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Ausnahmezustand von Tom Clancy

Reihe: OP-Center

Rezension von Björn Backes

 

Inhalt:

Während einer großen Gala im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York überschlagen sich noch während der Vorbereitungen die Ereignisse. Eine maskierte Terroristen-Einheit stürmt das Gebäude, besetzt das Auditorium der Botschafter und nimmt dort innerhalb weniger Minuten Dutzende Geiseln, darunter auch acht junge Mädchen, die am Abend ein Geigenkonzert geben sollten. Der ehemalige OP-Center-Chef Paul Hood ist entsetzt, sollte der Abend doch ganz im Zeichen der Wiedervereinigung seiner zerrütteten Familie stehen, und bringt nun infolge der Geiselnahme seine Tochter Harleigh unverhofft in Lebensgefahr. Noch während sich die politischen Führungen bemühen, nach diplomatischen Lösungen für den brutalen Terrorakt zu suchen, bestätigen die fünf Besetzer ihren Forderungen mit Nachdruck. 100 Millionen Dollar sollen innerhalb einer Stunde herangeschafft werden, andernfalls stirbt Stunde für Stunde eine weitere Geisel. Als schließlich die ersten Geiseln ermordet werden, breitet sich unter den Diplomaten Hilflosigkeit aus. Unter keinen Umständen will man den Fordrungen nachgeben. Als die Situation dann jedoch eskaliert, ein Mädchen angeschossen und auch die Ankunft eines SWAT-Teams publik gemacht wird, gerät die Situation außer Kontrolle. Die Terroristen verschärfen die Bedingungen – und nun soll auch das erste Mädchen dran glauben…

 

 

Rezension:

Während die Net Force unter Clancy-Liebhabern in letzter Zeit vermehrt zum Tabu-Thema avancierte, haftet zumindest dem OP-Center noch ein gewisses Qualitätssiegel an, welches der Autor im Verbund mit Steve Pieczenik zumindest im aktuellen Roman dieser Serie einigermaßen unterstreichen kann. Recht geschickt inszeniert er ein politisches wie militärisches Ränkespiel, welches sich in kürzester zeit äußerst brisant gibt, tempomäßig am obersten Limit agiert und ohne logische Fehler voranschreitet. Zumindest dies darf man im Zusammenhang mit dem zuletzt immer häufiger schwächelnden Autor schon einmal als positive Aspekte zur Kenntnis nehmen.

Allerdings ist die Story nicht frei von Längen, gerade was die zwischenmenschlichen Inhalte des Plots betrifft. Clancy versucht das eigentliche Drama auf die Familie Hood zu übertragen und die Geschichte exemplarisch mit ihrer anhaltenden Familienkrise zu verknüpfen, was sich jedoch für die Entwicklung der Handlung als weniger förderlich erweist. So gerät das Ganze besonders im letzten Drittel immer mehr in den Zwiespalt, an welchen Enden man die Prioritäten wohl besser gesetzt hätte, zumal das Tempo immer wieder entschärft wird, um die Tragödie um Paul, Sharon und ihre gefangene Tochter Harleigh aufzuarbeiten.

Doch generell ist die Charakterentwicklung ein altbekanntes Problem, was auch hier stellenweise wieder zu bemängeln ist. Die Profile mancher Hauptdarsteller sind unausgegoren, und auch der Versuch, mittels Reflektionen in die individuelle Vergangenheit der Protagonisten den Klärungsbedarf zu sättigen, wirken insgesamt doch eher bemüht als fließend integriert.

 

Nichtsdestotrotz ist die Atmosphäre jedoch beispielhaft für einen teils richtig brutalen Polit-Thriller. Die Szenarien sind erschreckend, die Figuren glaubhaft und die Story in ihrer linearen Darstellung authentisch und sehr gut nachvollziehbar. Woran es hapert, sind schlichtweg prägnante Charaktere und ein wenig Spannung. Letztere kommt nämlich gerade deswegen zu kurz, da das gesamte Konstrukt weitestgehend vorhersehbar gestaltet wurde und man auch mit all den Umwegen, die die Erzählung einschlägt, erahnen kann, auf welches Finalszenario die Story hinausläuft. Schade drum, denn gerade in diesem Bereich wird reichlich Potenzial verschenkt.

 

 

Fazit:

„Ausnahmezustand“ ist thematisch betrachtet ein typischer Clancy-Roman, im Rahmen der „OP-Center“-Reihe sicherlich auch ein recht gelungener Roman, jedoch insgesamt nach wie vor fernab von den früheren Glanztaten des einstigen Bestseller-Autors. Für Fans der Serie sowie Liebhaber politisch korrekter Literatur bietet der Titel aber dennoch ordentliche Unterhaltung und sollte in der hier vorliegenden Taschenbuch-Ausgabe auch nicht grundsätzlich abgelehnt werden.

 

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Ausnahmezustand

Reihe: OP-Center

Autor: Tom Clancy

Broschiert: 315 Seiten

Verlag: Heyne TB (1. Oktober 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3453772016

ISBN-13: 978-3453772014

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 07.02.2008, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018 13:51