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Alice im Wunderland Band 1

Rezension von Christel Scheja

Der auf den Philippinen geborene Rod Espinosa wurde in den USA und später auch in Europa vor allem mit seiner Fantasy-Saga um „Die mutige Prinzessin“ bekannt, in der er die Abenteuer von Mabelrose erzählt, die von einem bösen Drachen entführt wird, und als kein Prinz herbei eilt, ihre Rettung selbst in die Hand nimmt.

Daneben hat er sich nun eines sehr klassischen Stoffes angenommen. Viele haben sicher schon einmal von „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll gehört und zumindest in die Verfilmungen hinein gesehen. Gerade die Geschichte aus spätviktorianischer Zeit, die so manche Regel der Gesellschaft anarchistisch verspielt auf den Kopf stellt, erfreut sich bei Goths oder Phantastik-Fans immer noch großer Beliebtheit, da man sehr viel mit ihm anstellen kann.

Andererseits gilt er auch als Kinderbuchklassiker, der immer wieder neu aufgelegt wird.

 

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. An einem faulen Nachmittag im Garten, schläft das Mädchen lieber ein, als zu lernen. Doch plötzlich wird es von einem hektisch vor sich hin plappernden Hasen im Frack aufgeschreckt, der Angst hat, zu spät zu einer Teeparty zu kommen. Alice folgt ihm und stürzt durch ein Loch in der Erde in eine Welt, in der vieles vertraut zu sein scheint, dann aber doch wieder ganz anders ist. Sie ertrinkt fast in ihren eigenen Tränen, wird durch das Essen von Keksen und Trinken von seltsamen Säften zu groß und zu klein und bekommt einen preis. Sie begegnet einer sprechenden Raube und der geheimnisvollen Grinsekatze, die ihr klar macht, dass sie in diesem „Wunderland“ noch viele andere skurrile Begegnungen haben wird, wenn sie sich nur darauf einlassen will. Und das beginnt schon mit der Teeparty des verrückten Hutmachers...

 

Rod Espinosa setzt nur einen Teil von Lewis Carrolls Kurzroman um, so dass man die turbulenten Abenteuer im Reich der Herzkönigin erst im zweiten Band zu lesen bekommt. Dafür kann er sich jetzt mehr Platz lassen, um die einzelnen Begebenheiten ausführlich in Szene zu setzen.

Wie seine Heldin „Mabelrose“ sieht Alice zwar niedlich aus, besitzt aber trotzdem genug Mut und Neugier, um sich mit Begeisterung in die neue Welt zu stürzen. Hierbei kommt vor allem Espinozas liebenswerter Stil zum Tragen, der einerseits die Naivität und Verspieltheit besitzt, die Kindergeschichten so eigen ist und sich zum anderen nicht scheit, ironisch überzeichnet auf bestimmte Details hinzuweisen.

Man merkt an jedem Strich, der Auswahl der Farben und Hintergründe, dass der Künstler mit Leib und Seele dabei ist und sich vermutlich einen Traum erfüllt, eine Geschichte umzusetzen, die gleichzeitig niedlich und abenteuerlich ist, kindlich lustig und skurril ironisch. Wie kaum ein anderer Comickünstler, der sich schon an „Alice im Wunderland“ versucht hat, fängt er die Atmosphäre der literarischen Vorlage ein und verzaubert den Leser – wenn er bereit ist, sich voll und ganz darauf einzulassen. Denn man muss letztendlich schon ein Faible für diese Art von Geschichten und Kunst haben, um sie wirklich aus tiefster Seele schätzen zu können.

 

Eure Meinung:


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Comic:

Alice im Wunderland Band 1

Autor und Zeichner: Rod Espinosa

Hardcover-Album, kleinformatig 72 Seiten

comicat/eidalon, November 2007

ISBN-10: 3939585807

ISBN-13: 978-3939585800

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 29.07.2008, zuletzt aktualisiert: 23.06.2019 12:39