Apocalypto (DVD)
 
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Apocalypto

Rezension von Björn Backes

 

Nach seinem erfolgreichen Regie-Epos hat Hollywood-Superstar Mel Gibson lange Zeit die Finger von weiteren Regiearbeiten gelassen. Zu groß schien die Herausforderung, seinem Oscar-prämierten Meisterwerk einen adäquaten Nachfolger zur Seite zu stellen, zu groß vielleicht auch die Angst, am hohen Eigenanspruch zu zerbrechen. Nach abstrusen Projekten wie „Signs“, die durchaus polarisierten, holte Gibson dann aber zum großen Schlag aus: „Die Passion Christi“ galt sowohl inhaltlich als auch darstellerisch als Gewaltakt, dessen schonungsloser dokumentarischer Wert heiß diskutiert wurde. Doch der zurückgekehrte Regisseur hatte sein Ziel erreicht und war wieder flächendeckend in den Medien präsent. Mit „Apocalypto“, seinem vielleicht bislang meist ambitionierten Projekt versuchte Gibson anno 2006 schließlich, noch einen draufzusetzen. Der Streifen über den vermeintlichen Untergang der Maya-Kultur wurde als übertrieben brutal abgeurteilt und zur Kategorie der Effekthaschereien zugeordnet. Dabei ist gerade jene Episode in der langen Laufbahn des zuletzt mit Negativschlagzeiten überschütteten Schauspielers und Filmemachers die vielleicht wichtigste weil kunstfertigste…

 

 

Inhalt:

Pranke des Jaguars genießt als Häuptlingssohn ein großes Ansehen unter den Bewohnern des kleinen Dörfchens, in dem sein Mayastamm ansässig ist. In Frieden aufgewachsen und nahtlos in die Kultur seiner Vorfahren eingeweiht, pflegt er die Traditionen und Bräuche seines Stammes und lebt nach seinen Vorgaben. Als eines Tages ein weiterer, anderweitig vertriebener Stamm an seinem Dorf vorbeizieht, ahnt er noch nicht, dass sein Volk in kurzer Zeit dem Untergang geweiht sein wird. Ein blutiges Massaker richtet die Mitbewohner hin und führt die wenigen Überlebenden in die Gefangenschaft. Pranke des Jaguars gelingt es eher zufällig, der sinnlosen Metzelei zu entfliehen und sich in den umliegenden Wäldern zu verstecken. Doch der Häuptlingssohn ist fest entschlossen, sein Volk nicht aufzugeben und die wenigen Überlebenden zu befreien. Eine schier unendliche Reise durch die umliegenden Dschungellandschaften führt die letzten Flüchtigen in eine geradezu völlig neue Welt. Eine fremde Hochkultur regiert mit Grausamkeit und der erst kürzlich aufgezwungenen Gewalt über eine riesige Maya-Stadt und betreibt dort einen verstörenden religiösen Kult. Ausgerechnet die Entführten des Jaguar-Stammes werden geopfert, um die Götter zu besänftigen, die das Ende der Maya-Kultur prophezeit haben. Und mit dieser Gewissheit entschließt sich der einst so friedfertige Jüngling, seine Stammesbrüder zu rächen und noch an Ort und Stelle Gleiches mit Gleichem zu vergelten…

 

 

Rezension:

Wer „Apocalypto“ bislang noch nicht sehen konnte (immerhin handelt es sich beim aktuellen Release bereits um die Zweitauflage des digitalen Outputs), sollte sich spätestens nach der oberflächlichen Betrachtung der Inhaltsangabe bewusst machen, dass Gibsons bis dato letzte Regiearbeit eine durchweg grausame, stets brutale Angelegenheit ist, deren kompromisslos dargestellte Hinrichtungsszenen zu den wohl meist diskutierten Passagen des modernen amerikanischen Kinos gehören. Gibson nimmt im übertragenen Sinne kein Blatt vor den Mund und bringt die Gewalt, unter der die Maya-Stämme seinerzeit gelebt und gelitten haben, unverfälscht auf den Bildschirm, beschreibt dabei auf perfide Art und Weise einen größtenteils sehr primitiven religiösen Kult, legt dabei größten Wert auf eine durch und durch authentische Darbietung und verlässt sich derweil erneut auf eine immens große Schar Laiendarsteller, die ihren Part jedoch einmal mehr souverän lösen.

Doch „Apocalypto“ ist auch strukturell ein sehr kontrastreiches Werk, das sehr offen mit der Thematik umgeht, schonungslos nahe geht, andererseits aber unter einem so enorm riesigen logistischen Aufwand entstanden ist, dass man glauben müsste, hier würde ein effektreiches Spektakel im Vordergrund stehen. Doch Irrtum; effizient im Sinne von bombastisch ist lediglich das Zusammenspiel der unzähligen Charaktere, die ihre Rollen leben und atmen und eine Intensität in ihre Arbeit investieren, die man nicht einmal von einem Hollywood-Topverdiener erwartet. Top, super, bravourös – auch wenn die Gewalt so manche Szene auseinander reißt und man den Eindruck stellenweise nicht loswerden mag, dass Gibsons latenter Hang zur brutalen Inszenierung gezwungenermaßen Überhand nehmen soll.

 

Die Geschichte selber weiß derweil jedoch zu überzeugen, ist in ihrer Ausarbeitung zwar nicht ganz so spannend, gelegentlich sogar echt vorhersehbar, aber aufgrund der wahnsinnig aufwendigen Kulissen und der besagten Interaktion ein echter Augenfang. Sobald der Protagonist die riesige Maya-Stadt erreicht, ist man wirklich überwältigt von dem, was Gibson hier logistisch auf die Beine gestellt hat und wie viel präzisierte Detailarbeit er selbst in die hektischsten Szenen gesteckt hat. Noch schneller als bei „Die Passion Christi“ gewinnt man den Eindruck, dass der Regisseur sich durch einen Wust an Archiven gekämpft hat, um bei der Interpretation des Stoffes auch jede Kleinheit zu berücksichtigen. Doch der massive Aufwand, der hier betrieben wurde, hat zu einem durch und durch lohnens- und sehenswerten Erlebnis geführt, das seine äußerliche Grausamkeit zwar zu keiner Sekunde vertuschen kann, dafür aber inhaltlich Akzente setzen kann und sich nicht im oberflächlichen Blutrausch verliert. Letzteres wird alleine dadurch noch einmal bestätigt, dass die Originalsprache aufgenommen wurde und eine veränderte Sprachausgabe keine Berücksichtigung fand! Dies ist schließlich das i-Tüpfelchen auf ein weiteres Meisterwerk aus der Feder eines der wichtigsten Männer, die Hollywood in den vergangenen drei Dekaden mit ihrer Anwesenheit beehrt haben.

 

 

Fazit:

Mammutprojekt, Gewaltakt, schöpferischer Geniestreich, Gibsons Edelvermächtnis und zudem eines der meist abstoßenden Filmprojekte der letzten Jahre. Der Initiator hat es mal wieder geschafft, Diskussionen anzuregen und zu polarisieren, gleichzeitig aber auch ein Projekt zu realisieren, das in seiner Präsentation seinesgleichen sucht.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240418131518c3ca8c0a
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DVD:

Apocalypto

USA 2006

Regisseure: Mel Gibson

Komponist: James Horner

Format: DTS, Dolby, PAL, Untertitelt, Anamorph

Untertitel: Deutsch

Region: Region 2

Bildseitenformat: 16:9 - 1.85:1

FSK: 18

Highlight, 2007

Spieldauer: 133 Minuten

 

ASIN: B000OMD3F8

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Rudy Youngblood

Dalia Hernandez

Jonathan Brewer


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Erstellt: 13.01.2010, zuletzt aktualisiert: 16.03.2023 18:04, 9863