Die Welle (DVD)
 
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Die Welle (DVD)

Rezension von Cronn

 

Vor nahezu vierzig Jahren, genauer gesagt im Jahre 1967, führte der Highschool-Lehrer Ron Jones in Palo Alto, USA, ein folgenschweres Experiment durch. Angeregt durch die Tatsache, dass die Schüler mit Unverständnis auf einen Lehrfilm reagierten, der als Inhalt die Verbrechen des Nazi-Regimes hatte, sprach er mit ihnen über diese Zeit und die Möglichkeiten der Manipulation der Massen.

 

Die Schüler zeigten sich wiederum unverständig und wollten nicht glauben, dass es auch heutzutage noch möglich sei, ein derartiges diktatorisches System zu etablieren, egal in welchem Land.

 

Aufgrund dieser Erfahrung führte Ron Jones das Experiment Die Welle durch, das bereits nach wenigen Tagen zu besorgniserregenden Ergebnissen führte.

 

Die Erlebnisse von Ron Jones wurden von dem amerikanischen Schriftsteller Todd Strasser alias Morton Rhue in ein Drehbuch umgeschrieben, das 1981 als „Die Welle“ verfilmt wurde. Morton Rhue verfasste auf der Grundlage seines Drehbuchs einen gleichnamigen Roman.

 

Nun wurde der Aktualität der Vorlage Rechnung getragen, indem ein deutscher Film die Ereignisse von „Die Welle“ unter gleichem Titel ins Deutschland der Gegenwart verlegt.

 

Inhalt:

Der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) startet während einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ einen Versuch, um den Schülern die Entstehung einer Diktatur greifbar zu machen. Ein pädagogisches Experiment mit verheerenden Folgen.

 

Was zunächst harmlos mit Begriffen wie Disziplin und Gemeinschaft beginnt, entwickelt sich binnen weniger Tage zu einer richtigen Bewegung. Der Name: DIE WELLE. Anfangs sprayen die Jugendlichen das Logo der „Welle“-Bewegung überall in der Stadt auf Betonwände, bekleben Glasoberflächen mit Welle-Stickern und anderes mehr. Sie erfinden beispielsweise einen Welle-Gruß.

 

Bereits am dritten Tag beginnen Schüler, Andersdenkende auszuschließen und zu drangsalieren. Auch der Lehrer Rainer Wenger fühlt sich mehr und mehr in die Spirale aus Macht und Manipulation hineingezogen.

 

Als die Situation bei einem Wasserballturnier schließlich eskaliert, beschließt der Lehrer doch, das Experiment abzubrechen. Zu spät. DIE WELLE ist längst außer Kontrolle geraten.

 

Die Schüler erkennen noch nicht die ganze Tragweite ihres Tuns und wollen ihre Welle-Bewegung nicht stoppen. Besonders nicht einer der Jugendlichen, Tim, der durch die „Welle“-Bewegung sich vom Außenseiter glaubt ins Zentrum der Bewegung arbeiten zu können...

 

Kritik:

Dennis Gansel hat ein Gespür für konfliktreiche Stoffe, die auf der historischen Zeit des Nationalsozialismus aufsitzen. Dies geschieht auch nach seinem Werk Napola – Elite für den Führer auch bei „Die Welle“.

 

Wieder mit dabei ist Max Riemelt, der als Schüler Marco aus zerrütteten Verhältnissen, brilliert. Ebenfalls in der Riege der Schauspieler dabei ist Jennifer Ulrich. Sie spielt Karo, die Freundin von Marco, und tut das sehr überzeugend. Karo engagiert sich auch für die Schülerzeitung und wird eine der Gegnerinnen der Welle-Bewegung.

 

Christiane Pauls Auftritte sind leider zu selten, so wird ihr Charakter als Frau/Lebensgefährtin von Rainer Wenger, nicht besonders deutlich und bleibt etwas blass. Für Jürgen Vogel ist die Rolle des Rainer Wenger eine One-Man-Show. Hier zeigt der Charakterdarsteller wieder einmal, was für ein Ausnahmetalent er ist und überzeugt in jeder Szene.

 

Auch die anderen Schauspieler, zum größten Teil noch sehr jung, wirken mit ihrer Lebendigkeit vollkommen „echt“, erwecken ihre Figuren wahrhaftig zum Leben.

 

Dennis Gansel hat das Original entstaubt und nach Deutschland gebracht. Dies ist ein löbliches Unterfangen. Die Außenseiterproblematik wird von ihm sogar noch erweitert. Im Vergleich zum Originalfilm von 1981 sind hier mehrere Figuren in der Außenseiterposition, so nicht nur der schüchterne Tim, sondern beispielsweise auch der Deutschtürke Sinan, die leicht übergewichtige Lisa, der aggressive Kevin, etc. Damit wird klar, dass Außenseiter sich unterschiedlich angesichts einer diktatorischen Bewegung entwickeln.

 

Das Ende von „Die Welle“ (2008) ist jedoch im Vergleich zum Original stark verändert und weist nicht mehr die Tiefe auf, die das Original-Ende des Buches und des Filmes von 1981 hatte. Hierauf hätte man nicht verzichten müssen. Eine Koppelung beider Filmenden wäre das Ideal gewesen.

 

Bonusmaterial:

Da zum Test lediglich eine Presse-DVD mit phasenweise monochromisiertem Bild und ab und an stumm gesetztem Ton vorlag, die zudem keine Bonusmaterialien enthielt, kann zum Umfang und der Art und Weise der Zusatzinhalte der Verkaufs-DVD keine Angabe gemacht werden.

 

Fazit:

„Die Welle“ ist ein Film, der sicher Eingang in die deutschen Schulen finden wird. Und das zu Recht. Das Buch ist schon seit langem im Kanon der Schullektüren vorhanden, nun wird auch der neue Film als unterrichtbegleitende oder -abschließende Betrachtung nachziehen.

 

Dennis Gansel ist ein weiterer Film gelungen, der nachdenklich macht, der über Außenseiterrollen, diktatorische Systeme und die Manipulationsmöglichkeiten eines jeden von uns referiert ohne den pädagogischen Zeigefinger allzu deutlich zu machen.

 

Ein gelungenes Remake.

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240418122817733eb117
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DVD:

Die Welle

BRD, 2008

Regisseur: Dennis Gansel

Format: Dolby, DTS, PAL, Surround Sound

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Region: Region 2

Bildseitenformat: 2.35:1

FSK: 12 Jahren

Paramount Home Entertainment, 6. Oktober 2008

Spieldauer: 103 Minuten

 

ASIN: B0015Q4VY4

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Jürgen Vogel

Frederick Lau

Max Riemelt

Jennifer Ulrich

Christiane Paul

Elyas M'Barek

Weitere Infos:

Es wurde ein Pressemuster rezensiert. Daher können leider keine Aussagen über das Cover, Bonusmaterial, Bild- und Soundqualität gemacht werden.


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Erstellt: 26.09.2008, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 7430