Anarchie Déco (Autor: J.C. Vogt)
 
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Anarchie Déco von J.C. Vogt

Rezension von Yvonne Tunnat

 

Ich habe vom Verlag netterweise ein Rezensionsexemplar erhalten und kennzeichne diesen Beitrag daher als Werbung. Wie ihr sicher merken werdet, schreibe ich trotzdem recht unverblümt meine Meinung – also eigentlich wie immer.

 

Ich bin froh, dass ich so begeistert von diesem Roman bin, aus folgendem Grund: Man merkt einfach, wie viel Arbeit in diesem Roman steckt. Ich finde es erstens unglaublich befriedigend, eine gute Geschichte zu lesen und es macht mir zweitens irre viel Spaß, danach eine begeisterte Rezension aus vollem Herzen schreiben zu können.

Im Nachwort bezeichnen die Autor:innen ihren Roman als »Physik, Kunst und Magie in einem Urban-Fantasy-Roman mit Krimielementen im Berlin der Zwanziger«.

Ja, das kann ich so unterschreiben. Und ja, es klingt abgefahren.

 

Berlin, 1927. Alternative Realität. Bei der Solvay-Konferenz sind viele Wissenschaftler:innen unterwegs, u. a. Marie Curie, Niels Bohr, Erwin Schrödinger u. a., (Albert Einstein nicht, aber dieser hat später im Roman seinen Auftritt). Neben der Physik gibt es auch Magie. Die Kombination von Magie und Physik ist neu. Und die Hauptfigur Nike hat die Aufgabe, das Zusammenspiel von Magie und Physik gemeinsam mit einem Partner Life vorzuführen.

Nike wird als Frau gelesen, auch wenn sie eigentlich nonbinär ist. Die Lebensrealität von 1927 für Frauen in der Wissenschaft ist eine Spur härter war als heutzutage. So muss sie sich beispielsweise über ihre Frisur Gedanken machen, während sie gleichzeitig weiß, dass sie das komplett ignorieren könnte, wäre sie ein Mann.

 

Sexismus wird ebenfalls thematisiert, so denkt Nike über Planck: »sie hatte nicht vergessen, dass er Frauen, die sich auf geistigem Gebiet bewegten, als naturwidrige Amazonen bezeichnet hatte«. Nicht alle männlichen Wissenschaftler und Figuren denken aber so, es gibt auch einige, die Nike aufgrund ihrer Leistungen respektieren. So gelingt Nike ganz zu Beginn des Romans ein beeindruckendes Experiment, dass die Kombinationsmöglichkeiten von Physik und Magie aufzeigt. Für diesen Versuch ist es sogar zwingend notwendig, eine Frau und einen Mann zu haben, so dass sie zwar nicht unabkömmlich, aber als eine der wenigen Frauen in der Wissenschaft durchaus eine wichtige Position in diesem neuen Forschungszweig einnimmt.

Recht bald danach geschieht aber einiges, was mit ebenjener Magie zusammenzuhängen scheint: Ein Mann »ertrinkt« in Marmor. Eine Frau wird entführt und wurde angeblich in versteinertem Zustand gesehen. Diese »metaphysische Kriminalität« soll u. a. Nike nun aufzuklären helfen. Hierfür erhält sie Unterstützung in Form einen jungen Künstlers aus Prag, Sandor, der jedoch in Berlin noch seine eigene Agenda verfolgt.

Die Lage spitzt sich zu, als klar wird, dass auch die »Braunhemden« (die SA) Zugang zu Magie haben und diese auch gegen ihre Feinde einsetzen.

 

Schön deutsch finde ich übrigens das Unvermögen der Behörden, gegen die Gewalt vorzugehen, die die Magie in den falschen Händen erzeugt, weil es einfach noch keine Gesetze gegen diese neue Möglichkeit, Unheil anzurichten, gibt. Das ist sehr gut zu Ende gedacht und wirkt in dem Roman bei dem Setting glaubwürdig und sehr frustrierend für die Hauptfiguren.

 

Historischer Roman /alternate History

Wilhelm Marx war Reichskanzler. Das Berlin und all seine Kultur, Orte und politischen Hintergründe zu jener Zeit mussten ebenso gründlich recherchiert wären, als hätte das Autor:innenteam einen historischen Roman geschrieben.

Die beiden Autor:innen sagen im Nachwort, dass es bis zur Solvay-Konferenz im Jahr 1927 unsere Welt ist. Erst dann biegen sie in einen alternativen Geschichtsverlauf ab – und der beinhaltet Magie.

 

Fazit ohne Spoiler:

Diesen Roman habe ich mir gewünscht. Er ist divers, er ist queer und beides trägt zur Handlung bei, trägt diese stellenweise sogar! Plus, die Story ist originell, gut durchdacht und hat eine klare und sehr gute Prämisse.

Bei aller Diversität steht eben die Geschichte im Vordergrund.

Die Figuren leben und atmen, die Stadt Berlin pulsiert und pocht. Ich habe das Gefühl, einiges über die Stadt gelernt zu haben, trotz der alternativen Realität und der zeitlichen Entfernung von fast hundert Jahren.

Die Geschichte ist nicht die gesamte Zeit über spannend, doch sie ist die ganze Zeit über interessant und schlüssig – die Figuren sind sehr plastisch, das Setting überzeugend und im Showdown wird doch mächtig aufgetafelt (hätte ich nicht zwingend gebraucht, aber war ziemlich cool, sehr filmisch).

Sofern man kein:e reiner Thriller-Leser:in ist, kann ich den Roman empfehlen, ganz besonders insistieren möchte ich, sofern du gern Urban Fantasy liest, ein bisschen auf Wissenschaft und gute Recherche stehst und/oder Diversität und Queerness in Prosa sehr schätzt. Oder einfach eine richtig gute Story.

 

Figuren

Figuren leben für mich auch oft von Details. Diese werden mir hier geliefert. So hat Nike ein Problem damit, Augenkontakt zu halten und vermeidet ihn daher gern. Ihr ist das Problem bewusst und sie versucht, daran zu arbeiten. Ich habe eine Freundin, die dasselbe Problem hat (und es als Erwachsene dann überwand) und hatte einen Arbeitskollegen, der dies auch im Erwachsenenalter noch so handhabte, daher konnte ich mit der Beschreibung gleich etwas anfangen.

Nike ist so um die dreißig und hat eine heterosexuelle Beziehung mit Richard hinter sich, deren Hintergründe nach und nach enthüllt werden. Mit Nike konnte ich mich die gesamte Romanlänge über identifizieren. Ihre Antriebsfeder, als Physikerin erfolgreich zu sein, konnte ich sehr gut nachvollziehen.

 

Sandor ist jünger und ein Künstler von der Prager Universität mit Kontakten zum anarchistischen Untergrund (ja, auch in Berlin). Sowohl zu Beginn und auch am Ende fühlte ich mich Sandor recht nahe, irgendwo in der Mitte hat er mich mal kurz abgehängt und einige Kapitel lang wusste ich nicht mehr so recht, was ich von ihm halten sollte. Ich kann nicht genau festmachen, warum das so war.

Interessant ist, dass Sandor aus besseren Hause (»Kind der Bourgeoisie«) ist, und sich zum Anarchisten entwickelt hat.

 

Georgette aus Russland ist vielleicht die interessante Figur. Da sie trans ist, musste sie sich weit früher mit Gender auseinandersetzen. Gedanken, die für Nike noch neu sind, hat Georgette sich schon vor Jahren gemacht und lässt nun Nike daran teilhaben, und das, ganz ohne Nike ihre Gedanken vorzubeten. Die Gespräche zwischen Georgette und Nike sind respektvoll und wertschätzend. Georgette neigt eben gar nicht zum Mansplaining und ist eine sehr angenehme Gesprächspartnerin, die ihre eigenen Grenzen kennt und auch aufzeigt.

 

Stil und Sprache

Hier sind Profis am Werk. Einige Passagen haben mich doch sehr beeindruckt. Hier findet Nike zum Beispiel die erste Leiche:

 

Sie rückte in der Hocke ein Stück näher und berührte mit zitternden Fingern den Nacken des Mannes. Er war weich und fleischig, nachgiebig. Eiskalt. Verblüffend tot.

 

Das Autorenteam macht an einigen Stellen deutlich, dass die Figuren berlinern, übernehmen es aber nicht immer in die wörtliche Rede, was die Dialoge angenehm zu lesen macht. Nur einige Nebenfiguren, die vielleicht damit sehr übertreiben, werden in ihren Dialekt geschildert (»ick«, »verkoffn«, »jewaltich«).

Außerdem gibt es ein paar echt kluge Gedanken, die ich einfach nur genossen habe:

 

»Nicht alles arbeitet auf eine Steigerung hin«, sagte Georgette. »Auch wenn unser Weltgefüge so tut als ob.«

 

Oder, ebenfalls von Georgette (wobei das sicher 1927 mehr galt als heute): Kleidung macht auf den ersten Blick unser Geschlecht klar.

 

Sexismus 1927, Berlin

Der Frust, vor allem der Hauptfigur Nike, ist unglaublich gut nachzuvollziehen. In einer Szene recht zu Beginn möchte sie das Büro ihres Professors betreten und die Sekretärin drückt ihr dabei ein Tablett mit Kaffee in die Hand. Das hätte sie unter Garantie nicht gemacht, wenn es sich bei Nike Wehner um einen Mann gehandelt hätte.

In diesem Moment treffen Sandor und Nike auch das erste Mal aufeinander und er braucht einige Sekunden, um zu merken, dass es sich nicht um die Sekretärin selbst, sondern um die Doktorandin handelt, die ihm angekündigt wurde.

Besonders gelungen ist, dass diese Szene aus Sandors Sicht geschildert wird und damit eine dicke Leerstelle bleibt, wie Nike sich dabei fühlt – indem ich mir ihren Frust an dieser Stelle selber ausmalen kann, wirkt es umso eindringlicher. Aus Sandors Sicht wird mir nur ein einziges Adverb geliefert: »verschnupft«. Und genau das ist eine der großen Stärken dieses Romans: Er bleibt an vielen Stellen angenehm subtil und lässt mich selber mitdenken.

 

An einer Stelle erklärt Sandor Nike etwas über Absinth und wie man ihn in Prag oder in der Schweiz trinkt. Nike Gedanken dazu: »Wie oft ihr schon Männer erklärt hatten, wie man Alkohol trank!« (Oh ja. Mir auch. Und auch wurde mir erklärt, wie viel ich vertrage oder auf keinen Fall vertragen kann.)

Das hier kann für sich sprechen:

 

Als sich Nike zum ersten Mal die Haare geschnitten hatte, hatte sie das noch mit neunzehn zu Hause vorm Spiegel getan. Ihre Mutter hatte Schuhe nach ihr geworfen vor Wut, aber Nike hatte studieren wollen und gesagt, niemand würde sie mit langen Haaren ernst nehmen.

Es hatte sie auch mit kurzen Haaren niemand ernst genommen.

 

Diese Gedanken Nikes sind ebenfalls gut nachvollziehbar:

 

»Soll ich Ihnen noch etwas abnehmen?«, fragte Seidel, und sie schüttelte den Kopf. Frauen ständig zu nötigen, noch das geringste Gewicht an Männerarme abzutreten, war auch eine Form von Entmündigung.

 

Diversität

Diese Sparte könnte deutlich länger werden als die Rezension an sich, wenn ich es darauf anlegen würde. Ganz wichtig ist mir hier: Die Queerness und auch der kulturelle Hintergrund der Hauptfiguren ist sowohl gut und überzeugend dargestellt, als auch wichtig für die Handlung – wobei letzteres vor allem für die Queerness gilt, der kulturelle Hintergrund ist eher für die Charakterisierung wichtig.

Nike ist nonbinär und wird in der Regel als Frau gelesen (manchmal aber auch für einen Mann gehalten oder sie kleidet sich auch in einigen Szenen als Mann). Auch in der Realität des Romans in Berlin 1927 ist Nonbinarität noch total unbekannt. Sie weiß also nicht, was mit ihr los ist. Teilweise ist es auch die Rolle der Frau, die ihr nicht schmeckt und in die sie sich hineingezwungen sieht. Das ging (und geht) sicherlich vielen so, aber bei Nike steckt mehr dahinter. Es gibt einige sehr eindrucksvolle Szenen und Dialoge, die dies zwar nicht klar benennen, aber doch in die Richtung weisen.

Georgette hat es da einfacher, weil sie klar weiß, wer und was sie ist. Geboren als George in Russland, lebt sie in Berlin nachts als Frau und verkleidet sich tagsüber als Mann (das wird ausdrücklich von ihr so gesagt »Ich bin tagsüber als Mann verkleidet, Kleiner« – fand ich super, übrigens). Auch wenn das Vokabular »trans« genauso wie »queer« oder »nonbinär« anachronistisch wäre und daher in dem Roman keinen Platz findet, wird recht bald klar, wer Georgette ist. An vielen Stellen ist Georgette dann auch sehr viel mehr Frau als Nike, wenn sie auch als androgyn beschrieben wird und in einigen Szenen in Verkleidung ohne Schminke glaubhaft als Mann durchgeht. Georgette macht an einer Stelle fest, dass sie durch ihre Queerness erpressbar ist und extrem aufpassen muss, dass ihre Tarnung bei Tag nicht auffliegt.

 

Nikes Mutter Rabia (übrigens meine Lieblingsnebenfigur) kommt aus Ägypten und ist damals von einem Deutschen schwanger geworden und diesem nach Berlin gefolgt. Sie ist Muslima, trägt ein Kopftuch, gibt Männern nicht gern die Hand und hat Nike in ihrer Kindheit arabische Lieder vorgesungen. Gleichzeitig hat sie, die recht bald alleinerziehend mit Nike war, ihr beigebracht, stets »so deutsch wie möglich« zu sein, sich also anzupassen und nicht aufzufallen. Ganz klappt das nicht. da Nike einfach auch anders aussieht und daher oft für eine Jüdin gehalten wird, oder zumindest das Wort »Semitin« auf ihrer Stirn zu stehen scheint. Beispielsweise wurde Nike aus dem Studentenverband ausgeschlossen, weil sie in der »Semitinnenschublade« steckte. Nikes kultureller Hintergrund wird hier und da deutlich, beispielsweise, weil sie von ihrer Mutter erzogen wurde, die ihr arabische Lieder vorgesungen hat. Lieder, die eigentlich mehr als nur zwei Stimmen gebraucht hätten (was übrigens eine irre gute Art und Weise ist, um kulturelle Einsamkeit und Isolation zu beschreiben).

Rabia, Nikes Mutter, vertritt auch sehr altvertraute Sichtweisen auf Mann und Frau und ist der Meinung, Frauen würden besser putzen, ihnen sei »Reinlichkeit wichtiger«. Dies ist ein häufiger Streitpunkt mit ihrer Tochter Nike, die darauf besteht, dass dies anerzogen sei und nicht angeboren.

Es gibt ein paar Stellen, in denen die Gender-Problematik recht deutlich thematisiert wird, es passt aber aus meiner Sicht immer sehr gut in die Szenen oder Gespräche. Z. B. hier, als Nike in Berlin unterwegs ist:

 

Nike kannte beide [Dependancen eines Clubs] nur vom Hörensagen, wusste aber, dass beide Läden den Voyeurismus an dem befriedigten, was oft das »dritte Geschlecht« genannt wurde: Schwule, Lesben, Transvestiten.

 

Der Höhepunkt des Verständnisses für Transsexualität und Nonbinarität ist möglicherweise der Dialog zwischen Nike und Georgette, als sie darüber sprechen, warum sie beide Frauen sind. Nike sagt: »Ich bin es, weil ich es muss, und du, weil du es willst.«, aber Georgette erwidert: »Vielleicht muss ich es auch«, woraufhin Nike antwortet: »Wenn ich es nicht müsste, würde ich es auch nicht sein.« Da steckt irre viel drin.

An einer Stelle wird übrigens gesagt, dass Hirschfeld eine Theorie entwickelt hat, nach der es dreiundvierzig Millionen mögliche Kombinationen von sogenannten Geschlechtscharakteren gibt.

 

Gedanken inklusive leichte Spoiler

Ich spoilere nicht den Schluss, aber die Prämisse und einige Dinge, die erst in der zweiten Romanhälfte klar werden, wie auch, wer sich hier in wen verliebt.

Zu Beginn der Geschichte wird klar gesagt, wer wie Magie wirken kann: Es ist zwingend notwendig, dass es zwei Personen sind, eine Frau und ein Mann und einer davon aus der Wissenschaft, die andere aus der Kunst.

Anfänglich ist Nike hier die Frau und sie ist klar aus der Wissenschaftlich, als Doktorandin der Physik. Sandor ist der männliche Part, aus der Kunst. Die beiden lernen recht bald Georgette kennen und diese überzeugt sie, dass sie das alles in sich tragen. Sie zeigt auf, dass Geschlechter nicht so binär sind, wie sie vielleicht glauben mögen und dass eine Wissenschaftlerin sich auf Kunst einlassen kann und ein Künstler sich auf Wissenschaft.

Beeindruckend hierbei ist, dass Georgette nicht einfach ihre Glaubenssätze auf Sandor oder Nike draufklebt, sondern die beiden genau beobachtet und wirklich sieht. Aufgrund dessen was sie dort entdeckt, hilft sie beiden, die andere Seite zu erkunden. Ich konzentriere mich hier mal auf Nike, weil mich der Part mehr beeindruckt hat. Nike dazu zu bringen, ihre männliche Seite zu entdecken, war womöglich nicht so schwierig, Georgette musste sie nur dazu bringen, hinzuschauen und zu akzeptieren, dass es bei Geschlechtern mehr als nur ein entweder oder gibt. Nike wusste das irgendwie bereits, konnte es aber nicht benennen. Sie davon zu überzeugen, dass auch sie eine künstlerische Ader hat, war schon aufwändiger. Nike hält sich selber keineswegs für kunstbegabt. Georgette macht sie mit der Fotographie vertraut und die Szenen, in der Nike sich nach und nach darauf einlässt, gehören zu den beeindruckendsten des gesamten Romans.

Ein wenig hat mich das an einen Roman von Celeste Ng erinnert. Nur dass dort eine Künstlerin, die bereits um ihr Talent weiß, endlich ausgebildet wird und begreift, warum was funktioniert und wie. Die Szenen in diesem Roman behandeln eher den Schritt davor, was nicht weniger faszinierend ist.

 

Außerdem möchte ich betonen, dass mich Sexszenen in der Regel sehr langweilen und ich sie fast immer überflüssig finde. In diesem Roman aber findet sich eine romantisch-erotische Szene zwischen Nike und Georgette, die nicht nur sehr nah an die beiden Figuren herangeht, sondern auch ihr Verhältnis auf eine Art und Weise beschreibt, für die ein paar Adjektive niemals ausgereicht hätten. Die Szene ist so unaufdringlich und wenig voyeuristisch, einfach schön, ich war beeindruckt und werde diese Szene zu den sehr wenigen guten Szenen dieser Art abspeichern, die ich bisher gelesen habe. Außerdem gehen die beiden miteinander so respektvoll um, es war mir einfach eine Freude, daran teilzuhaben. Plus, sie endet mit dem perfekten Satz: Nichts erschien ihr ungerechter als das Verstreichen der Zeit. Da bin ich doch gleich ganz nah dran an Nike.

Später im Buch gibt es eine Sexszene (nicht erotisch für mich als Leserin, aber sicherlich für die beiden Beteiligten), die aus meiner Sicht extrem gut die Tragweite von Transsexualität darstellt in einer Show-Don’t-Tell-Manier, die ihresgleichen sucht. Plus, ich finde sie sehr gut recherchiert und respektvoll, sehr glaubwürdig.

 

A Story & B Story

Über A und B Story kann ich auch nicht komplett spoilerfrei sprechen. Es sind nur leichte Spoiler, sie sagen aber klar, worum es geht und könnten daher ein wenig zu viel verraten.

Die A Story ist klar: Wissenschaft und Magie sind verknüpfbar. A new Kid on the block. Das wird dann gleich von den Falschen missbraucht, Verbrechen müssen aufgeklärt und die Antagonist:innen bekämpft werden.

Die B Story ist für mich eher: Am Anfang ist alles binär. Mann und Frau. Kunst und Wissenschaft. Angetrieben von Georgette wird diese Binarität aufgebrochen und fließend gemacht. Anhand von (vor allem) Nike wird gezeigt, wie wenig Nike in eine Schublade passt. Die Entwicklung von Nike ist eigentlich mehr, dass sie sich selber kennenlernt. Etwas über sich lernt. Mithilfe von außen, ja, aber auch aus sich selber heraus. Daher ist Nike für mich auch die Hauptperson, da sie die größte Entwicklung durchmacht.

 

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Buch:

Anarchie Déco

Autor·innen: Judith und Christian Vogt

Taschenbuch, 480 Seiten

FISCHER Tor, 25. August 2021

Cover: Tom Cage

Portraits: Mia Steingräber

 

ISBN-10: 3596002214

ISBN-13: 978-3596002214

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Kindle-ASIN: B0932CYTZC

 

Erhältlich bei: Amazon Kindle-Edition


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Erstellt: 02.11.2021, zuletzt aktualisiert: 17.03.2023 18:49