Basement Blues (Sticks & Fingers Bd. 1)
 
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Basement Blues - Sticks & Fingers von Jan Reiser

Rezension von Ralf Steinberg

 

Verlagsinfo:

Underdogs im "Basement Blues"

Die donnernden Trommelstöcke des sympathischen Drummer-Chaoten Sticks und die flinken Flossen des Jung-Gitarristen Fingers geben die Sound-Kulisse zu einer ungewöhnlichen Freundschaft zweier Underdogs, die den Traum von der großen Rock-Karriere träumen.

Ohne Kohle und Know-How in der Großstadt München eine Band auf die Beine zu stellen, zieht kleine und große Katastrophen nach sich. Muffige Hausbesitzer, lärmempfindliche Rentner und Studenten, bissige Hunde, überdrehte Neureiche, arrogante Kunstkritiker, cholerische Chefs, pizzasüchtige Zivis, raubeinige Rocker und eine schöne, mysteriöse Frau spielen eine ebenso wichtige Rolle wie ewige Geldknappheit, wildromantische Tagträume und zwei Paar linke Hände.

 

Aber genau das ist Rock'n Roll!

 

 

Rezension:

Was ist Rock & Roll und überhaupt: Wer ist Slash?

Diese Fragen zu stellen bedeutet wohl unweigerlich, nicht zur primären Zielgruppe von Sticks & Fingers zu gehören.

Jan Reiser zumindest hat keine Schwierigkeiten, sein persönliches Lebensgefühl in seine Figuren und Settings einfließen zu lassen. Dabei kreiert er bis in die unwesentlichsten Nebenfiguren hinein skurrile Typen, zwar sehr nah am Klischee, aber eindeutig und unverwechselbar.

Sei es der smarte Günther oder der dezente Jugendclubleiter, oder die Hansels aus dem Wohnheim, sie alle atmen denselben franko-belgischen Luftzug ein und aus, der das Album bestimmt. Auch in der Ausgestaltung der Hintergründe setzt Jan Reiser auf Details und szenetypische Unordnung. Seine Paneels sind dennoch klar geordnet und mit wenigen Ausnahmen klassisch strukturiert. Mit der Fluppe im Mund erinnert Fingers durchaus an den Vorzeige Anarcho Gaston.

Die Story ist eine Mischung aus biographischen Notizen und Action, wandelt in der Mitte auf den Spuren von Die fabelhaften Baker Boys. Dabei steht die Bandentstehung deutlich im Vordergrund; da ist die Suche nach einem Bassisten, nach dem Probenraum und nach Bo, der Zufallsbekanntschaft aus der Bahn. Ein Manager schiebt sich in die Bahn der Musiker und bis zu ihrem ersten großen Gig kann die Band auch mit Liebeskummer umgehen.

Dieser erste Auftritt wird dann zum großen Finale, der alle Figuren, groß und klein, auf die Bühne bringt und so richtig abrocken lässt.

Der Humor ist stellenweise bieder, einen mumifizierten Altersheimbewohner etwa hat die Welt auch schon zur genüge gesehen.

Was Sex and Drugs anbelangt, bleibt die Geschichte brav, wenn auch nicht schüchtern.

Für Freunde des gehobenen Gitarrenspiels sind die vielen kleinen Reminiszenzen an Saul Hudson, genannt Slash, aber süße Wonnehappen, die die Story schön kuschelig machen.

Und auch das ist Rock'n Roll.

Basement Blues ist die Vorgeschichte zu Reisers Comicstrips um die Rockband “The Burp“, die seit 1996 auf der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung ihr Unwesen treibt. Ebenso konnte man Sticks & Fingers im Münchner Gratis Magazin Comicaze finden.

 

Fazit:

Mit Basement Blues hat Jan Reiser eine fröhliche Vorstellung von Sticks & Fingers geschaffen und sich im Albenformat goldene Sporen verdient. Allein die etwas orthodoxe Handlung bringt Abzüge in der B-Note.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202402212332577e338752
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Comic:

Basement Blues

Sticks & Fingers Bd. 1

Autor und Zeichner: Jan Reiser

Ehapa Comic Collection, 2006

Softcover, 48 Seiten

ISBN: 3770429265

Erhältlich bei Amazon


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Erstellt: 06.09.2006, zuletzt aktualisiert: 31.12.2023 11:30, 2721