Batman (Klassiker der Comicliteratur Bd. 7)
 
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Batman

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 7

Rezension von Christian Endres

 

Der dunkle Ritter aus Gotham City hat schon immer einen großen, wenn nicht sogar entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Comichelden gehabt: Bereits recht früh hat man ihn und seine Abenteuer durch andere Medien – vor allem natürlich Fernsehen und Kino – in für die jeweilige Zeit durchaus ansprechender Form Menschen zugänglich gemacht, die sonst eher wenig mit Comics am Hut hatten. Doch auch ohne diese Vermarktungen ist Batman ein mehr als interessanter Comiccharakter, dessen Anspruch auf Erscheinen in der Klassiker-Bibliothek der FAZ sich nahezu von selbst erklärt.

 

Bill Finger (gemeinsam mit Bob Kane Schöpfer der Figur), Jeph Loeb (Autor des Bat-Meilensteins The Long Halloween), Frank Miller (mit The Dark Knight Returns und Year One zum unvergesslichen Reanimator Batmans geworden), Alan Moore (muss ich zu ihm überhaupt etwas sagen?) – das alles sind illustere Namen aus der Welt der Comic-Helden und -Schurken, die alle auf ihre Art Großes für die Welt der bunten Heftchen geleistet haben. Von all diesen Autoren wurden für den siebten Band der Klassiker der Comicliteratur eine oder mehrere Stories ausgewählt, die über sechzig Jahre von Batmans Erfolgstory vermitteln sollen und gemeinsam mit dem Artwork der Künstler für ihre (Comic-)Epoche und eine ganz bestimme Episode in Bruce Waynes abenteuerlichen Leben als Detektiv und Verbrecherjäger stehen. Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Geschichten:

 

Batman – Der Fall des Chemie-Syndikats

Batman – Die Legende von Batman

Batman – Batman mit Robin, dem Wunderknaben

Batman – Robin stirbt bei Morgengrauen

Batman – Bruce Wayne, ruhe in Frieden

Batman – Die Lazarus-Gabe

Batman – Der Dämon lebt!

Batman – Hush (Prolog)

Batman – The Killing Joke

Batman – Das erste Jahr

Batman – Schwarz und Weiß

 

Aus heutiger Sicht sind die ersten vierzig Seiten schon nicht mehr einfach nur angestaubt, sondern im Prinzip schon gänzlich überholt, um nicht zu sagen rückfällig und peinlich. Sie ringen einem beim Lesen nur noch ein Schmunzeln, manchmal sogar ein breites, fast schadenfrohes Grinsen ab. Um so schöner, dass man sie trotzdem in den Band aufgenommen hat, denn sie sind nun mal Batmans Ursprünge und der Grundstein seines Erfolges, der trotz aller Überholtheit einfach dazu gehört. Das liest sich zwar aus heutiger Sicht weder schön, noch spannend, doch vermittelt es – wie schon andere Bände dieser Reihe – wieder einmal perfekt das Gespür dafür, wie sich das Medium der Comics in den Jahren verändert und stetig weiter entwickelt hat.

 

Die den alten Stories von Finger/Kane folgenden drei Geschichten über den Kampf zwischen Batman und Ra’s Al Gul sind trotz des auch aus heutiger Sicht noch genialen Neal-Adams-Artworks sicherlich der Schwachpunkt des Bandes – nicht zuletzt wegen ihrer Neucolorierung. Diese nimmt den Stories, die immerhin auch schon dreißig Jahre auf dem Buckel haben, ihren Vergangenheits-Bonus und vermittelt optisch ein modernes Comicerlebnis, doch zeigen die stellenweise recht vorhersehbare Handlung und die etwas naiven Dialoge ganz klar, dass man den Schritt ins moderne Zeitalter der Comics noch nicht getan hat, auch wenn man dies optisch vielleicht suggerieren möchte.

 

Der Prolog zu Hush – einem der letzten großen Bat-Ereignisse der vergangenen Jahre – wirkt ein wenig unglücklich, da er auch von der Positionierung her nicht wirklich sinnig angebracht ist und so noch deutlicher als die letzte Kurzgeschichte im Band – Batman Schwarz und Weiß – als Füller erscheint.

 

Zwischen den beiden Geschichten gibt es dafür zwei Goldschätze aus Bruce Waynes abenteuerlichem Leben: The Killing Joke von Kultautor Alan Moore und Das erste Jahr von Frank Miller. Da vor nicht ganz einem halben Jahr Batman Begins mit recht beachtlichem großen Erfolg im Kino lief, kann ich die Entscheidung der Redakteure, die Comic-Vorlage zum Film von Frank Miller aus den 90ern trotz ihrer Länge abzudrucken, nachvollziehen, und Moores Story über die eigenartige Beziehung zwischen Batman und dem Joker, beide gescheiterte Persönlichkeiten im Leben, ist sowieso Pflicht und für mich das Herzstück dieses qualitativ sehr unterschiedlichen Bandes.

 

Im vorliegenden Band der von der Feuilleton-Redaktion der FAZ betreuten Reihe ist das Vorwort endlich wieder etwas weniger wortgewaltig. Dietmar Dath zeigt Batmans Charakter und Motivation schön auf und verdeutlicht, dass die Fledermaus aus Gotham der womöglich zerrissenste und ambivalenteste aller Helden ist, den es bis zum heutigen Tag im Comic-Business gibt. Dass das Vorwort typographisch gesehen grausig gesetzt ist und man die Schrift gehörig in die Mangel genommen hat, tut da nichts zur Sache und dem Inhalt auch keinen Abbruch. Auch die Papierqualität ändert sich kurz vor der Halbzeit der Reihe immer noch nicht, und nach wie vor wellt es sich schon nach dem Abreißen der Schutzfolie fröhlich wie nach einer Stunde in der Badewanne. Ich wage langsam doch zu bezweifeln, dass man das noch einmal ändern wird ... Die Verkleinerung der Seiten – größere Heftseiten im Original – in das Taschenbuchformat bewegt sich wie schon bei Superman und den Fantastischen Vier hart an der Grenze zur Unleserlichkeit, und vor allem bei Millers Das erste Jahr und der dort verwendeten Schreibschrift wird das Lesen ein abenteuerliches Unterfangen. Die Zeichnungen verlieren ebenfalls ein wenig, und wer sich an die überformatigen Hethke-Alben mit Batman früherer Tage erinnert, der wird mit dem vorliegenden Taschenbuch vielleicht nicht ganz so glücklich werden. Auch hat man sich leider nicht des in dieser Hinsicht äußert gelungenen vierten Bandes der Klassiker-Bibliothek (Fantastischen Vier) besonnen und diesmal wieder auf eine Cover-Bibliothek zu Beginn verzichtet, was ziemlich schade ist. Dafür stimmt das Design des Bandes aber wieder, und die Eingliederung in die Reihe, die bereits jetzt schon im Regal einiges her und einen äußerst schlichten, edlen und stilvollen Eindruck mit Buchcharakter macht, ist definitiv gelungen und schön anzusehen.

 

Fazit: Der siebte Band der Klassiker der Comictliteratur zeigt, wie sich eine Figur im Laufe der Jahre deutlich zum positiven verändert – optisch, storytechnisch, und dadurch natürlich qualitativ. Batman ist aber auch ein Band, der ein paar Schwächen hat und von der Auswahl der Geschichten her für den ungeübten Bat-Leser womöglich nicht ganz so geeignet oder befriedigend ist, mit Moores The Killing Joke und Millers Batman: Das Erste Jahr aber sein Eintrittsgeld und den Besuch auf dem düsteren Rummelplatz Gotham City, dessen Hauptattraktion nach wie vor der superreiche Held ohne Superkräfte ist, allemal wert ist ...

 

Zwei herausragende Geschichten, eine amüsante Reise in die (Bat-)Vergangenheit und ein gelungenes Vorwort auf der einen und Unlänglichkeiten von Papier und Format auf der anderen Seiten machen aus Batman lediglich einen soliden Band über DCs zerrissenen Helden im Fledermauskostüm, der ein wenig hinter den anderen bisherigen Supervertretern in der Klassiker-Bibliothek zurück bleibt und nicht gegen Kumpel Superman oder die Fantastischen Vier von der Marvel-Konkurrenz ankommt.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202404241151151c47a169
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Comic:

Batman

Reihe: Klassiker der Comicliteratur Bd. 7

Autor: Bob Kane u. a.

Verlag: Frankfurter Allgemeine Zeitung

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

ISBN-Code: 3899810880

Anzahl Seiten: 256

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 23.10.2005, zuletzt aktualisiert: 18.02.2021 18:53, 1433