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Autopsy (BR; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

»Don’t drink and drive« könnte das Motto dieses Films lauten. Immerhin hat es das ausnahmslos aus attraktiven jungen Menschen bestehende Quartett (beziehungsweise die Hauptdarsteller des Films) das bemerkenswerte Kunststück geschafft, nach knapp fünf Minuten ihr Vehikel um einen Baum zu wickeln. Alkohol am Steuer eben. Aber wahrscheinlich gab’s in New Orleans auch keine freien Unterkünfte mehr. Verständlich, immerhin herrscht da dank des Mardi Gras Ausnahmezustand. Und nun? Sitzen unsere Helden mitten in der Nacht und inmitten des Niemandslands von Louisiana fest. Handys? Fehlanzeige. Entweder haben sich besagte Mobiltelefone dank des harten Aufpralls in ihre Einzelteile aufgelöst oder kriegen kein Netz. Da ist guter Rat teuer. Dass zudem ein ausgebüchster Krankenhauspatient unter die Räder geraten ist, macht’s auch nicht gerade besser.

Aber unsere Gruppe hat Glück im Unglück, als kurz darauf ein Rettungswagen aufkreuzt und den Unbekannten ohne großes Aufheben in ihr Fahrzeug verfrachtet. Spontan entscheiden sich die jungen Helden fürs Mitfahren – schließlich sind auch sie alles andere als unbeschadet geblieben. Das die beiden Sanitäter (Michael Bowen und Robert LaSardo) ein wenig, nun ja, sonderbar erscheinen – Schwamm drüber. Schließlich kann der Schein ja trügen. Kurze Zeit später hält der Wagen vor dem ein wenig in die Jahre gekommenen Mercy Hospital, dessen 1960er Jahre-Feeling ohne Unterbrechung im Inneren fortgeführt wird, einschließlich der offensichtlich unter einer ausgewachsenen Form von Koniophobie (Angst vor Schmutz) leidenden Krankenschwester Marian (Jenette Goldstein); eine Mischung aus Schwester Ratched (aus Einer flog übers Kuckucksnest) und der herrischen Oberschwester Hildegard aus der Schwarzwaldklinik. Resolut und keinerlei Widerreden duldend führt sie einer/n nach der/m andere/n zu dem Leiter des Hospitals, dem etwas herrischen Dr. David Benway (Robert Patrick). Ansonsten scheint der Mann aber in Ordnung zu sein. Findet zumindest die einstige Medizinstudentin Emily (Jessica Lowndes) nach ihrer ersten Begegnung mit dem Mann. Okay, seine Vorgehensweisen mögen etwas sonderbar erscheinen und die Sache mit den verwirrt durch die Gänge schlurfenden Patienten bedarf auch ein wenig der Verbesserung – aber sonst?

Bis sie sich schließlich alleine im Wartebereich wieder findet. Sorgfältige Untersuchungen hin oder her, aber gleich so lange? Aus irgendeinem Grund kommt das Emily reichlich obskur vor. Entgegen sämtlicher Insistierungen seitens Schwester Marian beschließt die junge Dame, sich das Krankenhaus etwas eingehender anzusehen – und natürlich nach ihren Freunden zu suchen. Doch je tiefer sie sich in den dunklen Korridoren verirrt, desto näher kommt sie dem blutigen Geheimnis von Dr. Benway …

 

Ist der typische Slasherfilm eine amerikanische Tradition? Hübsche junge Menschen, ein unter Verlust leidender Killer, etc. pp.? Was begeistert ob der praktisch immer gleichen Eintönigkeit? Dem Rezensenten bleibt ein stummes Schulterzucken. Das sich Autopsy nach dem sehr gelungenen und gleichermaßen direkten Einstieg im Fahrwasser von Elaboraten wie <b<Prom Night</b> (1980 bzw. 2008) oder Hatchet (2008) wieder findet, ist eigentlich ein Grund, die Eject-Taste zu drücken. EIGENTLICH. Denn gottlob verlässt sich Regisseur Adam Gierasch nicht ausschließlich auf den vermeintlichen Erfolg des Vorhersehbaren, sondern lenkt seinen Film überraschend früh in originellere Gewässer. Sicher, das Setting in einem runtergekommenen Krankenhaus beziehungsweise einem einstigen Irrenhaus gab’s auch schon mal und erinnert hier und da auch schon mal an das 13 Geister-Remake aus dem Jahre 2001, kommt aber dennoch ziemlich überzeugend rüber. Licht und Schatten werden sehr effektvoll eingesetzt wie auch diverse, wirklich interessante Kameraeinstellungen. Doch was nützt die unheimlichste Klapse, wenn die Belegschaft nicht die entsprechenden Vorgaben erfüllen kann? Aber keine Sorge, auch in dieser Hinsicht wurde nicht am falschen Ende gespart. Mit Robert Patrick (u. a. Terminator 2), Jenette Goldstein (Aliens) sowie Tarantino-Spezi Michael Bowen (u. a. Kill Bill Vol. 1) und dem umtriebigen Nebendarsteller Robert LaSardo (dem einen oder anderen aus Waterworld oder Léon – Der Profi in Erinnerung) wurde das Krankenhauspersonal gut aufgepäppelt. Wenngleich einem Patrick schon ein wenig leid tun kann. Nicht, dass der Gute schlecht spielt, sondern vielmehr weil er sich seit praktisch 20 Jahren im B-Movie-Sumpf festgefressen hat. Irgendwie schade. Michael Bowen dagegen scheint sich in derlei Produktionen pudelwohl zu fühlen – obgleich er meistens den Irren vom Dienst markieren muss. So auch in »Autopsy«, wo er praktisch seine berüchtigten »Buck«-Part aus dem ersten »Kill Bill« bis aufs i-Tüpfelchen wiederholen darf, außer, dass er diesmal keine so schnieke Karre besitzt und komatösen Patientinnen nicht an die Wäsche geht. Aber immerhin darf er mit diversen schweren Gerätschaften auf seine Opfer losstürmen – ist ja auch etwas. Zum Glück ist so viel Potenzial auch auf Seiten der »Guten« auszumachen. Neben dem versierten Briten Ross McCall (u. a. Hooligans) ist es besonders Jessica Lowndes als Emily, die ihren erfahreneren Widersachern ordentlich Paroli bieten kann. Nicht nur ein schönes Gesicht, sondern auch eine wirklich überzeugende Darstellerin, deren Leistungen sich gottlob nicht auf das kleine Dummchen beschränken. Von der 22-jährigen Kanadierin wird man sicherlich in Zukunft noch mehr sehen können.

 

Dass »Autopsy« letztlich doch an der selbstgesetzten Hürde scheitert, liegt also weniger an den Schauspielern noch an den gut dosierten und überzeugenden Gore-Effekten (wenngleich es die FSK hierzulande erneut nicht lassen konnte, die Schere anzusetzen – und das an zwei Stellen auf hundsmiserable Art und Weise), sondern schlussendlich an einem Drehbuch, dass die Vorgaben einfach nicht zu nutzen weiß. Zu oft werden Klischees aus der Mottenkiste bemüht und/oder teilweise geradezu haarsträubende Handlungen präsentiert, was den vermeintlichen Genuss doch um einige Prozentpunkte schmälert.

Ähnliches lässt sich dann leider auch über die BR beziehungsweise deren Bild sagen. Das angestammte – und schlichtweg zu erwartende – Niveau des Mediums wird nämlich zu keiner Sekunde erreicht. Wenn überhaupt, so kann man allenfalls von guter DVD-Bildqualität sprechen. Was, im Hinblick auf die wirklich guten Krankenhausaufnahmen sehr, sehr schade ist.

 

Fazit:

»Autopsy« geizt weder mit Blut, guten Darstellern noch einem erfrischenden Setting, doch können diese drei Punkte nur sehr bedingt gegen die oftmals sehr unausgegorene und unlogische Story ankämpfen. Letzteres und die leicht enttäuschende Bildqualität der BR, sorgen dafür, dass der Film nicht über den Durchschnitt hinauskommt.

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Eure Meinung:

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BR:

Autopsy

USA, 2008

Regie: Adam Gierasch

Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

FSK: 18

Umfang: 1 BR

WVG Medien, 25. Februar 2011

Spieldauer: 81 Minuten

 

ASIN: B0048IDRFK

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Michael Bowen

Robert Patrick

Jessica Lowndes

Ashley Schneider

Ross Kohn

Jenette Goldstein

Robert LaSardo

Arcadiy Golubovich

Ross McCall

Gregg Brazzel

Elijah Hardy

Kevin M. White

Tatyana Kanavka

Jeff L. Deist

Eric F. Adams

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Erstellt: 22.06.2011, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23