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Auf dem Schlachtfeld geboren

Reihe: Conan Bd. 9

Rezension von Christian Endres

 

Robert E. Howard hat nicht viel über die Jugend von Conan erzählt, und was im Film mit Arnold Schwarzenegger oder der TV-Trickserie über Conans Eltern und Kindheit berichtet wird, ist nie wirklich zum offiziellen Kanon erklärt worden. Selbst Altmeister Roy Thomas hat die Jugendjahre des Barbaren weitgehend unangetastet gelassen. Was wir wissen, ist, dass Conan in einem Dorf in den Bergen im rauen Cimmerien aufgewachsen ist, wo der finstere Gott Crom nur denen wohlgesonnen ist, die tapfer sind und keine Furcht zeigen.

 

Da passt es dann auch ganz gut, dass Autor Kurt Busiek Conans Mutter hochschwanger auf ein chaotisches Schlachtfeld rennen lässt, um ihren Mann vor dem Tod zu bewahren, nur um Conan dann auf dem blutgetränkten, aufgewühlten Boden das Leben zu schenken. Auf dem Schlachtfeld geboren – und später auf einem Schlachtgeld geläutert und als jener Wanderer wiedergeboren, der Conan in späteren Jahren zum Dieb, Schatzjäger, Räuberhauptmann und König machen sollte. Was dazwischen lag, eben in jenen ersten Jahren in der unwirtlichen Wildnis der Berge Cimmeriens, gilt es in diesem Band zu entdecken.

 

Es war klar, dass der anfängliche Conan-Stammzeichner Cary Nord irgendwann in Not geraten würde, was die Deadlines der Serie anging. Also entschied man von vorne herein, Geschichten mit Jugendabenteuern von einem anderen Zeichner einzustreuen. Die Wahl fiel auf Greg Ruth, der sich zuvor mit einem von Alan Moore höchstpersönlich gelobten Beitrag zu Dark Horse’ 9/11-Anthologie einen gewissen Ruf erarbeitet hat. Ruth nun mag an einer Geschichte wie »Freaks of the Heartland« letztlich besser aufgehoben sein und hat sich seit seiner Arbeit für Dark Horse’ (inzwischen ja eingestellter und unter anderem Titel neu gestarteter) Conan-Serie auch schon wieder ein ganzes Stück weit entwickelt – trotzdem gelingen ihm einige beeindruckende Bilder aus Conans Jugend. Raue Natur, Hunger, Wildheit, der Wahnsinn des Kampfes, Einsamkeit, Tatendrang, Hass, Trostlosigkeit – das fängt Ruth mit seinem markanten, unkonventionellen und eher malerischen Stil (bei dem der Amerikaner sich aller Techniken und Hilfsmittel bedient, die ihm unterkommen) sehr schön ein. Ruth gelingt zwar nicht jedes Panel und auch nicht jede Seite – die Seiten, wo alles zusammenpasst, entschädigen aber für fast alles.

 

Gemeinsam schlagen Busiek und Ruth sich dann auch ganz wacker. Viele Ansätze, die ihre Story liefert, zeigen definitiv das mögliche (!) junge Ebenbild jenes legendären Abenteurers und Genre-Helden der Fantasy, der Robert E. Howard trotz seines frühen Freitodes unsterblich machte. Und es war natürlich ein cleverer Schachzug vom alten Haudegen Busiek, sich nicht allein auf Conans harte Jugend oder Stammesfehden zu konzentrieren, sondern stichhaltige Motive (und einen erzählfreudigen Großvater) zu liefern, die Conan aus seiner dem Stillstand frönenden Heimat - und damit der grausamen Welt des Hyborischen Zeitalters geradewegs in die Arme - trieben.

 

In wie weit man diesen weiteren Schritt der ›Entmystifizierung‹ Conans gutheißen mag oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Rein handwerklich und in Hinblick auf Conans Charakter, wie wir ihn von REH überlassen bekommen haben, kann sich das Werk über die Jugendjahre des berüchtigten Barbaren - mit ein paar kleineren Abstrichen hier und da - durchaus sehen lassen.

 

 

Eure Meinung:


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Comic:

Auf dem Schlachtfeld geboren

Autor: Kurt Busiek

Zeichner: Greg Ruth

Reihe: Conan Bd. 9

Panini, Februar 2009

ISBN: 3866077165

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 27.02.2009, zuletzt aktualisiert: 07.04.2019 17:49