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Arcana Cthulhiana (Quellenband)

Rezension von Christoph Fischer

 

Der Anhauch des Fremden, das hinter den Dingen lauert, treibt manche Seele auf nebeligen Pfad dem Abgrund entgegen. Der Schritt, der in die Leere führt, ist unausweichlich, sobald die Seele in den Sog des Entschleierns geraten ist und die jämmerliche Menschenwelt als morsche Kulisse erkennt. Und dann fällt der Blick auf das wahre Gesetz, und dieses Gesetz ist das Gesetz der Hölle, und die Sprache des wahren Gesetzes ist die wahre Magie.“

- Robert Degrave

 

Im Mittelpunkt des Quellenbandes Arcana Cthulhiana stehen Magie und Okkultismus in der Welt von H. P. Lovecrafts Cthulhu. Diese werden in ansprechender Weise in Form von Briefen, wissenschaftlichen Artikeln und Spruchlisten, welche aus Zauberbüchern stammen könnten, präsentiert. Durch die Rahmengeschichte „Die Bekenntnisse des Wingate Peaslee“ wirkt dieses Band wie der Foliant eines Eingeweihten über Magie. Der Leser kann den schrittweisen „Verfall“ des auf magischen Pfaden wandelnden Magiekundigen verfolgen und kriegt damit einen Vorgeschmack darauf was ihn erwartet, sollte er nicht von diesem verbotenen Pfad abweichen. Den die Magie in Cthulhu ist anders als die „Zweckmagie“ in vielen Rollenspielsystemen. In einer Welt voller bösartiger und geisteszerfetzender Wesenheiten, in der die Bedeutung des Menschen nicht mehr größer ist als die eine Sandkorns in der Wüste oder eines Wassertropfen im Ozean, verhält sich auch die Magie anders. Viele Zauber und Rituale gehen von diesen Wesenheiten aus und führen auch zwangsläufig wieder dorthin zurück. Die damit einhergehende Macht hat ihren Preis. Menschliche Zauberer verlieren in vielen Fällen nach und nach ihren Verstand und/oder Persönlichkeit. Weniger beherrscht der Magier die Magie als die Magie den Magier. Die hier beschriebene Magie ist „cthuloid“.

Falls der geneigte Leser dieser Zeile trotz dieser Warnung noch immer an diesem nichts Gutes versprechenden Folianten interessiert sein sollte, erwartet ihn nun eine kleine Zusammenfassung über den Inhalt des Bandes.

 

Eingeleitet wird das 240 Seiten starke Buch durch einem Warnhinweis, dass die in diesem Buch beschriebenen Rituale und Zauber nicht funktionieren, und einem kurzen Vorwort über den Zweck dieses Quellenbandes. Inhaltlich teilt es in zwei große Abschnitte: „Magie und Okkultismus“ und „Ein Grimore des Mythos“. Daran an schließen sich ein paar sehr kurze Abschnitte: Regeln zur Erschaffung eigener cthuloider Zauber, ein Abenteueridee, Ein Essay über cthuolide Magie und ein Sitzungsprotokoll aus einer Irrenhaus. Den Abschluss bildet ein zweiseitiger Index über die im Buch zu findenden Zaubersprüche.

 

Das Kapitel „Magie und Okkultismus“ nimmt mit 85 Seiten ungefähr ein Drittel des Bandes ein. Es beginnt mit einem Vorschlägen wie die Andersartigkeit der Magie auch wirklich anders wird. Viele Cthulhu Spieler werden es bereuen noch Magie zu wirken nachdem der Spielleiter diesen Abschnitt gelesen hat. Nach diesem Kapitel verliert Arcana Cthulhiana weitgehend den Bezug zu einem „normalen“ Regelwerk. Größtenteils liest es sich nun wie der Foliant eines Magiekundigen. Nur ab und zu finden sich kurze Randnotizen, die einen klaren Bezug zum Rollenspiel herstellen. Meistens handelt es sich dabei um Tipps für den Spielleiter, wie er den gerade beschriebenen Aspekt der Magie in seine eigenen Geschichte einbauen kann. Gerade durch diese Darstellungsform sind die gut aufbereiteten und umfassenden Kapitel über die Magischen Praktiken der alten Chinesen, Europäer und Araber, sowie Voodoo, Kabbala, magische Stätten in Deutschland und magische Hilfsmittel so interessant auch für Nicht-Rollenspieler. Hier stellt sich nur immer wieder die Frage wo der Bezug zu unserer „tatsächlichen“ Welt endet und die „cthuloide“ Phantasie der Autoren anfängt.

Ein netter Trink, der die Welt von Cthulhu geschlossener wirken läßt, sind die Anspielungen auf bereits erschienene Cthulhu Publikationen. So kann der Leser beispielsweise Briefe von Prof. Dr. Helmut Walden lesen, der sich gerade auf einer Reise durch den fernen Osten befindet. Jener Reise, die zu den schrecklichen Ereignissen in dem Abenteuerband „Chaugnar Faugns Fluch“ führen.

 

Das Kapitel „Ein Grimore des Mythos“ ist eine Zauberauflistung von über 230 Zaubern auf 134 Seiten. Es handelt sich dabei um Zauber die in jedem Szenario vorkommen können. Die Liste entspricht der aktuellen, zweiten Regelbuchauflage und berücksichtigt die damit einhergehenden Errata. So stammen auch die meisten Zauber aus dem Spielleiter-Handbuch. Ein paar wenige finden sich nur im Necronomicon bzw. jeweils ein bis zwei Zauber nur in Beyond the Mountains of Madness, Goatswood and Less Pleasamt Places und dem Abenteuerband Jenseits der Schwelle.

Die Darstellung der Zauber orientiert sich an der des Spielleiter-Handbuchs. Die reinen spieltechnischen Werte werden aber durch Beschreibungen der Rituale und kurze Geschichten aufgewertet. Auf diese kann der Spielleiter optional zurückgreifen um sie ausgearbeitet seinen Spielern präsentieren zu können. Dies erhöht ungemein die Stimmung im Spiel, wenn Zauber mehr sind als nur ein paar Regelwerte. Die in diesem Quellenband enthaltene Zauberliste ist damit nicht nur eine bloße Kopie des gleichnamigen Kapitels „Ein Grimore des Mythos“ im Spielleiter-Handbuchs, sondern eine ausführlichere und deutlich mehr auf Stimmung ausgelegte Darstellung der Zauber.

Zur besseren Orientierung sind die Zauber zu Beginn des Grimore in die Kategorien Angriff, Beherrschung, Geistesbeeinflussung, Kreaturen, Reise, Schutz, Verwandlung, Verzaubere Gegenstand und Vermischtes eingeteilt. Zum schnelleren Finden bestimmter Zauber dient der Index am Ende des Quellenbandes.

 

Da jeder Spielleiter eines Tages in die Situation kommen kann, dass die in offiziellen Publikationen beschriebenen Zauber für seine Zwecke nicht mehr ausreichen, liefert das Kapitel „Cthuloide Magie selbst gemacht“ eine umfassende Schritt für Schritt-Anleitung, an deren Ende Zauber entstehen, welche leicht und glaubwürdig in den Hintergrund von Cthulhu passen.

 

Ein Beispiel, wie man ein ganzes Abenteuer um einen Zauberspruch herum aufbauen kann, liefert das Kapitel „Es geschah am Potsdamer Platz“. Dieses besteht aus einer ganzen Menge von Handouts, und nur aus der Gesamtschau erschließt sich, dass Magie gewirkt wurde. Das gewählte Umfeld ist das Jahr 2006, aber beim Lesen sollte der Spielleiter genügend Anregungen auch für das Spiel in anderen Settings erhalten.

 

Den Abschluss des Bandes bilden ein Essay über cthuloide Magie und der bereits erwähnte Index der im Buch enthaltenen Zaubersprüche.

 

Das Quellenband selber ist in ein stabiles Hardcover mit Lesezeichen gebunden. Die Aufmachung und das Layout sind von gewohnt hoher Qualität. Zahlreiche Fotos in schwarz/weiss, Auszüge aus Büchern und Briefen, sowie Kästen mit Zusatzinformationen machen das Buch zu einem optischen Genuss.

 

Fazit

Arcana Cthulhiana öffnet ein neues Tor zum Verständnis cthuolider Magie. Myhosbücher und die daran enthaltenen Zauber werden, nachdem der Spielleiter mit diesem Quellenband in Kontakt geraten ist, nicht mehr das gleiche sein für die Spieler. Sie sollte nun einen deutlich düsteren und unberechenbareren Charakter bis hin zu einem eigenen Wesen besitzen.

Das vorliegende Band richtet sich damit in erster Linie an Cthulhu-Spielleiter. Durch die interessante Aufmachung in Form eines magischen Folianten und besonders durch den größeren Abschnitt „Magie und Okkultismus“ stellt dieses Buch aber auch für Nicht-Rollenspieler eine interessante Lektüre dar. Die Autoren sind mit sehr viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen. Zahlreiche mehr oder weniger deutliche Anspielungen auf bereits erschienenen Cthulhu-Publikationen lassen die Welt deutlich „lebendiger“ wirken.

Das Quellenband Arcana Cthulhiana ist damit keine bloße Zusammentragung von Zaubersprüchen, deren Werte sowieso zum größten Teil im Spielleiter-Handbuch abgedruckt sind, sondern eine atmosphärische und stellenweise auch bildende Darstellung von Magie.

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Arcana Cthulhiana (Quellenband)

System: Cthulhu

Autoren: Jan Christoph Steines, Stefan Frank, Holger Göttmann, ...

Gebundene Ausgabe

240 Seiten

Verlag: Pegasus Spiele

Erscheinen: Dezember 2006

ISBN-13: 978-3937826424

Erhältlich bei: Amazon

 

weitere Infos:


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Erstellt: 05.02.2007, zuletzt aktualisiert: 29.01.2015 21:10