht hier den Anfang, Nebenoptionen wie das Schubsen und überhaupt die Steuerung des Drehrads oder eben auch die kleinen Mini-Spiele setzen hier weitere Akzente, auch wenn gerade Letztgenannte in ihrer Umsetzung nicht immer ganz überzeugen. Gerade das Tanzspiel ist ein wenig albern, da es nicht wirklich darum geht, sich rhythmisch durch den Raum zu bewegen, sondern grundsätzlich ein schnelles, überdrehtes Herumschwingen der Fernbedienung hierzu ausreicht. Besonders hier mangelt es dem Spiel noch an authentischem Gameshow-Feeling.

Darüber hinaus ist die Grafik ein deutliches Manko, auch wenn sie sich weitestgehend an den ersten Gehversuchen des Geräts orientiert. Allerdings wäre Vergleichbares auch schon damals auf dem N64 möglich gewesen, und ein derart markantes Urteil ist für eine Konsole der neuen Generation schon beinahe tödlich. Immerhin gibt „Smarty Pants“ Gelegenheit, eigene Mii-Charaktere zu verwenden, durch die das optische Defizit wieder geringfügig aufgewertet werden kann. Aber insgesamt ist die Grafik ein eklatanter Schwachpunkt.

Schlussendlich lässt sich auf technischer Ebene ein recht zwiegespaltenes Fazit ziehen. Das Handling ist weitestgehend hui, die kitschige Optik zumeist pfui.

 

 

Spielspaß:

„Smarty Pants“ entwickelt sich gerade zu Beginn zum absoluten Dauerbrenner. Das sympathische Spielsystem und vor allem die jederzeit ausgeglichenen Möglichkeiten (hier zahlt sich die individuelle Staffelung der Altersklassen immer wieder deutlich aus) ermöglichen Wettkämpfe in ganz unterschiedlichen Konstellationen, welche man wiederum in vergleichbaren Titeln immer vergebens suchen musste. Und auch die inhaltliche Vielfalt der Fragen – man schöpft immerhin aus 20.000 verschiedenen – scheint unbegrenzt und garantiert auch langfristig anhaltenden Spielspaß. Begünstigt wird dies vor allem durch den lebhaften Mechanismus und das flotte Spieltempo, welches keinen der Beteiligten so schnell zur Ruhe kommen lässt. Die Uhr tickt oft unerbittlich und macht so manche Quizrunde zu einem rasanten, indes sehr witzigen Schlagabtausch. Lediglich die etwas knapp bemessenen Runden geben Anlass zur Kritik; drei Fragen pro Kategorie scheinen manchmal doch etwas wenig, sind insgesamt aber dennoch keine echte Spaßbremse.

 

 

Fazit:

Der Einstieg ins Quiz-Genre ist „Smarty Pants“ vollauf gelungen. Das selbsternannte Besserwisserspiel bietet dank seines dynamischen Schwierigkeitsgrads witzige und vor allem ausdauernde Unterhaltung für alle Generationen zugleich und bezieht des Weiteren die Möglichkeiten der innovativen Wii-Steuerung sehr schön ins Spiel mit ein. Sieht man mal vom grafische Fauxpas ab, haben Electronic Arts hier einen ersten Maßstab für dieses bei weitem noch ausbaufähige Genre gesetzt, der unabhängig vom noch Folgenden als Spiel für die ganze Familie zu empfehlen ist. Was bei Trivial Pursuit und Co. bislang nie möglich war, nämlich es dem intellektuellen Level unterschiedlicher Altersklassen recht zu machen, wird hier bravourös gelöst und sichert infolge dessen auch dauerhaften Spielspaß.

 

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Smarty Pants - Das Besserwisserspiel (Wii)

von Electronic Arts GmbH

Plattform: Nintendo Wii

USK-Einstufung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gem. 14 JuSchG

ASIN: B000VQQGVA

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 11.01.2008, zuletzt aktualisiert: 27.01.2015 02:24