Zurück zur Startseite


  Platzhalter

Cursed Mountain (Wii)

Rezension von Cronn

 

Vor mir auf dem engen Bergpass wehen rituelle Schwarzfahnen im eisigen Wind, der vom Himalaya herabweht. Unwillkürlich fröstele ich, aber das rührt nicht nur von der Kälte her.

Ich bin hier ein Fremdkörper, das stelle ich mehr und mehr fest. Niemand ist geblieben, um mich zu begrüßen. Alle Dörfer, die ich bislang gesehen habe, sind verlassen. Dort existieren nur noch die Toten – und die Geister.

Langsam laufe ich durch das Fahnengewirr, das augenblicklich schneller zu flattern beginnt, ganz so als würden der Stoff meine Anwesenheit spüren können. Der Wind heult hier oben wie ein lebendiges Wesen.

Mein Ziel ist die Schamanin auf dem Berg, deren Zelt ich weit oben sehen kann. Ein merkwürdiges Leuchten geht davon aus. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Zwischen mir und dem Zelt liegt das Bergdorf. Es wird Zeit, mich dort umzusehen.

Ich laufe ins Dorf hinein und öffne eine der Türen, die mich zu dem ersten Gebäude führt. Nach einem schockierenden Flash-Back taucht unmittelbar vor mir ein Geist in einer Rauchsäule auf!

Verdammt!

Er geht immer wieder denselben Weg ab, lässt sich nicht bekämpfen. Aber was ist das? Da sind Räucherstäbchen in einer Pfanne in der Ecke. Davon gibt es vier Pfannen in den Ecken. Ich kann die Stäbchen anzünden. Nachdem ich dies getan habe, lässt sich der Geist im Zwischenreich bekämpfen.

Ich richte meinen umfunktionierten Eispickel auf den Geist und verschieße die Geistenergie. Das Wesen tanzt in unwirklichen Bewegungen auf mich zu. Fast schaffe ich es nicht, ihn zu erwischen. Doch dann treffe ich ihn! Einmal, zweimal, dreimal. Geschafft! Mit einem blutroten Blitz verschwindet der Geist.

Ich sehe mich um. Eine Tür führt weiter. Doch sie ist von einem magischen Ritual verschlossen worden. Ich brauche drei Stücke eines Amulettes, um dies zu brechen. Meine Suche hat also gerade erst begonnen…

 

CURSED MOUNTAIN heißt das neue Spiel aus dem Hause Koch Media. Wie man schon am erzählenden Vortext erkennen kann, ist CURSED MOUNTAIN ein Game, das im Bereich des Survival-Horror-Adventures angesiedelt ist.

Entwickelt wurde CURSED MOUNTAIN von Deep Silver Vienna, einem Entwicklerstudio, das vormals als Rockstar Vienna bekannt war, ehe es von Koch Media übernommen wurde und sich umbenannt hat.

Mit CURSED MOUNTAIN wurde exklusiv für die Wii ein Spiel entwickelt, das dem Spieler einen wohligen Schauer über den Rücken rinnen lassen will. Ob dies gelungen ist?

 

Hintergrund:

Eric Simmons ist ein erfahrener Bergsteiger, der in die Gegend des Himalaya gekommen ist, um seinen Bruder Frank zu suchen. Dieser hat sich auf eine gefährliche Expedition auf einen heiligen Berg der Sherpas begeben, um dort für den exzentrischen Briten Edward Bennet ein Artefakt zu bergen, um das sich seltsame Legenden ranken.

Die Aufgabe des Spielers ist es nun, immer höher den Berg hinaufzusteigen und in einsamen Bergdörfern und Klöstern nach dem verschollenen Bruder zu fahnden.

Dabei gelangt man immer tiefer hinein in die Mystik des Ortes und erlebt gefährliche Begegnungen mit den Geistern der Verstorbenen.

Die Story ist die Hauptstärke des Spiels. Was hier an Background-Info, Mystik und Atmosphäre reingepackt wurde, sucht seinesgleichen. Die Geschichte von CURSED MOUNTAIN ist die momentan beste Story, die man auf der Wii finden kann. Man folgt als Spieler gebannt der Spirale der Angst, die sich mehr und mehr auf einen Höhepunkt zubewegt. Die Geschichte ist die größte Motivation, um CURSED MOUNTAIN zu spielen. Immer wieder greift man zur Wii, weil man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

 

Spielsteuerung:

CURSED MOUNTAIN spielt sich in Third-Person-Perspektive, sprich: man sieht von außen auf den Charakter. Die Kamera schwenkt auf vorgegebenen Bahnen, ist aber zumeist hinter der Spielfigur. Der Überblick ist dabei gelungen. Man kommt kaum in Situationen, in denen man den Charakter nicht mehr sieht, weil er hinter Mauern verschwindet.

Auf dem Weg in den Berg wird die Geschichte von CURSED MOUNTAIN u.a. mittels Zwischensequenzen erzählt. Diese sind Standbilder, die in verschiedenen Ebenen verschoben werden, wozu vor allem der Hauptsprecher die Geschichte erzählt. Das wirkt sehr stimmig und atmosphärisch. Weiterhin findet man überall in der CURSED MOUNTAIN Welt Tagebucheinträge von Frank oder Dorfbewohnern. Diese führen in die Gedankenwelt der Himalaya-Bewohner und deren Religion ein.

Der ganze Background von CURSED MOUNTAIN ist sehr gewissenhaft recherchiert und fügt sich zu einem dichten Atmosphäre-Brocken zusammen, der als ständige Gänsehaut-Garantie wirkt.

Diese Atmosphäre ist wesentlich stärker vorhanden als die genreüblichen Schockeffekte. CURSED MOUNTAIN lebt ganz klar vom Setting. Das heißt nicht, dass es die Schocks nicht gibt, im Gegenteil. Man findet sie nur nicht an jeder Ecke. Manchmal läuft man einfach nur durch verlassene Dörfer, sieht die Wimpel von den Häusern flattern und hört den Wind, der um die Giebel faucht. Wenn dann irgendwann ein Geist auftaucht, ist es umso erschreckender.

Der Kampf gegen die Geister läuft auf zwei Ebenen ab. Entweder schlägt man mit dem modifizierten Eispickel zu, oder man wechselt in das Bardo. Dies ist eine Zwischenwelt der Geister. Dort kann man mit dem Eispickel Geistenergie auf das Phantom schießen. Kurz bevor dies endgültig verschwindet, ist es möglich, dass man ein Ritual ausführt, um den Geist zu bannen.

Und hier kommt die Wii und ihre Steuerungsfunktionen ins Spiel. Mittels Wiimote und Nunchuck führt man die auf dem Bildschirm vorgezeichneten Bewegungen aus. Dies klappt mal mehr, mal weniger gut. Das ist schade, denn die Idee dahinter ist super! Jedoch wird die Vorwärts-Bewegung durch die Wii nicht immer erkannt, während die diagonalen Bewegungen problemlos erkannt werden.

Wird man getroffen, sinkt die Lebensenergie (deren gesamte Höhe an den umherstehenden Buddha-Statuen erweitert werden kann). Diese kann man an Schreinen auffrischen, wenn man Räucherstäbchen dort entzündet. Diese findet man in Tonkrügen. Meist ist man reichlich gut damit versorgt.

Ab und an kommt es zu Boss-Kämpfen. Hierbei muss man – wie bekannt – die Schwachstelle des Bosses erkennen, oder eine Taktik entwickeln, um ihn zu besiegen. Bosskämpfe sind Geschmacksache. Manche lieben sie, manche hassen das Herumgerenne in engen Arenen, daher soll eine Wertung diesbezüglich jedem selbst überlassen sein. Tatsache ist jedoch, dass der Frustfaktor in den Bosskämpfen recht hoch ist, da hier der ansonsten moderate Schwierigkeitsgrad von CURSED MOUNTAIN auf einmal sprunghaft ansteigt. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der die Wiimote am Handgelenk festgebunden hat, so dass er sie nicht in die Ecke pfeffern kann.

 

Grafik und Sound:

Die Grafik von CURSED MOUNTAIN ist von guter Qualität. Die Texturen erreichen von ihrer Detailverliebtheit noch nicht das Optimum, welches von anderen Toptiteln vorgegeben wurde. Dennoch sind sie gut genug, um das Setting glaubhaft zu transportieren. Somit unterstützen sie die Atmosphäre des Spiels. Es gibt Raucheffekte, Licht und Schattenspiel, sowie andere Specials.

Im Soundbereich ist CURSED MOUNTAIN sehr gut aufgestellt. Die Umgebungsgeräusche passen sehr gut und tragen einen Großteil der Atmosphäre. Wenn der Wind um die Häuser heult, richten sich einem unwillkürlich die Nackenhaare auf. Die deutschen Sprecher agieren durch die Bank hervorragend und füllen ihre Rollen sehr gut aus. Vom Sounddesign her ist CURSED MOUNTAIN stärker aufgestellt als von der Grafik her.

 

Fazit:

CURSED MOUNTAIN ist ein Spiel, das Beachtung verdient. Es besitzt eine tolle Geschichte, die sich ausgezeichnet entwickelt und klar an ein (fast) erwachsenes Publikum richtet, das genug von den Fuchtel-Wii-Games hat und eine Story erleben will.

Das Spiel selbst hat vom Gameplay her Ecken und Kanten. Die Geisterbekämpfung geht recht leicht von der Hand, ist nur von der Steuerung her etwas schwierig, aber das ist so gewollt. Die Bewegungen im Ritual und das Bardo-Zwischenreich sind innovativ umgesetzt, leider von der Wii nicht ganz so perfekt erkannt, wie es sein sollte.

Dennoch ist CURSED MOUNTAIN ein Spiel, das sich Horror-Fans unbedingt anschauen sollten. Am besten spielt man es in der Nacht in einem dunklen Zimmer. Dann kommt die ungewöhnliche Atmosphäre in dem unverbrauchten Setting am besten rüber.

Kaufempfehlung!

 

Zum Seitenanfang

Eure Meinung:


Keine Einträge
Keine alten Kommentare vorhanden.

Zum Seitenanfang

Platzhalter

MEDIUM:

Cursed Mountain

von Deep Silver

Plattform: Nintendo Wii

USK-Einstufung: USK ab 16 freigegeben

Erscheinungsdatum: 21. August 2009

Erhältlich bei: Amazon


Platzhalter
Platzhalter
Erstellt: 09.09.2009, zuletzt aktualisiert: 19.01.2015 03:49