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Auf der falschen Spur von Leena Lehtolainen

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Eigentlich hat Mario Kallio ihren Dienst im Kriminalkommissariat der Polizei von Espoo längst hinter sich gelassen. Drei Jahre sind nunmehr vergangen, seit sie im Dienst schwer verletzt wurde und schließlich über Umwege einen Job bei einer Organisation des Innenministeriums ergattern konnte. Der versuchte Mord an einer Journalistin, die mehrere Sportler des Dopings überführt hatte, sowie das geglückte Attentat auf Pekki Vainikainen, seines Zeichens Kommissionsmitglied eines Verbands für Sportler mit körperllichen Einschränkungen, haben ihren Chef Taskinen jedoch dazu gezwungen, seine einstige Assistentin in den Dienst zurückzubeordern, wo sie zunächst widerwillig die Ermittlungen wieder aufnimmt. Dabei stellt sich der Fall als sehr widersprüchlich dar, da der Kreis der möglichen Täter zwar sehr begrenzt ist, grundsätzlich aber niemand ein passendes Motiv für den Mord an Vainikainen hat. Vermutungen, die Journalistin Jutta Särkikoski sei erneut als Ziel des Anschlags verfehlt worden, verhärten sich, als bei einer Bombenexplosion in Juttas Auto ein weiterer, scheinbar unbeteiligter Mensch sterben muss. Kallio ist verzweifelt und gibt sich selbst die Schuld am jüngsten Opfer; selbst die Teilgeständnisse einiger Betroffener bringen sie zunächst nicht weiter – doch dann erhält Maria unverhofft Schützenhilfe von einer Seite, die sie bisher nicht wahrnehmen wollte…

 

 

Rezension:

In ihrer neuen Kriminalgeschichte widmet sich die finnische Bestseller-Autorin Leena Lehtolainen der finnischen Leistungssport-Szene und vor allem den drohenden Abgründen, die sich selbst im Breitensport immer weiter auftun. Immer wieder gräbt die Autorin in den düsteren Kapiteln des Sports, nährt ihre Story mit einigen leichtfertigen Aussagen zum Thema Doping und spannt schließlich den Bogen zum Behindertensport, der längst von der Plage betroffen ist. Als Aufhänger für eine Mordserie scheint die Sache durchaus innovativ, zumal Lehtolainen dieses Mal nicht gerade einen Grundriss einer typisch finnischen Story zeichnet. Die Szenerie ist durchaus weltlich, wenngleich der Faktor, dass die Heimat der Geschichte ein kleines Land ist, sicher eine Bedeutung spielt. Aber, um es auf den Punkt zu bringen: Die Autorin distanziert sich ein Stück vom klassischen Themenkreis ihrer Romane und berichtet diesmal in wesentlich helleren Tönen, als man es von ihr gewohnt ist.

 

Ob dies der Grund ist, dass „Auf der falschen Spur“ zwischendurch einige Probleme hat, den Spannungslevel zu halten, darf nun spekuliert werden. Aber es ist durchaus Fakt, dass das Storyboard in manchen Kapitel deutlich hakt und sich schwer tut, in manch entscheidender Passage wieder einen Gang hochzuschalten. Dabei gelingt es Lehtolainen, gewohntermaßen, ohne große Probleme, den Plot in Fahrt zu bringen. Die einzelnen Figuren und ihre persönlichen Tragödien sind schnell bekannt und mit dem nötigen Tiefgang beleuchtet. Und auch die Verstrickungen um die unterschiedlichen Organisationen, die in den offenkundigen Komplott verstrickt sind, hat man relativ zügig erfasst und bekommt damit genügend Freiraum für die eigentlichen Ermittlungsaufgaben. Doch just in dem Moment, in dem sich die Fronten verhärten, schiebt Lehtolainen die Stränge etwas risikoarm hin und her. Die wechselnden Verdachtsäußerungen werden irgendwann nicht mehr entscheidend forciert, so dass die Handlung partiell tatsächlich auf der Stelle tritt. Zu spüren bekommt der Leser dies vor allem in der etwas ruckartigen Einleitung des Final-Szenarios, welches in seiner Auflösung leider zu offensichtlich ist. Irgendwie schwebt der Hauptverdacht die ganze Zeit über einer Person, und als sich das Ganze schließlich immer mehr verhärtet, tritt eben nicht der gewünschte Aha-Effekt ein, sondern eben nur die nüchterne Feststellung, dass man auf der richtigen Fährte gelegen hat – und das ist gerade in dieser Spezies der Literatur nicht immer förderlich.

 

Immerhin, sprachlich ist „Auf der falschen Spur“ ebenso topp wie im Bereich der kulturellen Integration des Settings. Das raue Finnland mit seiner hohen Suizidquote und als Standort des überzogenen Alkoholgenusses kommt hier in seiner typischsten Form davon, einerseits vielleicht auch mit ein paar klassischen Klischees, andererseits aber eben auch in einer glaubwürdigen, authentischen Präsentation, von der die Story gerade in ihren etwas langatmigeren Momenten ebenfalls zehrt. Die Atmosphäre stimmt also auch im Hinblick auf die etwas westlichere Ausrichtung des Basisthemas, so dass man der Autorin wenigstens in diesem Bereich die bewährte Klasse attestieren kann, welche die Story aber leider nicht immer auffahren kann.

 

 

Fazit:

Nichtsdestotrotz ist „Auf der falschen Spur“ jedoch ein absolut lesenswerter Kriminalroman, der vielleicht nicht zu Lehtolainens besten Werken gehört, sich aber nahtlos in die Sammlung ihrer sehr direkten Thriller von der Basis einfügt. Wer mit der Autorin schon etwas besser vertraut ist, sollte daher auch ruhigen Gewissens zugreifen!

 

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Auf der falschen Spur

Autor: Leena Lehtolainen

Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

Verlag: Kindler (16. Januar 2009)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 346340558X

ISBN-13: 978-3463405582

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 19.04.2009, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51