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Attentat von Tom Clancy

Reihe: Net Force

Rezension von Björn Backes

 

Story:

Im Pentagon entwickeln sich die fortschrittlichen Möglichkeiten der Virtual Reality zu einer ungeahnten Bedrohung. Eine unbekannte Gruppe von Hackern verschafft sich Zugriff auf geheime Daten, ohne dabei konkrete Spuren zu hinterlassen. Das Verteidigungsministerium plant einen direkten Gegenschlag und unterstellt die Net Force seinem Kommando. Unter Mithilfe des Computerexperten Jay Gridley arbeitet das Team trotz dieser neuen widerstrebenden Situation mit Hochdruck an den Ermittlungen und findet alsbald eine sPur, die bis in den chinesischen Untergrund führt. Dann jedoch meldet sich der Chef von CyberNation, einem französischen Konzern, der einen kompletten Umsturz ins virtuelle Zeitalter plant, zu Wort und bittet die amerikanische Organisation um Unterstützung, was ihm aufgrund seiner stolzen Haltung zunächst aber nicht sonderlich behagt. Doch Charles Seurat hat keine andere Wahl; die Net Force ist ihrer Konkurrenz um Meilen voraus, und wenn es überhaupt einem Mann gelingen kann, das merkwürdige Hacker-Netzwerk zu durchbrechen, dann Jay Gridley. Nach und nach ergeben sich in den VR-Produktionen konkretere Hinweise für die ersten Thesen. Allerdings scheinen die Drahtzieher zu mächtig, um einen derartigen Komplott zu inszenieren. Doch was genau planen die Asiaten wirklich?

 

 

Persönlicher Eindruck:

Es ist geradezu erschreckend, mit welch halbgaren Ideen Tom Clancy seinen Status als Thriller-Autor Schritt für Schritt herabstuft, und mit welch belanglosen Geschichten er im Zeitalter der Net Force auf sein Publikum stürzt. Der viel gerühmte Polit-Autor und bewährte Single-Roman-Schreiber läuft schon seit Jahren seiner Form hinterher und hat gerade in seinen Kooperationen mit Herausgeber Steve Pieczenik kaum mehr Zählbares zustande gebracht – und da macht der insgesamt neunte Net Force-Roman leider keine Ausnahme.

 

In „Attentat“ entwirft Clancy ein erschreckendes Futur-Szenario, welches einerseits recht konfus arrangiert wurde, andererseits aber über eine derart simple, lineare Handlung verfügt, dass man sich fragt, wo denn der einst geliebte Anspruch des Autors denn nun abhanden gekommen ist. Die Figuren sind lediglich Schemen ohne nennenswerten Wiedererkennungswert, die Story selber ziemlich platt und die seltenen Spannungsbögen absolut klischeebesetzt konstruiert, dass der ersuchte Effekt schon vorab zum Scheitern verurteilt ist. Apropos Spannung: Womöglich ist der Mangel am elementarsten Teilchen eines solchen Romans auch der wesentliche Grund für die Kritik. Clancy bemüht sich, den Plot mit ständigen, raschen Szenenwechseln anzutreiben und ihn künstlich komplex zu gestalten. Das Ergebnis unterscheidet sich jedoch vehement von diesem Gesuch. Die Geschichte ist nämlich trotz allem leicht durchschaubar, die propagierten Mysterien ebenfalls transparent und wirkungslos und die besagten Wechsel lediglich Grund zur Aufregung, da sie eher verwirrend als begünstigend sind.

Dabei spielt es eigentlich kaum eine Rolle, in welcher Zeit sich die Handlung bewegt bzw. inwiefern es gelingt, das moderne Zeitalter im Rahmen eines zeitlosen politischen Ränkespiels zu integrieren. Der Einsatz der virtuellen Realität bzw. der sich daraus bildenden imaginären Schauplätze mag eine fortschrittliche Idee sein, jedoch läuft dessen Etablierung ständig an der Story vorbei und trägt schlussendlich nur noch mehr zur allgemeinen Konfusion bei. Das Finale gleicht daraufhin auch einer kaum ernst zu nehmenden Farce; plötzlich will Clancy seinen Roman mit Action füllen und die fehlende Rasanz der Story zumindest im ersehnten Showdown aufleben lassen. Doch selbst hier zeigt der Autor wenig Geschick, auch nur einen kleinen Teil des verlorenen Bodens wieder gutzumachen. Im Gegenteil: Ein letztes Mal werden die zu diesem Zeitpunkt schon überstrapazierten Klischees und Zitate älterer Clancy-Publikationen aufgearbeitet und in einem erschreckend schlechten Schlusspart eingebaut. Kaum zu glauben, dass hier tatsächlich ein solch namhafter Schriftsteller hinter dem Projekt steht.

 

 

Fazit:

Clancy-Fans sollten sich wohl langsam darauf einstellen, dass ihr schreibender Liebling mittlerweile eher ein Garant für Magerkost geworden ist. „Attentat“ stellt den Tiefpunkt einer bedenklichen Entwicklung in der Karriere des Autors dar und ist sowohl als perfides Scence-Fiction-Szenario noch als politisch inspirierter Action-Thriller wirklich tragbar. Traurig, aber leider wahr.

 

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Attentat

Reihe: Net Force

Autor: Tom Clancy

Broschiert: 415 Seiten

Verlag: Heyne TB (1. Dezember 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453430522

ISBN-13: 978-3453430525

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.02.2008, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51