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Alice im Wunderland

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

 

Zu den bedeutenden Kinderbuchklassikern der westlichen Hemisphäre, die auch in Deutschland immer wieder aufgelegt werden, zählt zweifelsohne auch „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll.

Doch nicht nur in Europa und Amerika inspiriert das Buch aus dem späten 19. Jahrhundert Autoren immer wieder neu, auch die Japaner sind ganz angetan von den skurrilen Szenen und Inhalten und verwenden gerne Elemente in ihren Mangas und Animes.

Und wie so viele andere Bücher aus dem 19. Jahrhundert wurde auch dieses schon früh von den Filmschaffenden entdeckt - 1903 gab es die erste Umsetzung in ein noch stummes und schwarzweißes Leinwandmärchen, 2009 entstand dann die letzte und vermutlich derzeit bekannteste Fassung von Regisseur Tim Burton mit Johnny Depp in der Rolle des „Verrückten Hutmachers“.

 

Koch Media präsentiert mit der amerikanischen Fassung von 1933 nun eine der werkgetreuen besonders Verfilmungen, zumindest was die Kostüme und Ausstattung der Szenen und Figuren angeht, da sich Masken- und Kostümbildner sehr genau an die Illustrationen von John Tenniel gehalten haben. Der Schwarzweißfilm vereint zudem eine Menge von Schauspielern, die vor allem in den 1930er und 1940ern den Zenit ihrer Laufbahn erreicht haben und ist bis auf die kleinste Nebenrolle hochkarätig besetzt.

Inhaltlich erlaubt man sich allerdings einige Abweichungen und mischt die verschiedenen Elemente aus „Alice im Wunderland“ mit denen aus „Alice im Spiegelland“. So beginnt die Geschichte nicht im Sommer auf einer Wiese, sondern an einem langweiligen Winternachmittag.

Das Mädchen langweilt sich und streift durch das Zimmer. Dabei durchschreitet sie zuerst einen Spiegel und stellt fest, dass plötzlich alles anders ist als zuvor. Gegenstände können reden und ein Kaninchen mit Frau und Hut rast am Haus vorbei. Sie folgt ihm und fällt durch einen Kaninchenbau.

Damit nimmt die Geschichte ihren Lauf, so wie man ihn kennt - von Begegnung mit der Grinsekatze und anderen seltsamen Gestalten über den Besuch der Teegesellschaft bis hin zu dem turbulenten Crockett-Spiel mit der Herzkönigin.

Allerdings endet das ganze nicht mit dem Besuch bei dem Greifen und der Suppenschildkröte - denn erst danach kommt das Mädchen dem Intrigenspiel zwischen der Roten und der Weißen Königin auf die Spur und begegnet den doch ein wenig boshafteren Gestalten des Spiegellandes, so wie Humpty Dumpty ...

 

Natürlich kann die Fassung von 1933 noch nicht mit besonderen Effekten und Masken punkten. Man sieht den Kostümen an, das es mehr oder weniger Bühnenkostüme sind, bei denen man sich einiges dazu denken muss. Auch die Kulissen erinnern an die eines Theaters und wirken nicht sonderlich echt. Selbst die Schauspieler agieren so, als ständen sie auf einer Bühne.

Dennoch entwickelt der Film eine besondere Atmosphäre, da die Geschichte genau so erzählt wird, wie man sie aus den nicht modernisierten Fassungen der Werke von Lewis Carroll kennt: Ein wenig abgedreht und verrückt, aber doch seiner Zeit behaftet..

Wenn man sich darauf einlässt, ersetzt die Phantasie die fehlenden Elemente, die das Auge nicht präsentiert bekommt, man darf sich an den irrwitzigen und schrägen Dialogen des Buches erfreuen,und auch die Kostüme sind sehr nahe an den ursprünglichen Zeichnungen gehalten, so dass es da manchen Aha-Effekt gibt.

Letztendlich spiegelt der Film viel von dem wieder, was auch die Buchvorlage beeinhaltet - das Spiel mit dem Unwahrscheinlichen und Märchenhaften, die Phantasie an das Unmögliche zu glauben. Allein die leise Gesellschaftskritik ist ein deutlich heruntergeschraubt. Alles in allem besitzt die Geschichte sehr viel Herz, was auch von den meisten Schauspielern vermittelt wird.

Interessanterweise bringt Koch Media auch nur die gekürzte Fassung des ursprünglich 90 min langen Filmes heraus. Ganz offensichtlich ist die längere schon seit den späten 50-er Jahren verschollen, seit die Kürzungen vorgenommen wurde. Da der Film wohl niemals nach Deutschland kam liegt hier auch nur eine deutsch untertitelte und nicht synchronisierte Fassung vor.

Als besonderen Bonus gibt es neben dem Originaltrailer und einer Bildergalerie auch noch die von W.W. Young geschriebene und als Regisseur umgesetzte Stummfilmfassung von 1915 mit einer Länge von ca. 50 min.

 

 

Fazit:

 

Alles in allem ist „Alice im Wunderland“ vielleicht keine DVD, die die breite Masse interessieren dürfte, gerade weil der Film schon alt ist und keine deutsche Tonspur besitzt, wohl aber in keiner Sammlung von „Lewis Carrol“-Fans fehlen sollte. Diese erhalten nämlich erstmals die Gelegenheit , gleich zwei der sehr alten alten und vielleicht sogar besonders werkgetreuen Filme auf einer DVD erwerben zu können.

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DVD:

Alice im Wunderland

Alice in Wonderland, USA 1933

Regisseur(e): Norman Z. McLeod

Drehbuch: Joseph L. Manciewicz, William Cameron Menzies

Komponist: Dimitri Tiomkin, Heinz Roemheld

Format: Dolby, PAL

Sprache: Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 4:3 - 1.33:1

FSK: Ohne Altersbeschränkung

Studio: Koch Media GmbH - DVD

Erscheinungstermin: 27. Mai 2011

Produktionsjahr: 1933

Spieldauer: 76 Minuten

ASIN: B004QG5KWM

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller

Charlotte Henry

Leon Errol

Louise Fazenda

W.C. Fields

Gary Cooper

Cary Grant

u. v. a

 

Extras

Bildergalerie

Trailer

Stummfilm von 1915 (50 min)

 

 


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Erstellt: 03.07.2011, zuletzt aktualisiert: 27.11.2017 19:32