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Baphomet's Fluch - The Director's Cut (Wii)

Rezension von Björn Backes

 

Rezension:

Eigentlich war „Baphomet’s Fluch“ seiner Zeit, zumindest inhaltlich, voraus, als das Spiel 1996 zum ersten Mal für die PC-Gamerwelt veröffentlicht wurde. Die Geschichte um die Temeplritter, Verschwörungstheorien und die damit verbundenen, allerdings kaum zu durchleuchtenden Kriminalfälle sind zwar aus heutiger Sicht nichts wirklich Besonderes mehr, doch in der Post-„Illuminati“-Ära wird man ja besonders literarisch mit Geschichten um den Heiligen Gral und das Vermächtnis seiner Hüter zugebombt. Dies sah vor anderthalb Dekaden noch ein wenig anders aus, weshalb sich „Baphomet’s Fluch“ auch in seinem Remake für die Wii als stimmungsvollen Event präsentiert. Und noch ein bisserl mehr als das…

 

Inhalt:

Dennoch dürften erfahrene Adventure-Gamer zunächst einmal skeptisch sein, wenn ihnen zu Ohren kommt, dass die Neufassung für die Wii um einige zusätzliche Szenen erweitert wurde und auch die Story dementsprechend angepasst wurde. In der Draufsicht war aber gerade dies ein cleverer Schachzug, da die Hardware zum einen einiges mehr herzugeben hat als anno 1996, andererseits aber auch quantitativ eine Aufstockung vonnöten war, da die Ermittlungen aus dem letzten Jahrzehnt alles in allem doch sehr kurz ausgefallen waren. Also, kurz gefasst: Die Updates sind sinnvoll und sitzen auch.

 

Bereits zu Beginn machen sich die erwähnten Neuerungen sichtbar, da die Story noch einen Punkt früher ansetzt als im Original. In den ersten Szenen schlüpft man in die Rolle der französischen Journalistin Nico Collard, die in ein mysteriöses Mordkomplott verwickelt wird, in den ein hoher Staatsmann ums Leben kommt – und genau der wollte sich kurz zuvor noch aus ungeklärten Gründen mit Nico treffen. Kurze Zeit später trifft die Reporterin den Amerikaner George Stobbart – jenen Protagonisten, mit dem die Geschichte seinerzeit begann. Und schon ist man wieder in vertrauter Umgebung: Ein Cafe fliegt in die Luft, der Brandstifter, ein eigenartiger Clown, stirbt noch am Unfallort, George und Nico entkommen und entschließen sich fortan zur Teamarbeit, um das sich langsam annähernde Puzzle mit vereintem Köpfchen zu knacken. Doch als die Kaffeebombe die Szenerie auseinanderwirbelt, ahnen die beiden noch nicht, dass sie langfristig auf den Spuren der Templer wandern müssen…

 

Das Prickelnde an der Geschichte und den nachfolgenden Sequenzen ist die Tatsache, dass man nie so recht weiß, wohin der Plot steuern wird bzw. welche gewaltigen Offenbarungen Nico und George bei ihren Ermittlungen noch ins Visier nehmen müssen. Die Handlung ist sehr weitläufig und mit einer massiven Tiefe ausgestattet, verstrickt sich hierbei aber nie in Widersprüche, weder inhaltlich, noch in der Harmonie mit dem eigentlichen Gameplay.

Jenes wiederum funktioniert auf Basis der üblichen Point & Click-Schemata, die mit der Wiimote gewohntermaßen ein bisschen lebendiger herüberkommt. Extra für dieses spezielle Handling hat man weitere Rätselaufgaben eingebaut und das Spiel somit auch sehr zielgerichtet aufgewertet – nach und nach entsteht damit der bleibende Eindruck, dass „Baphomet’s Fluch“ für den Nintendo-Ableger alles andere als ein einfaches Remake, geschweige denn ein adaptierter Abklatsch ist.

 

Technik/Grafik:

Was Point & Click bedeutet, muss man wohl keinem Adventure-Liebhaber mehr genauer erklären, die Umsetzung mit Wiimote und Nunchuk allerdings schon. Und hier gilt ähnlich wie bei der „Geheimakte“-Serie und dem ersten Agatha Christie-Abenteuer: Abgesehen von einem sich bald anbahnenden Tennisarm, ist die Steuerung ziemlich präzise und gut. Technisch betrachtet ist „Baphomet’s Fluch“ eh einer der mit Abstand besten Wii-Titel. Das Cel-Shading wurde selten so gut importiert wie hier, die Grafik erweist sich als ansatzweise NextGen-konkurrenzfähig, und auch die Animationen sind für dieses spezifische Genre erstaunlich weich und angenehm, so dass sich hier niemals Diskrepanzen ergeben. Einzig die Sprachausgabe ist ein wenig eigenartig, da die Stimmen unserer beiden Hauptdarsteller mit zwei weniger harmonierenden Synchronsprechern versehen wurden. Ansonsten gehen in diesem Bereich beide Daumen hoch!

 

Spielspaß:

“Baphomet’s Fluch“ ist Kriminalhandlung, Verschwörungstheorie, Rätselmission und Action-Adventure auf einem Silberling und gibt sich für einen Beitrag dieses Sektors sehr, sehr vielschichtig. Damit punktet die Wiederbelebung gerade im Bezug auf den dauerhaften Spielreiz, der hier nicht nur durch die Knobel- und Kombinationsaufgaben aufgestockt wird, sondern auch durch die wunderbare, stimmungsvolle Präsentation an Potenzial gewinnt. Die Story ist richtig gut und durch die neuen Möglichkeiten der Grafik-Engine auch packend in Schale geworfen worden, so dass man an manchen Stellen durchaus cineastische Begleiterscheinungen miterlebt. Und während der Rahmen deutliche Akzente setzt, erlebt man an der Seite von Nico und George ein richtig spannendes, sehr abwechslungsreiches und bis zuletzt unberechenbares Adventure, das auf dieser Konsole die Meisterprüfung bestanden hat – und selbst die beiden „Geheimakte“-Games in die Schranken weisen kann. Referenz nennt man das wohl – und genau diese Bezeichnung hat sich dieses aufgepeppelte Remake auch verdient!

 

Fazit:

Das Genre der Point & Click-Adventures ist auf der Wii noch immer erstaunlich schwach, dafür aber beinahe durchweg hochwertig vertreten. Den besten Beitrag steuern nun Ubisoft mit der Neuveröffentlichung des 96er PC-Klassikers „Baphomet’s Fluch“ bei, der alte Werte mit einem modernen Design koppelt und all dies überzeugend präsentiert. Liebhaber derartiger Games sollten sich daher nicht lange bitten lassen, sollten sie eine Wii ihr Eigen nennen!

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Eure Meinung:


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Wii-Spiel:

Baphomet's Fluch - The Director's Cut

Publisher: Ubisoft

USK: 12

 

ASIN: B001PBUN9Q

 

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 10.06.2009, zuletzt aktualisiert: 03.02.2015 05:58