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Aventurischer Bote Nr. 100

Rezension von Karl-Georg Müller

 

1985 erschien die Nummer 1 des „Aventurischen Boten“ (AB), und mit dem gebührenden Stolz lässt die Redaktion die Schampuskorken knallen. Damit alle mitfeiern können, ist diese Ausgabe deutlich dicker als die normalen Hefte.

 

Es beginnt mit einem eher augenzwinkernd vorgetragenen Gespräch der leitenden Redakteurin, Frau Strellina von Liepenberg, mit dem Prinzen Storko und dem Grafen Nemrod, das denkwürdige Details der vergangenen Ausgaben Revue passieren lassen soll. Ähnliches unternimmt Hadmar Freiherr von Wieser, wobei er sich der irdischen Geschehnisse rund um den „Aventurischen Boten“ widmet.

 

Dazwischen brauchen sich die Nachrichten aus den Reichsprovinzen und die Spielhilfen nicht zu verstecken; neben einem kurzen Abriss zum Firmament samt skizzenhafter Karte des nördlichen Sternhimmels werden ausgiebig die Druckereien Aventuriens aufgelistet und in kurzen Ausführungen beschrieben.

 

In Anton Westes Kurzszenario „Auf Messers Schneide“ steht Lutisana von Perricum im Mittelpunkt, vormals Reichsmarschallin Galottas, nunmehr Überläuferin und deshalb gejagt von diesen und jenen.

 

Die darauf folgenden Meisterinformationen beziehen sich auf weitere Spielhilfen, in denen von teilweise spektakulären, aber regelmäßig außergewöhnlichen Geschehnissen in Aventurien die Rede ist, zusammengetragen auch von fleißigen DSA-Spielern, die hier ihre Ideen einfließen lassen können.

 

Als weitere Spielhilfe dient sich die ausgiebige Beschreibung des „Handelshauses Stoerrebrandt“ an, wobei Teil 1 im AB 99 erschien. „Wucherei“, „Monopole“ und „Warentransporte“ sind Themen dieser Abhandlung.

 

„Schatten des Zweifels“ betitelt sich eine Story von Susi Michels, die sich um Ayla von Schattengrund, Schwert der Schwerter, rankt.

 

Und mittendrin im AB wird die Auflistung aller DSA-Produkte fortgeführt, begonnen im „Lexikon des Schwarzen Auges“, ergänzt im „Aventurischen Almanach.“ Vier weitere Jahre sind ins Land gezogen, reichlich Zeit, in der eine ganze erkleckliche Anzahl an Artikeln hervorgebracht wurde.

 

Der „Aventurische Bote“ ist natürlich eine Publikumszeitschrift, die nicht deswegen ihren Käufer findet, weil ein Titelthema Spannung verspricht. Entweder spielt man DSA – oder der AB nützt einem nichts. Insofern ist eine Bewertung der Artikel auch immer unter dem Aspekt der Brauchbarkeit für DSA-Spieler vorzunehmen – und dort erfüllt er seine Aufgabe, insbesondere mit dieser umfangreichen Ausgabe, mehr als gut. Die Beiträge sind tadellos geschrieben, die Spielhilfen erschienen mir allesamt hilfreich und gut ausgearbeitet bzw. eine brauchbare Grundlage für eigene, darüber hinausreichende Ideen.

 

Das Kurzszenario hat bei mir ein paar Fragen hinterlassen (Reisebegleitung einer mit eisernem Helm mit Visier für die Spieler getarnten Person – tja, und des Nachts wird mit Helmchen geschlafen?). Zudem wird die Gruppe sehr straff zum Ziel dirigiert, da bleibt wenig Platz zum eigenständigen Handeln.

 

Hadmar Freiherr von Wieser hat leider den Überblick ab AB 76 recht kurz gehalten; vielleicht, weil die Ausgaben noch zu frisch sind? Für Neueinsteiger, die gerade eine runde Ausgabe wie die 100. zum Reinschnuppern nutzen, wäre ein Rückblick auf die Ereignisse um die jüngeren Hefte herum sicherlich nicht uninteressant gewesen.

 

Und, ach, muss im Vorwort ein Satz wie „Kein anderes Rollenspielmagazin kann auf eine solche (Erfolgs-)Geschichte zurückblicken …“ wirklich stehen? Das wird irgendwann wieder gekontert mit „dem ältesten deutschen Rollenspiel.“ Zudem wird der Begriff „(Erfolgs)Geschichte“ nicht einmal erläutert, weswegen ich als Leser getrost darauf verzichten kann. Das erinnert mich an Autowerbung: größer, schneller, neu. Mir aber ist nur wichtig, dass der Wagen fährt. Das Konkurrenzgeplänkel sollen die Firmen unter sich und ohne mich austragen. Im Übrigen erschien der midgardsche „Gildenbrief“ ebenfalls 1985, am 10. Juni …

 

Der „Aventurische Bote“ hat mit der vorliegenden Ausgabe nicht nur sich ein nettes Geschenk gemacht, sondern auch den zahlreichen DSA-Spielern: ein Heft, das durchweg gut geschrieben ist, sehr viele Anregungen enthält und sein Geld ohne jedes Wenn und Aber wert ist. Der „Aventurische Bote“ 100 gehört in jeden DSA-Bücherschrank.

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Aventurischer Bote Nr. 100

Genre: Rollenspiel - DSA

Verlag: FANPRO

Redaktion: Henschel, Mechthild; Kneiphof, Ulrich; Römer, Thomas

Klammerheft – 52 Seiten

Erscheinungsdatum: März/April 2003

Erhältlich bei: FANPRO

weitere Infos:


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Erstellt: 14.07.2005, zuletzt aktualisiert: 26.01.2015 21:58