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Boom Blox (Nintendo Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Steven Spielberg, seines Zeichens womöglich der beste und wichtigste Hollywood-Regisseur der vergangenen drei Jahrzehnte, hat seine Jugend zurück gewonnen und sich nach längeren Spekulationen nun endlich auch dem Videospiel-Segment geöffnet. Gemeinsam mit den Designern von Electronic Arts konzipierte er ein außergewöhnliches, mitunter sehr destruktives Spiel, dessen geheimste und effizienteste Waffe ganz klar die Logik ist. Nanu: Strategie und Action im Doppelpack? Und dann auch noch von einem Ideengeber wie Spielberg inspiriert? Kann das gut gehen? Ja, es kann, wie das innovative Spielkonzept von „Boom Blox“ beweist, welches sich nun anschickt, den momentanen Stillstand auf Nintendos Wii-Konsole endgültig zu beenden.

 

 

Spielidee

 

Blöcke waren schon im legendären „Block Breaker“ das wesentliche Spielelement und sollen es nun Jahre später auch im eigenwilligen „Boom Blox“ wieder sein. Und damals wie heute geht es vornehmlich darum, ihre rasche Zerstörung herbeizuwirken und mit effektiven Würfen, Schlägen und gezielten Attacken mit möglichst wenig Aufstand die maximale Zerstörung hervorzurufen.

 

So schlicht wie diese kurze Umschreibung nun klingt, funktioniert der neue EA-Hit allerdings nicht. Stattdessen beruht das Spielkonzept nämlich in erster Linie auf taktischem und physikalischem Denken, welches vor allem dann notwendig ist, wenn durch bestimmte Kettenreaktionen Blöcke und deren Träger zum Einsturz gebracht werden sollen. So sucht man in „Boom Blox“ nahezu ständig Schwachstellen in den vorgegebenen Aufbauten und Konstruktionen, schleudert schließlich Bälle, Kugeln oder sonstige Gegenstände hinein und bemüht sich, nach bester Bowling-Manier im ersten Versuch alles abzuräumen. Doch wie schon gesagt: So einfach läuft das nicht…

 

Grundsätzlich bestehen die jeweiligen Level-Aufbauten aus unterschiedlichen Block-Typen, die wiederum ganz andere Reaktionen zeigen, wenn sie von fremder Hand umgestoßen oder angegriffen werden. Kristallene Blox zerschellen bei der kleinsten Berührung während chemische Würfel oftmals ein hochexplosives Gemisch enthalten, welches bei richtigem Einsatz die gesamte Umgebung zerstört. Und so gibt es eben auch unter der reichhaltigen Anzahl der Blöcke reichlich Typen und ‚Charakter’ mit gänzlich individuellen Eigenschaften.

 

Der Kniff ist nun, die einzelnen Türmchen und Nachbauten bestimmter (geometrischer wie weltlicher) Figuren genau in dem Winkel zu befeuern, der nach Möglichkeit die sofortige Zerstörung des Bauwerks bewirkt. Anfangs geht es lediglich darum, Waagen ins Ungleichgewicht zu bringen oder zielgerichtet Blöcke aus einer Vorrichtung zu schmettern, doch mit wachsender Spieldauer werden die Herausforderungen immer größer. So muss man im Story-Modus beispielsweise ein Affenbaby zu seiner Mama zurückführen, indem man mit Blöcken und geschickten Verschiebungen den Weg ebnet. An anderer Stelle bekommt man indes Gelegenheit, den Domino-Day nachzuspielen und ganze Fassaden abzureißen, während man die entscheidenden Teile Schritt für Schritt aus der Konstruktion herausschießt.

 

Die Wurftechniken bleiben im Übrigen bei weitem nicht die einzelnen Handlungsmuster in „Boom Blox“. So kommt man mit weiterem Fortschritt in den Besitz von Bombenelementen, darf mit einem Wasserwerfer schießen oder auch Jenga-ähnlich eine Zange einsetzen, um wichtige Bestandteile aus einem Gebäude herauszuziehen, ohne dies dabei zu beeinträchtigen – und jedes Mal wieder beruht das Ganze auf einem ganz speziellen Masterplan, den man erst einmal durchschaut haben muss, bevor man Hand anlegt. Andernfalls wird man nämlich leicht das Limit der Zugmöglichkeiten überschritten haben und muss einen neuen Versuch starten.

 

Ziel ist es derweil, eben jenes Limit einzuhalten und dabei die begehrten Medaillen zu sammeln bzw. neue Level frei zu schalten. Letzteres gelingt bereits bei einer bronzefarbenen Auszeichnung, allerdings entwickelt man in den meisten Stages einen enormen Ehrgeiz, der einen früher oder später auch zum höchsten Preis führen wird.

 

Insgesamt bietet „Boom Blox“ mehr als 300 Levels in insgesamt fünf verschiedenen Welten, dies jedoch immer wieder unterteilt in Blockkombinationen sowie eine kleine oberflächliche Story. Während man hier schon Stunden und Tage verbringen kann, um auch die kniffligsten Rätsel optimal zu lösen, ist der Multiplayer-Modus schließlich das Höchste der Gefühle. Egal ob abwechselnd im Koop-Modus, gegeneinander bei der Zerstörung eines Turms oder eben im besagten Jenga-Stil bei maximaler Schadensbegrenzung – hier ist eine Menge geboten, und dies lobenswerterweise für bis zu vier Spieler gleichzeitig. Und wer sich hier immer noch nicht satt gespielt hat, darf seine Erfahrung nutzen, um im Leveleditor eigene Welten zu gestalten und sie später dann im Netz gegen neue Alternativen aus aller Welt zu tauschen. Das nennt man dann wohl grenzenloses Spielvergnügen – zumindest in Sachen Abwechslung kommt das Spiel nur schwerlich an seine Grenzen!

 

 

Technik/Grafik:

 

„Boom Blox“ ist ein äußerst familienfreundliches Spiel und erfreut sich dementsprechend auch einer sehr simplen Steuerung. Allerdings reagiert die Wiimote auch sehr sensibel, da gerade in späteren Phasen des Spiels vollkommene Präzision gefragt ist und somit selbst das kleinste Ruckeln fatal sein kann. Doch auch nur so kann’s und soll’s funktionieren, weshalb es fürs Handling aufgrund der Simplizität und der zielgenauen Ausrichtung der Steuerung auch die maximale imaginäre Punktzahl gibt.

 

Dem entgegen ist die Grafik mal wieder überaus gewöhnungsbedürftig und fernab von bombastischen Leinwandspektakeln der Marke Spielberg. Stattdessen orientiert man sich an der mittlerweile schon recht müden, kindlichen Optik der meisten Wii-Titel, was hinsichtlich der Mechanismen sicherlich zweckmäßig ist, sich aber eben nicht als das darstellt, was man bei diesen geradezu optimalen Suggestionen erwarten durfte. Aber Wii-Besitzer sind diesbezüglich mittlerweile abgehärtet und sollten sich über grafische Mängel kaum mehr wirklich aufregen – schade eigentlich!

 

 

Spielspaß:

 

Es gibt für die Wii wohl derzeit kaum einen Familientitel, der zugleich anspruchsvoll, partytauglich und derart fesselnd ist wie dieses kleine Meisterwerk aus dem Hause EA. Dabei überzeugt das Spiel vor allem mit einer linearen Struktur und sich kontinuierlich steigernden Level-Arrangements, die nach anfänglichen Übungspartien blitzschnell ihren individuellen Anspruch erhöhen. Je mehr Türme man schließlich zum Einsturz gebracht hat, desto mehr Einsturzwinkel, Balance-Diskussionen und Zerstörungskräfte muss man für das nächste Puzzle berücksichtigen, um schließlich irgendwann die Goldmedaille einzuheimsen. Und eben gerade der Fakt, dass man sich irgendwie nicht so recht an das folgende Rätsel herantraut, bevor man das vorherige gelöst hat, spricht schon für die erhöhte Suchtgefahr, die von „Boom Blox“ ausgeht.

 

Folgerichtig ist auch der Spielspaß in sämtlichen Modi maximal, einerseits wegen des steten Abwechslungsreichtums, andererseits aber auch wegen der partiell enorm anspruchsvollen Aufgaben, von denen man – fast schon Sudoko-ähnlich – nicht ablassen möchte. Einzig und allein die Welten, in denen man sich gegen lebende Gestalten behaupten muss, sind weniger spektakulär und nicht bis ins letzte Detail durchdacht und ausgearbeitet. Ergo bewegt man sich dort auch nicht ganz so gerne wie in den üblichen Stillleben, was angesichts des geringen Prozentsatzes solcher Level aber auch leicht zu verkraften ist. Die Krone wird dem Ganzen schlussendlich im Multiplayer-Game aufgesetzt, von dem insgesamt der größte Reiz ausgeht. Ob Jenga oder klassische Zerstörung: Gegen einen oder mehrere Gegner tritt man noch viel lieber an als gegen die Uhr oder die festen Vorgaben der Level-Missionen, und das will ganz bestimmt etwas heißen! Klarer Fall also, da haben die Damen und Herren von EA in Kooperation mit Herrn Spielberg ganze Arbeit geleistet.

 

 

Fazit:

 

„Boom Blox“ offeriert eine geniale Spielidee mit einem gehörigen Suchtpotenzial und zig weiteren Inspirationen für künftige Weiterentwicklungen und Erweiterungen. Auch wenn die kindliche Grafik zunächst abschrecken mag und auch das Spielkonzept merkwürdig erscheint, so haben die Designer mit der Umsetzung eine echte Marktlücke im Videospiel-Business aufgestoßen, deren letzter Beitrag sicherlich nicht auf den Namen „Boom Blox“ hören wird. Und derart begeisternde, zudem innovative Grenzüberschreitungen gehören von allen belohnt, die Nintendos zuletzt nur noch selten überzeugende Sportkonsole ihr Eigen nennen!

 

 

Eure Meinung:


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Boom Blox (Nintendo Wii)

von Electronic Arts

System: Nintendo Wii

USK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gem. 14. JuSchG

ASIN: B0012P8WMK

Erhältlich bei: Amazon

 

 

 

 


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Erstellt: 25.06.2008, zuletzt aktualisiert: 19.02.2015 01:15