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Arctic Tale (Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Das Thema Eisbären geistert nicht erst seit Knut und Flocke in den hiesigen Medien herum. Die äußerlich so knuffigen Polarbewohner und ihr gefährdeter Lebensraum sind seit langer Zeit Gesprächsthema für Naturforscher und somit auch für das Team von National Geographic. Dort wurde unlängst ein weiterer Dokumentarstreifen namens „Arctic Tale“ gedreht, der inhaltlich in die Fußstapfen solcher Produktionen wie „Die Reise der Pinguine“ treten soll, sich allerdings allgemein mit dem Leben der Arktislebewesen beschäftigt. Passend hierzu haben die Entwickler von Zoo Digital Publishing auch ein Videospiel konzipiert, welches sich auf dokumentarische und lehrreiche, aber eben auch auf spielerische Weise der bedrohten Region widmet und das Leben mancher Tiere in einzelnen Missionen nachempfindet.

 

 

Das Spiel:

 

In „Arctic Tale“ bewegen die Spieler zunächst einen kleinen Eisbären durch seine eisige Heimat. Dabei macht man sich erst einmal auf große Erkundungstour durch die Landschaft und sucht dort nach ersten Herausforderungen, die sich in diesem Fall aus Mini-Levels in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen zusammensetzen. So versucht man beispielsweise, eine Eisrutsche in vorgegebener Zeit herunterzurutschen oder in einem Labyrinth innerhalb von vier Minuten eine bestimmte Anzahl von Robbenkadavern einzusammeln, um sich Futter zum Überleben zu verschaffen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, denn die erwachsenen Eisbären-Männchen sind enorm futterneidisch und greifen an, sobald man ihnen zu nahe kommt.

Unterdessen sammelt man verschiedene Items in Form von Pfotensymbolen. Goldene Symbole steigern langfristig die Lebenskraft der Bären, silberne Pfoten wiederum helfen dabei, neue Charaktere frei zu spielen. Wer beispielsweise zehn silberne Pfoten entdeckt hat, darf fortan zwischen dem Bären und dem Polarfuchs wählen, bei 20 Pfoten ist auch der ausgewachsene Bär verfügbar, und wer es sogar auf 20 Symbole bringt, kann nun mit dem Killerwal die Meereswelt der Arktis erkunden. Die letzte Stufe ist dann das Walross, welches jedoch schon 40 Pfoten erfordert – allerdings sind auch die schnell erreicht.

 

Um im Spiel nun voranzuschreiten, sucht man auf der Karte die einzelnen Schauplätze der Herausforderungen und stellt sich ihnen in drei unterschiedlichen Härtelevels. Dabei sammelt man besagte Symbole ein, schaut aber gleichzeitig auch, dass man das jeweilige Nahziel erfüllt, um weitere Levelaufbauten spielen zu können. Die Herausforderungen bestehen vorwiegend aus Mini-Spielen wie besagter Rutschpartie, allerdings ist die Auswahl ein wenig vielfältiger. So steuert man eine Eisscholle über das Wasser, jagt flüchtige Robben und Walrosse oder lässt die Figuren zur Abwechslung auch mal tanzen. Manche Spiele können aber nur mit bestimmten Tieren gespielt werden, so dass man dringend schauen sollte. Die silbernen Pfoten einzusammeln – denn nur so wird man das Spiel auf kurz oder lang auch erfolgreich bestehen.

 

Technik/Grafik:

 

So interessant die Spielidee auf den ersten Blick erscheint, so dürftig, ja geradezu schwach ist leider die Umsetzung. Das größte Manko stellt dabei definitiv die nervige Steuerung dar: Man steuert die Figuren mit dem A-Knopf vorwärts und bestimmt durch einen Cursor, der durch das Bewegen der Fernbedienung gelenkt wird, die Richtung, in der die Tiere sich bewegen sollen. Dieser Mechanismus funktioniert aber meistens nur in der Theorie. Praktisch hingegen erweist sich die Steuerung als absolut unsensibel und grob, so dass gerade die engeren Gänge, die man beispielsweise im Labyrinth durchlaufen muss, zur nervenaufreibenden Angelegenheit werden. Immer wieder hat man den Eindruck, die Lenkung würde gar nicht reagieren, was einerseits den Frust mächtig steigert, andererseits aber auch den Spaß am Spiel relativ schnell raubt.

 

Grafisch indes ist „Arctic Tale“ eher klassisches Wii-Niveau, aber insgesamt auch nicht wirklich herausragend. Gerade die Landschaftsbilder sind arg pixelig und je nach Perspektive schleichen sich immer wieder Fehler bei der Darstellung der Texturen ein. Wer also hinter diesem Spiel den süßen Eisbären vermutet, wird seine Erwartungen ein wenig dämpfen müssen. Im wahrsten Sinne kuschelig weich sind die Bilder nämlich nicht!

 

 

Spielspaß:

 

„Arctic Tale“ pendelt zwischen erhöhtem Frustfaktor, halbgarem Lehrspiel und müder Action und ist in Sachen Langzeitreiz ganz schnell wieder abgeschrieben. Die einzelnen Episoden auf den ersten Etappen des Eisbären sind noch ganz nett, ebenso die Ideen zu den vielen Minispielen, doch spätestens wenn man zum ersten Mal mit der ruckeligen, nervigen Steuerung ins Gehege kommt und die Aktionen sich trotz ernsthafter Bemühungen nicht so leichtfertig wie gedacht umsetzen lassen, verliert man schnell die Lust am Spiel, zumal das Potenzial von „Arctic Tale“ eh recht schmal ist. Die Inhalte wiederholen sich, die Infotexte erfüllen ihren Zweck nur bedingt, und wenn es darum geht, sich mit den einzelnen Herausforderungen zu beschäftigen, stellt man schnell fest, dass der eigentliche Anspruch sich ausschließlich auf das Beherrschen der Steuerung konzentriert – von wirklicher Spieltiefe ist jedoch kaum etwas zu spüren.

 

Daher hat es sich bei „Arctic Tale“ auch relativ flott ausgespielt. Die Missionen sind schnell durchgespielt, die zusätzlichen Tiere sind ebenso rasch verfügbar und da der Umfang zu guter Letzt ebenso spärlich ist wie die allgemeine Konzeption des Spiels, erkennt man nach wenigen Stunden sehr enttäuscht, dass der von National Geographic unterstützte Titel bei weitem nicht so interessant ist wie die gleichnamige Leinwand-Vorlage. Im Gegenteil: Hier ist trotz frohen Mutes Langeweile pur angesagt!

 

 

Fazit:

 

Die Wii-Fassung zu „Arctic Tale“ darf man getrost als herbe Betäuschung bezeichnen. Von der nervenaufreibenden Steuerung bis hin zur langweiligen Inszenierung des Arktis-Lebens bleiben zum Ende hin ausschließlich die Eindrücke haften, die das Spiel trotz großer Ambitionen zum Flop machen. Wer jedenfalls ein sympathisches, jugendliches und informatives Abenteuer erwartet, sollte noch einmal sehr gut über eine mögliche Investition nachdenken. Leider nämlich trügt hier der Schein ganz gewaltig!

 

(Anklicken zum Vergrößern)
 

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Arctic Tale (Wii)

von dtp Entertainment

Plattform: Nintendo Wii

USK-Einstufung: Freigegeben ohne Altersbeschränkung gem. 14. JuSchG

ASIN: B000PVXXVM

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 22.04.2008, zuletzt aktualisiert: 24.02.2015 14:12