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Ägypten - Eine Spurensuche im Reich der Pharaonen

Filmkritik von Christel Scheja

 

Immer wieder bewegen die ersten Hochkulturen der Menschheit die Zuschauer, denn es gibt noch eine Menge zu entdecken und kennenzulernen. Immer wieder erlauben neue Funde, den Blick auf die Vergangenheit zu erweitern und verändern teilweise auch die Sichtweise auf ältere Funde.

So mag die „Terra-X“-Dokumentation „Ägypten - Eine Spurensuche im Reich der Pharaonen“ nicht die erste Dokumentation zum Thema sein, ist aber eine der aktuellsten, die auf neue Forschungsergebnisse zurückgreifen kann.

 

Anhand von vier Wendepunkten in der Geschichte des Reiches am Nil taucht die Dokumentation tief in das Selbstverständnis der alten Kultur ein.

So beschäftigt sich die „Geburt des Pharaonenreiches“ nicht nur mit der Einigung des Landes unter König Narmer, sondern geht auch der Frage nach, ob ein Herrscher wirklich alles im Handstreich und mit Blutvergießen eroberte, oder der Zusammenschluss nicht ein logischer Prozess war, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinzog und mehr politisch als militärisch ablief. Doch um das vermuten zu können, muss man erst wissen, wie überhaupt das frühe Ägypten regiert und kontrolliert wurde und welche Macht die kleinen Fürsten hatten.

Als „Großmacht am Nil“ konnte Ägypten über viele Jahrhunderte fast ungehindert sein Herrschaftsgebiet ausweiten und sich ganz auf innere Probleme konzentrieren. Doch das ändert sich mit dem Ende des Mittleren Reiches. Die Hyksos verändern durch ihre Eroberung das Land und auch wenn die Einheimischen ihre Macht wieder zurückgewinnen können, so müssen die Pharaonen doch von nun an damit leben, dass die Grenzen des Reiches gegen andere Völker verteidigt werden müssen. Gerade Thutmosis III. ist der Erste, der die Wichtigkeit des Unterfangens erkennt.

„Im Zeichen des Sonnengottes“ erklärt der Ketzerpharao Echnaton den alten Göttern und der mächtig gewordenen Priesterschaft den Krieg und erschüttert das Jahrtausende alte Selbstverständnis Ägyptens. Zwar ist seine Herrschaft schnell wieder vorbei, die Zeichen seiner Idee werden ausgetilgt, aber die Idee eines einzigen Gottes anstelle von Dutzenden bleibt bestehen.

„Das Geheimnis des ewigen Lebens“ bewegt die Ägypter von Anfang bis Ende ihres Reiches. Gräber und Mumien zeugen von ihrer ganz besonderen Vorstellung des Jenseits und sind auch für die Pharaonen des Neuen Reiches wie Ramses II. ein wichtiges Thema. Allerdings beweist gerade dieser Herrscher, dass man Unsterblichkeit auch durch andere Taten erringen kann.

 

Zwar sucht sich die Dokumentation wieder einmal die Zeiträume aus, die viele andere Dokumentationen auch gerne in den Mittelpunkt ihrer Handlung stellen - die Reichsgründung vor etwa 5000 Jahren und die Zeit der 18./19. Dynastie werden jedoch glücklicherweise etwas anders angefasst als üblich. Die Pharaonen und ihre Taten dienen als Aufhänger für einen Blick auf die Kultur und das Selbstverständnis der alten Ägypter, anhand der bekannten und nun auch neuerer Funde.

So erfährt man nicht nur etwas über König Narmer, sondern auch die gesellschaftliche und politische Struktur des Landes am Nil zu dessen Zeit, Echnatons Aton-Glaube wird dem der Religionsausübung und den Göttern verglichen, die viele Jahrhunderte das Alpha und Omega des Landes waren. Auch werden nicht nur die Taten von Ramses II. erwähnt, anhand seines Grabes erfährt man auch mehr über den Totenkult und die Rituale im Rahmen der Grablegung.

Von Erklärungen unterlegte Spielszenen, die einen Blick auf Herrscher und Volk werfen, am Königshof aber auch in den Dörfern am Nil spielen, wechseln dabei mit Kartenanimationen und Interviews von Archäologen an Ausgrabungsstätten und in Museen ab. Man setzt auf unterhaltsam gemachte Information, die nicht trocken vermittelt, sondern in ein lebendiges Umfeld verpackt wird.

Das gelingt recht gut, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass die Macher sich sehr an amerikanischen Dokumentationen orientieren. Die ein oder andere Aussage wird wiederholt, die Spielszenen haben durchaus etwas dramatisches an sich.

Bild und Ton sind auf dem aktuellen Stand der Technik, Extras gibt es allerdings keine. Dafür ist das Digipack mit Bildern aus der Serie sehr schön gestaltet und stimmt schon auf die Serie ein.

 

Alles in allem erfüllt die „Ägypten - Auf Spurensuche im Reich der Pharaonen“ aber ihren Auftrag. Da die Informationen aber sehr weit gefächert sind und eher oberflächlich bleiben, dürften vor allem Zuschauer begeistert und zufrieden sein, die bisher noch nicht viel über das Land am Nil wussten. Diejenigen, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen werden allerdings auch das ein oder andere neue Forschungsergebnis entdecken, wenn es auch insgesamt nicht so viele sind.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20230205185401fc756dfe
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DVD:

Ägypten - Eine Spurensuche im Reich der Pharaonen

(DVD; Dokumentation; FSK 6)

4-teilige Dokumentation, Deutschland 2010

Regisseur(e): Stephan Köster, Daniel Gerlach, David Lee

Buch: Susanne Utzt, Christian Feyerabend, Tilman Remme

Musik: Paul Rabiger

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Studio: Polyband & Toppic Video/WVG

Erscheinungstermin: 15. Juni 2011

Produktionsjahr: 2010

Spieldauer: 180 Minuten

 

ASIN: B004TP51FQ

 

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 21.06.2011, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01