Anarchen-Handbuch
 
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Anarchen-Handbuch

Rezension von Vampircat

 

Nach Camarilla und Sabbat widmet sich das dritte Handbuch der Reihe nun der „Sekte in der Sekte“, der Anarchenbewegung. Die Revolutionäre unter den Kainskindern streben danach, die etablierten Systeme der kainitischen Gesellschaft zu zerschlagen und die Macht umzuverteilen. Sie wünschen sich eine Gesellschaft, die auf Verdiensten basiert, nicht auf Alter, Herkunft und Erbrechten – und sind damit den meisten Mitglieder der beiden großen Sekten seit Jahrhunderten ein hartnäckiger Dorn im Auge.

 

Formalia:

Beim „Anarchen-Handbuch“ handelt es sich um ein 196 Seiten starkes Hardcover im Din A4 - Format. Die Fadenheftung ist leider nicht sonderlich stabil, so dass man äußerst vorsichtig mit dem Buch umgehen muss. Ansonsten flattern einem schon beim zweiten Lesen die Seiten entgegen – bei einem stolzen Preis von fast 33 € eine unerfreuliche Sache.

Übersetzung, Lektorat und Layout sind von gewohnt guter, solider Qualität. Die Zeichnungen sind nicht ganz so hochwertig, aber größtenteils annehmbar, wenn man von einigen wirklich gewöhnungsbedürftigen Ausrutschern im zweiten Kapitel mal absieht.

 

Inhalt:

Das Anarchen-Handbuch ist in eine Einleitung, sechs Kapitel und drei Appendizes gegliedert.

Auf die sonst übliche atmosphärische Einführungsgeschichte wurde hier verzichtet, schade eigentlich. Statt dessen wird in der Einleitung kurz erklärt, wofür die Anarchenbewegung steht, zudem wird ein Überblick über das restliche Buch gegeben. Auch ein kleines Lexikon mit speziellen Begriffen des Anarchen-Slangs darf nicht fehlen.

 

Kapitel Eins ist eins der wichtigsten Kapitel des Buches, vor allem wenn man in einer anderen Epoche spielt, denn es beschreibt die Geschichte der Anarchenbewegung vom Mittelalter bis heute. Ein erfahrener Spieler erfährt hier zwar nur wenig wirklich Neues, doch wurden erstmals alle Informationen in der Ausführlichkeit in einem einzigen Regelwerk zusammengetragen. (An dieser Stelle ein kleines Lob an die Übersetzer: endlich wurde der „Vertrag von Thorns“ korrekt übersetzt und nicht mit dem unsäglichen „Dornenvertrag“, danke!)

 

In Kapitel Zwei geht es ähnlich wie im Grundregelwerk weiter mit der Beschreibung der einzelnen

Clans, wobei hier natürlich das Augenmerk auf ihrer Rolle in der Anarchenbewegung liegt.

Danach werden verschiedene meist inoffizielle Titel und Ämter der Anarchen sowie ihre Einstellung zu Camarilla, Sabbat und anderen beschrieben. Den Abschluss des Kapitels bilden Erklärungen zum Unlebensstil der Anarchen, also Dinge wie Ernährung, gesellschaftliche Anlässe und blutige „Spiele“. Dieses Kapitel, insbesondere der letzte Teil, gehört ebenfalls zu den interessanteren, da es das Unleben der Anarchen um einiges anschaulicher macht.

 

Kapitel Drei befasst sich mit der Charaktererschaffung von Anarchen. Die Regeln aus dem Grundregelwerk wurden hier leicht verändert (Anarchen bekommen tendenziell weniger Punkte, da sie der „Bodensatz“ der Vampirgesellschaft sind). Ob man diese anwendet oder nicht, bleibt natürlich jedem Spielleiter selbst überlassen. Davon und von ein paar netten Anregungen abgesehen bietet das Kapitel nichts Neues. Auch wenn es bei Anarchen Besonderheiten geben mag, rechtfertigt das noch nicht ein langatmiges Kapitel von fast 20 Seiten. Eine Lektüre, die man sich getrost sparen kann, wenn man nicht gerade absoluter Neuling ist (doch als solcher sollte man erst einmal das Grundregelwerk zur Hand nehmen).

 

Nach dem eher überflüssigen dritten Kapitel geht es in Kapitel Vier wieder zur Sache. Hier wird sehr anschaulich die Anarchenbewegung auf der ganzen Welt beschrieben, wobei den meisten europäischen Ländern und natürlich der USA eigene Abschnitte gewidmet sind. Äußerst interessant und wichtig (nicht nur) für jeden, der eine Anarchen-Chronik leiten möchte, und sicherlich eins der Highlights des Buches.

 

Das fünfte Kapitel wendet sich direkt an den Erzähler. Hier werden mögliche Konflikte und Ideen für Anarchen-Chroniken präsentiert. Über Sinn und Zweck solcher Kapitel kann man sich streiten. Für unerfahrene Erzähler sind sie möglicherweise recht nützlich, doch dieses Kapitel enthält weder große Überraschungen noch Dinge, über die sich der durchschnittliche Spielleiter noch keine Gedanken gemacht hätte.

 

Kapitel Sechs widmet sich den Regeln, namentlich Kombinationsdisziplinen, neuen thaumaturgischen Ritualen und hochstufigen Disziplinen. Der Einsatz ersterer ist sicherlich Geschmackssache. Was die hochstufigen Disziplinen angeht, so haben diese meiner Meinung nach im Anarchen-Handbuch nichts zu suchen, da die wenigsten Anarchen jemals alt und mächtig genug sein werden, um sie entwickeln zu können. Leider haben immer neue Disziplinsausprägungen in sämtlichen Vampire-Regelwerken in letzter Zeit Konjunktur. Die Powergamer unter uns werden sich freuen.

Im Appendix Eins sind die ebenfalls obligatorischen Beispielcharaktere (mit wirklich gelungenen Zeichnungen) zu finden, leider erneut ein weder besonders interessantes noch überraschendes Kapitel.

In Appendix Zwei wird es spannender, darin geht es nämlich um untypische Anarchen, also um Ahnen, Idealisten und Intellektuelle. Eine gute Sache für alle, die Anarchen bisher nur für freche, hirnlose Welpen gehalten haben.

 

Abschließend bietet Appendix Drei einen Leitfaden für das Unleben auf der Straße. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es sich in einem Leichensack schläft oder wie man einen Toten verschwinden lässt, wird hier bedient. Über den nicht sonderlich originellen Inhalt tröstet der amüsante Schreibstil hinweg, erzählt wird das Ganze nämlich aus der Sicht eines Anarchen. Auf jeden Fall das kurzweiligste und am schönsten zu lesende Kapitel.

 

Fazit:

Das Anarchen-Handbuch kann durchaus mit einigen nützlichen und interessanten Informationen aufwarten, wirkt jedoch insgesamt sehr aufgebläht und oft auch ein wenig trivial. Hätte man auf die Hälfte der Seiten (wie z.B. auf die Kapitel über Charaktererschaffung und Disziplinen) verzichtet und das Buch als kostengünstigeres Softcover rausgebracht, wäre die Wertung um einiges positiver ausgefallen. So bleibt es lediglich ein durchschnittliches (wenn auch sehr teures) Quellenbuch.

Das Anarchen-Handbuch stellt sicher einen sinnvollen Kauf für Spieler von Anarchen und Spielleiter dar, die ihre Chronik im Anarchenmilieu ansiedeln wollen. Alle anderen können ohne Probleme darauf verzichten und sich mit den Informationen behelfen, die in diversen anderen Regelwerken über Anarchen zu finden sind.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240624012953a6814517
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Anarchen-Handbuch

Autor: u.a. J.R. Achilli

Verlag: Feder und Schwert

ISBN: 3-935282-58-3

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 18.07.2005, zuletzt aktualisiert: 25.02.2015 00:13, 674