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Attentat auf Richard Nixon (DVD)

Rezension von Mark Heywinkel

 

Was ist das Erfolgsrezept eines guten Films? Zum einen ist es natürlich eine spannende Story, ohne die wird der Film schnell belanglos und nervtötend; zum anderen sind es ausgefeilte Charaktere, die mit Tiefgang und Stärke dem Zuschauer die Möglichkeit zur Identifikation geben und eine Beziehung zwischen Streifen und Konsument herstellen, wobei natürlich die Wahl der Darsteller eine sehr große Rolle spielt. An diesen Kriterien soll nun auch die Qualität von Attentat auf Richard Nixon mit Sean Penn und Naomi Watts bemessen werden.

 

Fangen wir mit der Story an: Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt Attentat auf Richard Nixon von einem ganz normalen amerikanischen Staatsbürger, der sich aufgrund privater und beruflicher Niederlagen am 22. Februar 1974 dazu entscheidet, den vermeintlich an seinem miserablen Leben schuldtragenden Präsidenten der Vereinigten Staaten zu ermorden. Samuel Byck heißt der Versuchs-Attentäter, den es wirklich gegeben hat, Samuel J. Bickle heißt sein filmisches Pendant, gespielt von Sean Penn (”Der schmale Grat”, ”21 Gramm”), der es auf Richard Nixon abgesehen hat. Der Film vermittelt dem Zuschauer die Ausgangssituation für den späteren Attentatsversuch, die Gedankenwelt des Protagonisten, die ihn schließlich zu seiner Tat treibt. Dabei wird natürlich viel Wert darauf gelegt, den Charakter des Sam Bickle klar zu umzeichnen.

 

Sam hat ein Problem damit, zu lügen. Seinem Beruf des Verkäufers ist das nicht gerade zuträglich. Der unsichere Mann kann in keinem Betrieb Fuß fassen, immer wieder wird ihm gekündigt, oder er tut es freiwillig. Die Schuld für seine beruflichen Misserfolge sieht er beim System, das nur Lügnern offen steht und sie zu reichen Erfolgsleuten werden lässt, während ehrliche Männer zu Verlieren degradiert werden. Privat sieht es bei Bickle auch nicht besser aus, seit geraumer Zeit lebt er von seiner Frau (Naomi Watts, ”King Kong”) getrennt. Seine Hoffnung, mit einem eigenen Unternehmen und neuer finanzieller Sicherheit seine Familie zurückgewinnen zu können, zerschellt an bürokratischen Strukturen. Schließlich bekommt Bickle mit der Post die Scheidung zugeschickt - das ist der Moment, in dem er sein Leben als vollständig ruiniert erachtet. Desillusioniert und gescheitert entschließt sich Bickle zu einem Rachefeldzug: Er will ein Flugzeug entführen und es in das Weiße Haus fliegen, den Präsidenten ermorden, ein Zeichen setzen, sich gegen das System erheben, das von einem American Dream schwärmt, den Sam Bickle nie kennenlernen durfte. Am Ende bleibt es bei dem recht undurchdachten Plan, schon am Flughafen wird Bickle von Polizisten erschossen, er stirbt als vollkommener Versager, erfolglos in jeder Beziehung.

 

Angesichts einer Story, die sich eng an die Gedankengänge des Protagonisten haftet, will dessen Charakter gut dargestellt sein. Sean Penn meistert die Rolle des notorischen Verlierers perfekt. Er macht das sogar so gut, dass man ihn anfänglich noch verstehen kann, sein Unglück als ebenso ungerecht empfindet, wie er es tut - am Ende, so muss es einfach sein, wird diese Figur jedoch plötzlich zu krass, zu abgedroschen, zu gefährlich, sodass man sich einfach von ihm distanzieren will und muss. Auch diesen Wandel weiß Penn gut darzustellen.

 

Jeder möchte auf irgendeine Art und Weise Kritik am Staat und an den Menschen äußern, die dem System voranstehen. Sam Bickle ist zu Beginn des Films so ein Mensch, einer, der mehr vom Leben erwartet hat und dessen Träume nacheinander zerplatzen, er ist einer, mit dem man mitfühlt und den man versteht. Dass er sich schließlich in einen Menschen verwandelt, der gewalttätig wird, bleibt für den Zuschauer unbegreiflich und genau hier liegt wohl die Aussage des Films: Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, die Verantwortung für sein individuelles Glück kann man weder an Andere weitergeben, noch darf man sie für eigene Misserfolge verantwortlich machen. Weil Sam Bickle sie nicht versteht, wird diese Lehre für den Zuschauer um so deutlicher und notwendiger. Attentat auf Richard Nixon fordert Selbstreflexion und Mut zur Eigenverantwortung, daher ist der Film nicht nur künstlerisch gelungen, sondern auch moralisch wertvoll.

 

Eure Meinung:


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Film:

<i>&copy; e-m-s</i>

Das Attentat auf Richard Nixon

OT: Assassination of Richard Nixon

VÖ: 06.07.06 (Verleih)

31.08.06 (Kauf-DVD)

FSK: ab 12

Genre: Thriller

Länge: ca. 91 Min.

Land: USA

Jahr: 2004

ASIN: B000GG47UM

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Sean Penn,

Naomi Watts,

Don Cheadle,

Jack Thompson

 

Regie:

Niels Mueller

 

Vertrieb:

e-m-s

Weitere Infos:

Es wurde ein Pressemuster rezensiert. Daher können leider keine Aussagen über das Cover, Bonusmaterial, Bild- und Soundqualität gemacht werden.


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Erstellt: 14.07.2006, zuletzt aktualisiert: 25.03.2018 19:01