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Akihabara Shojo, Band 1

Rezension von Christel Scheja

 

Im Land der „Aufgehenden Sonne“ sind Geschichten möglich, die im Westen unwahrscheinlich und märchenhaft scheinen, so etwa wie die Romanze eines schüchternen jungen Otaku, der mit der Hilfe seiner Freunde aus dem Internet das Herz einer schönen jungen Frau gewann, die er sonst wohl kaum noch ein zweites Mal angesprochen hätte.

Eine andere dieser Geschichte, die erfunden zu sein scheint, aber doch wahr sein dürfte, ist der „Leidensweg“ eines jungen Mannes, dessen Freundin eine bekennende Otaku und Liebhaberin von „Boys Love“ ist.

 

Der Manga „Akihabara Shojo“ erzählt von dieser mehr als verrückten Liebesgeschichte. Es beginnt alles damit dass der chronisch abgebrannte Student Taiga eine Stelle im Lager einer kleinen Firma annimmt. Auslöser war allerdings nicht der Job sondern eine hübsche junge Frau, die ihm durch das Fenster ins Auge gefallen ist.

In den kommenden Wochen versucht er in Kontakt mit den jungen Fräulein Yuiko zu kommen, die nur ein oder zwei Jahre älter als er ist. Doch in den Mittagspausen verpasst er sie immer wieder und von den anderen Kollegen hält sie sich auch fern.

Erst als er aus Versehen beim Verpacken einen Ring verliert und nach Arbeitsschluss noch danach sucht, kommt er in näheren Kontakt mit Yuiko. Die beiden unterhalten sich ganz nett und beginnen einander sehr zu mögen.

Taiga schwebt im höchsten Glück. Aus diesem Grund bemerkt er zunächst nicht, dass Yuiko manchmal recht seltsame Ideen und Ansichten hat. Auch als sie ihm gesteht, eine fanatische Leserin und Liebhaberin von „BL“ zu sein, versteht er sie noch falsch. Erst als sie ihn mit den Helden aus ihren Comics zu vergleichen beginnt und besonders auf seine Lesebrille zu stehen scheint, beginnt er zu ahnen, dass seine Rivalen nicht die Männer aus Fleisch und Blut, sondern die gezeichneten Figuren aus den Phantasiewelten der Mangas sind...

 

Während männliche Otakus – das sind die nach Unterhaltung süchtigen und menschenscheuen Japaner, die die meiste Zeit lesen und alles zu ihren Lieblingsserien sammeln, am Rechner oder vor dem Fernseher hängen – immer wieder gerne als Witzfiguren in japanischen Mangas auftauchen und dabei ins Lächerliche gezogen werden, geschieht das mit weiblichen eher selten, vor allem, das sie so gut wie gar nicht auftreten.

So ist „Akihabara Shojo“ eine große Ausnahme, denn ihr steht eine fanatische Liebhaberin von Boys Love Mangas auf dem Prüfstand, die nicht mehr ganz mitbekommt, dass auch das normale Leben spannend sein kann, und ein junger Mann, der mit dieser Leidenschaft für fiktive Figuren zurecht kommen muss.

Aber gerade das hebt den Manga auch aus der Masse der sonstigen Romanzen heraus. Humorvoll erzählt das Künstlerteam die Geschichte aus der Sicht des jungen Mannes, der erst gar nicht begreift, was seine Auserwählte meint und immer wieder aus den Wolken fällt, wenn er es dann erfährt. Mit einem Augenzwinkern werden viele Klischees aus dem romantischen Genre auf den Kopf gestellt, selbst die BoysLove-Fans bekommen auf liebevolle Art ihr Fett weg.

Die schräge Situationskomik geht dabei niemals unter die Gürtellinie, und die Leser dürfen über beide Figuren schmunzeln, so dass durchaus auch Jungs Spaß an der Geschichte finden könnten.

 

Alles in allem richtet sich der Band aber vor allem an diejenigen Fans, denen es nichts ausmacht selbst einmal auf die Schippe genommen zu werden und vor allem die ungewöhnliche Geschichte schätzen, die trotz gängiger Romantik auch viele neue Aspekte bietet.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Akihabara Shojo Band 1

Autorin & Künstlerin: Rize Shiba & Pentabu

Aus dem Japanischen von Claudia Peter

Original: Fujoshi Kanojo, Vol.1, Japan 2007

Manga-Taschenbuch, 192 Seiten

Egmont Manga & Anime, 06/2009

ISBN-10: 3770470737

ISBN-13: 978-3770470730

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 12.08.2009, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:39