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Biose

Autor: Ralf Steinberg

 

Das Universum ringt mit der Leere. Jedes Ausdehnen von Materie ist auch ein Rückzug, jede Eroberung ein Neubeginn. Ab und zu füllt sich Vakuum mit Leben und vergeht dabei. Manchmal erwidert das Lebendige den Blick der lauernden Unendlichkeit, das Nichts findet einen Betrachter, jemand nimmt Kenntnis.

Energie trifft auf Masse. Ein Lichtstrahl streift über einen Körper. Metall erwärmt sich, bis Atome zurück in den Takt einer Melodie fallen, die Äonen lang kühl durch das Weltall zog.

Licht wandert, gleitet in ein Loch aus Glas, bricht, nimmt neue Wege und entdeckt den schlafenden Leib. Blitzt auf in dunklen Pupillen, um zu erlöschen, wenn Augen sich schließen.

 

 

Der Mann

 

Er wird aufstehen, will das Bett verlassen und hinausschauen, mit den Augen die Sterne besuchen.

Seine Füße müssten sich bewegen. Vielleicht sind seine Füße nicht mehr da. Oder seine Arme.

Möglicherweise stirbt er.

Nein, es ist zu warm. Die Bettdecke kann ihn nicht umkommen lassen. Sie trinkt seinen Schweiß und wärmt ihn. Sie gehört zum Schiff, wie die Auslegware und die Gegenstände in den Regalen, wie alles, außer ihm, dem Piloten.

Wahrscheinlich infiziert er das sorgende Lebewesen, sein Schiff, verrät es.

Doch er muss aufstehen und das Universum sehen.

 

Nachher vielleicht.

 

 

Tänzer

 

Das seltsame Gebilde leuchtet und flackert. Zunächst flog es direkt in die Nähe eines kleinen Sternes, beginnt aber nun in meine Richtung zu treiben. Hat es mich entdeckt, nimmt es mich in der kalten Leere wahr?

Bist du es etwa? Endlich? Kann es sein, dass du gekommen bist?

Du!

Ja, du! Du bist so viel größer als ich. Dein Körper besteht aus geschmolzener Materie, die in der Kälte erstarrte, so wie auch meine Haut. Nur solche schmalen Lichter besitze ich nicht. Wie kleine Splitter eines Sterns funkelt das Licht aus dir heraus. Mein Leib ist dunkel.

Einmal habe ich mein Äußeres erblickt, als Reflexionen auf der Oberfläche eines Ozeans: Eine schwarze Ellipse schaukelte durch blinkende Wellen. Nur die Helle eines nahen Sternes gab mir Konturen.

Doch was siehst du hier in der Dunkelheit, fernab der Sonnen?

Überfliegst du mich mit beiläufigem Interesse oder hörst du überrascht mein Rufen?

Freude quillt in mir, so lange suche ich schon, bin ich auf der Reise durch die Leere voller Erstaunen über ihre Wunder.

Doch es blieb alles Vakuum. Einsam stahl ich ihm für kurze Momente die Existenz. Doch hinter mir wurde das Nichts wieder wahr. Nirgendwo bleibt etwas von mir zurück, die Leere zu füllen.

 

Ich muss dir gefallen, dich aufhalten, dich dazu bewegen, mit mir zu reden! Wie kann es beginnen?

Werde ich dich verstehen? Können wir uns berühren? Kann ich dich hören?

Was wirst du mir erzählen, Fremder? Was?

Bist du wie ich bin ein kleines Korn Materie, das frei, voll ewiger Bewegung, durch die Weite springt?

Kannst du tanzen? Mit mir?

 

 

Der Mann

 

Ich fühle mich so müde. Aber das ist nur mein Körper. Wann bekam er die letzte Nahrung?

In der Kombüse werde ich essen und trinken. Doch meine Energie scheint sich im Kopf zu sammeln. Dieser Druck des Denkens. Mein Verstand ist wach wie nie zuvor in meinem Leben. Als sei meine Existenz nicht länger von Knochen und Fleisch abhängig, als gäbe es mehr in mir, das körperlos in diesem Schiff lebt. Immer klarer erkenne ich die Bedeutungslosigkeit der starren Grenzen. Selbst das Glas, das mir den Blick hinaus gestattet und mein Dasein vom Tod trennt, wird dünner, bald benötige ich es nicht mehr, bald treibe ich frei durchs All und sehe dort mein einsames Gefährt.

Wir sind allein mit der auskühlenden Liebe des Universums.

 

 

Lazarett

 

Das Netzwerk stand. Knoten liefen in redundanten Systemen, Zusatzelemente waren bereitgestellt worden. Der Klinikdienst arbeitete routiniert.

<Das Team besteht aus zwei ADs, einem Z2 und drei Springern. Professor Veilt wird die Operation als AD Ops leiten.>

Das Zentralsystem schaltete die Beteiligten online. Im versteckten Modus erschienen Sicherheitsinformationen, gelesen von zertifizierten Stellen. Abhängig vom verwendeten Zugangsterminal sahen die Operatoren eine detaillierte Hologrammübertragung.

 

 

Tänzer

 

Verfügst du über Augen, den Rausch zu sehen, der das Meer erfüllt? Kannst du der Schwerelosigkeit widerstehen, wie sie zum Tanz einlädt, ohne auch nur einmal vor Freude zu zerfließen, um dich in einer fernen, fremden Gegend atemlos wiederzufinden, erschöpft, aber trunken vor Begeisterung?

 

So lebe ich.

 

Mit wenigen Zügen gleite ich durch den Raum, der einst leer und kalt erschien. Doch Dunkelheit ist kein Mangel an Licht. Früher konnte ich nicht sehen, nicht fliegen, nicht begreifen.

Einstmals weinte ich.

Mein Körper strahlt im Glanz der Sonnen, die ich besuche. Mit jeder neuen Bekanntschaft werde ich schöner, ich wachse und reife, während meine Sinne weiter reichen, sie eilen dem Licht hinterher und auch voraus.

In all der Größe finde ich keine Grenzen und unbändige Lust durchdringt mich, schneller, immer aufs Neue jage ich umher. Ich bin so wenig, doch reicht mein Herz, das ganze Universum aufzufangen, noch spüre ich Leere da und Freude über jedes kleine Körnchen Staub auf meiner Reise.

Fort und weiter!

Bleibst du zurück? Verpasst du dort die Explosion der Sterne? Badest du allein in jenem Plasmasturm und traust dich nicht, den heißen Dunst zu kosten, den der Nebel hier gebiert?

 

 

Lazarett

 

Sprache wurde umgewandelt. Symbole bildeten Ketten aus Wörtern, die sich durch die Matrix des Hologramms bewegten.

Das Deck des Suchschiffs prangte in kompletter Sterilisation.

»Der Explorer befindet sich immer noch unter der Wirkung des Betäubungsgeschosses. Anästhesie jetzt!«

Mehrere Maschinenkonstrukte nahmen ihre Tätigkeit auf. Im Hologramm begannen Datenanzeigen ihre Arbeit. Während der Explorer, das lebende Raumschiff, mit Kabeln und Schläuchen beklebt wurde, warteten alle auf das Zeichen des Anästhesisten.

»Zustand stabil. Deltaphase.«

»Gut. Fangen wir an mit der Extraktion. Der Pilot befindet sich im linken Zentralsektor.«

Ein pulsierender menschlicher Körper erschien im Hologramm. Mehrere Markierungen umgaben ihn mit den verschiedensten Anzeigen und Beschriftungen.

 

 

Der Mann

 

Wenn meine Augen die Lichtpunkte einfangen, die der Bildschirm von den Außenkameras zu mir durchdringen lässt, verschwindet das stetige Atmen des Schiffes in den Hintergrund. Lebensbewahrende Töne, das Saugen stickiger Luft, verliert sich im Gurgeln der Leitungen und dem unerklärbaren Knacken und Schmatzen der Biokomponenten in den Wänden.

Das All ist keine bezaubernde Schönheit, der man aus dem Augenwinkel nachstarrt, immer fürchtend, wegen seiner Unverschämtheit zurechtgewiesen zu werden.

Das All antwortet nicht. Niemals.

Dem kalten Schwarz bist du egal. Nimm deine Augen nicht fort. Ob Monitor oder Sichtglas, dein Blick ist keinem aufdringlich, niemand erblüht unter deiner Bewunderung. Hinter dem dunklen Körper des Universums versteckt sich kein scheues Flirten. Die Begierde ist in dir. Willst du mit deinen Affensinnen sehen können?

Immer nur ein winziges Stück, ein flaches Abbild, ein geschöntes Vermählungsgemälde, dem du dennoch nicht entkommst.

 

Meine Hände nehme ich nur zögernd von der Bildfläche. Es ist wie ein Streicheln. Es steht mir zu, die warme Fläche zu berühren, irgendwann durfte ich es. Mit der Zeit verliert man nicht den Verstand; der Verstand verliert dich. Übrig bleibt ein kleiner nackter Mann. Allein mit dem Universum, der eisigen Geliebten.

 

 

Lazarett

 

»Die Körperfunktionen sind kaum separierbar. Kreislauf?«

Ein wirres Netz aus Flüssigkeitsanzeigen wurde eingeblendet.

»Ich sehe nur einen Kreislauf!«

»Ja, ich auch.«

»Kann jemand einen Separationsvektor ausmachen?«

Verschiedene Scanfiguren wanderten durch das Bild.

»Das sieht wie ein einziges Lebewesen aus!«

Ein roter Balken brach sich quer über das Bild.

<Der Pilot ist zu retten! Das Schiff besitzt keine Bedeutung!> stand auf dem Textfeld.

»System, wer bricht in meinen OP ein?«

<Veilt, hier ist Rottmann, Zentrale Ethikkommission, die Resektion ist durchzuführen, das ist eine dienstliche Anweisung!>

Mehrere Kurzzertifikate rollten durch das Bild. Selbst die grellen Icons der Sicherheitsdienste blinkten auf.

 

 

Tänzer

 

Kannst Du mich verstehen?

Mir fehlen so viele Worte.

Aber ich lerne!

Eine Schleife aus Meteoren fand ich um ein System gebunden. Ich flog eine Pirouette um diese Trümmerstücke, in immer engeren Bahnen, Erregung erfasste mich, fast streifte ich die schnellen Geschosse. Es war ein Spiel mit meiner Existenz!

Doch plötzlich fanden sich Erklärungen, Namen und Bezeichnungen.

Woher kommen nur die Begriffe? Es sind noch nicht alle, können nicht alle sein!

Mein Denken erkundet das Weltall, dieses unendliche, kaum zu begreifende etwas, dabei sind meine Grenzen nur Namen.

Ich lebe von den Entdeckungen. Sie benennen sich und reichen mir mehr, sie lassen mich weiterdenken, ferner als es mir bisher möglich war, weiter, als ich weiß.

Wissen entsteht im Erkennen. Und es sind Worte, die die Begriffe definieren, ihnen einen Platz geben.

Das All nährt mich.

Und vielleicht ist mein Dasein nur ein ewiges Zurückgeben von Versprechen.

Eine Gabe, vergleichbar mir dir.

 

 

Lazarett

 

»Raus aus meinem OP!«

Das Licht des Hologramms verblasste, als der Message-Balken verschwand.

»System, Protokoll- und Logfiles im Lifemodus, ich will das Papier aus meinem Printer kommen sehen!«

»Wir können das Schiff trotzdem retten. Die neu gewachsenen Strukturen besitzen keine Primärfunktionen.«

»Ach, ja?«

Ein Teil des Raumschiffs wurde leuchtend gelb in der Darstellung.

»Das ist ein komplettes Gehirn!«

»Aber es hat die primären Steuerbereiche nicht übernommen, die energetische Aktivität ist autark.«

»Nein, AD Ops hat Recht, das Nervensystem ist dezentral neu organisiert.«

Ein weiteres Netz erstrahlte. Es gab zwei Ausgangspunkte, Mensch und das seltsame, neue Gehirn. An mehreren Stellen der Oberfläche verdichtete sich das Netz zu starken Knoten.

 

 

Der Mann

 

Meine Geburtshöhle ist ein lebendes Raumschiff. Als ich die Lichter nach Wochen der Helle verdunkelte, wurde es warm hier. Mit kleinen Schritten verließ die Sterilität das Konstrukt, mit jeder Distanzierung vom antrainierten Ablauf kehrte ich mehr und mehr wahrhaft zu Hause ein.

Unter den Decken, die ich auf die bleichen Kanten der Möbel warf, schlägt die Technik ihren ehernen Lebenstakt, wie ein Puls. Es ist nicht wichtig, wie lang oder schnell, nur dass er dröhnt. Legt das Schiff sich zur Ruhe, muss ich das auch. Mich erwartet der Tod, wenn die letzten Grenzen zwischen mir und dem All endlich fallen. Doch ist das nicht gleich? Ob ein plötzliches Platzen von Blutgefäßen in meinem Innern mich tötet, oder der Weltraum, meine stille Braut, einen Meteoriten durch mein Herz rasen lässt, so komme ich doch zu einem Ende. Ohne Zeugen ist es kein Fünkchen mehr als ein theoretisches Gedankengebilde, eine Möglichkeit, fern jeden Beweises.

Die besten Wünsche gab man mir mit auf meine Reise, steckte mich in ein elegantes Gefährt. Mit mir schoss man Tausende hinaus, immer voraus, der Nase nach, Leben oder irgendetwas zu suchen.

Das kleine Ei, mein Schiff, fliegt und weit zurück bleiben die Menschen. Das Sein besteht nur aus mir.

Drei Kabinen zum Wohnen, drei zum Bestehen und drei, um ins All hinauszuhorchen. Ein Zeichen fremder Natur nur und die Träume unserer Forscher erfüllen sich endlich.

Doch meine kühle Liebste ist verlassen, das Wunder Leben ist nur ein Zufall, eine Unregelmäßigkeit im bezaubernden Antlitz meiner Schönen. Du schwarze, funkelnde Leere, du bist einzig. Vermessen, dich mit der wachsenden, wuchernden Unfähigkeit anzureichern.

Und dir schenke ich meine plötzlichen Tränen. Freude und Verlassen, wie Schmerzen füllt es mich auf.

 

 

Lazarett

 

»Die Nervenenden sind mit Organen in der Außenhaut verbunden. Hier kann keine Restauration erfolgen. Es sind jetzt schon Schockanzeichen zu beobachten. Im mittleren Bereich vermute ich eine starke Unterversorgung.«

Hektisch blinkende Rotlichter markierten Teile im Zentrumsbereich des Hologramms.

<Schneiden Sie den Piloten endlich heraus! Das Schiff ist nur ein Parasit!> Der rote Balken schob sich erneut quer durch die dreidimensionale Abbildung der Operation.

»Das halte ich für unmöglich. Der Mensch existiert nicht mehr, das ist ein neues Geschöpf!«

 

 

Tänzer

 

Du bist da. Ich habe dein Versteck noch nicht gefunden, aber es kann nicht unendlich weit entfernt sein. Doch bevor ich dich fand, kamst du zu mir. Meine Gedanken haben dich erreicht und so muss ich meinen Körper zwingen, ihnen zu folgen. Ich habe mancherlei Wanderer getroffen, aber sie waren nur starre Objekte oder Wolken. Es gibt keine Einmaligkeit und so bin auch nicht einzigartig. Ich werde dich erfahren.

 

So oft frage ich mich, wie ich entstand, warum ich anders bin.

Zuerst dachte ich, die Sonnen seien zu groß, wollten einfach nur durch die Leere rasen, auf einer unbekannten Reise und ich wäre nur noch nicht dahinter gekommen, wohin ich soll.

 

Aber es gibt kein Ziel. Sterne entstehen und vergehen, doch passiert es ihnen einfach.

Ich aber will tanzen!

Und dann drehe ich mich durch den Schweif strahlender Pilger, bade in Partikeln brodelnder Energie und ich baumle im Licht.

Du bist wie ich!

 

 

Lazarett

 

»Sein Gehirnwellenmuster ist durchaus noch messbar, es entspricht den Vergleichswerten.«

»Team, ich gebe die OP zurück. Protokoll! Weigerung aus ethischen Gründen. Der Tod eines intelligenten Lebewesens ist nicht zu verantworten.«

»Z2 weigert sich ebenfalls, eine Resektion ist Mord.«

 

 

Tänzer

 

Vielleicht.

Dabei ist es wenig-schwer. Möglichkeiten …

Leichtigkeit. Wird Bedeutendes massiv, wenn ich warte, oder wenn ich teilnehme?

Ist das Leben, ein Teil zu sein, unwiederholbar, einzig und doch so begrenzt wie die Bahn eines Planeten? Ein Kreisen um eine Frage, um ein Gefühl?

 

 

Lazarett

 

»AD 2 führt OP weiter, Springer 2 übernimmt Z2.«

»Mensch, Ridwick, das ist eine einzigartige Kreatur, sie werden sie zerstören!«

»Raus aus meinem OP!«

Die Verbindung von zwei Terminals brach ab.

 

 

Tänzer

 

Du näherst Dich. Deine hin und her springenden Lichter reißen mich in ihrem Rhythmus mit, lassen mich seltsam schneller denken, fühlen, fortbestehen. Es wird keine Einsamkeit mehr geben.

Wir sind nicht nur Tänzer, erschaffen. Wir leben!

Dein Atem erfasst mich. Welch erstaunliche Regung, du nimmst mir den Blick. Du verschwimmst, du wirst dunkel, ich …

 

 

Lazarett

 

Der Bohrkopf verursachte kein Geräusch im luftleeren Raum des Hangars. Die Vibrationen pflanzten sich kaum merklich allein in den Schichten der Außenhaut fort. Ein Kranz mit Druckpressen dichtete das entstehende Loch ab. Als der Bohrer ins Innere vorstieß, strömte keine Luft heraus. Die Drehbewegung der Sonde erstarb, die Bohrmesser rutschten zur Seite und gaben eine Öffnung in ihrer Mitte frei. Ein Metalldraht wand sich aus ihr hervor, eine Kanüle bildete das Ende des Werkzeugs. Sie fand eine unbedeckte Stelle und glitt mühelos in das Gewebe der Hand. Sporen schossen mit großer Geschwindigkeit durch den Kanal der Sonde in den Kreislauf des Schläfers. Verkapselungen brachen, Membranen und winzige Härrchen sorgten für Bewegung. Flüssigkeiten trugen Pilze und Bakterien in Adern davon. Poren füllten sich mit Tropfen klaren Antibiotikums und Talg sammelte sich in den oberen Hautschichten. Überall wo die Haut Kontakt zu fremdem, lebendem Gewebe besaß, befielen die Mikroorganismen Zelle um Zelle, teilten sich, wuchsen, fraßen …

 

 

Tänzer

 

Schlaf schöne, schwarze Geliebte.

Ein Traum voll berstender Sterne, deren Licht die Dunkelheit verletzt, das Narben von Teilchenschauern in die Leere schlägt. Kälte tauscht mit Wärme. Die Bewegung! Wohin fliege ich? Fliege ich?

Ich?

Finde ich dich?

All das Schweigen.

 

 

Lazarett

 

Die Reinigung stellte keine Anforderung an die Besatzung des Suchschiffes. Zuerst öffnete man die Hangartore, dann erlosch die Versiegelung.

Der aufgerissene Körper des Explorers, des einst lebenden Schiffes, wurde in die Kälte gesaugt. Bis auf wenige Zellen leerte sich der große Raum.

Und auch diese entkamen der Reinigung nicht. Als der treibende Kadaver für immer im Bauch des Alls verschwunden war, spritzte ätzender Schaum aus den Düsen der Wände und Decken, nur Leblosigkeit hinterlassend.

Was man gerettet hatte, lag fest an die Maschinen gekettet im keimfreien Raum des Lazaretts.

»Extraktion nach Resektion erfolgreich abgeschlossen! Zustand schwach, aber er stabilisiert sich.«

<Was ist mit dem Schiff?>

»Nur noch Biomüll, der Kapitän hat es über Bord geworfen.«

<Danke, Ridwick, Protokoll an uns. Ende.>

 

Der Klinikdienst transferierte die angeforderten Elemente an die nachfolgenden Projekte, Informationen endeten in Datenbanken, Nachrichten erreichten ihre Ablagefächer; bis Ruhe auf den Kanälen herrschte. Jemand leerte das Ausgabefach eines Printers, ein Shredder wurde gefüttert, der Abfall entsorgt.

 

 

Der Mann

 

Er hatte eine leere Bank gefunden. Es schien noch zu früh für andere Spaziergänger zu sein. Steif und aufrecht saß er da. Man konnte von dieser Bank aus kaum die Häuser sehen. Die Stadt versteckte sich hinter Bäumen, ihr fernes Brummen drang trotzdem an ihn heran. Er lauschte. Sirenen übertönten hin und wieder den Brei der Geräusche. Erstaunlicherweise beruhigte es ihn.

In seiner Nähe regte sich ein Tier. Das Rascheln kam hastig und hielt abrupt inne. Vielleicht ein Vogel, dachte er.

Die Bank drückte auf die Narben unter der Kleidung, aber er behielt seinen Leib in der unbequemen Haltung. Sein Blick haftete auf der Uhr an seinem Handgelenk.

Eine perfekte Symbiose. Der kleine Körper lebte nicht. Dennoch nährten ihn Schweiß und Hautpartikel, ließ die Körperwärme das Uhrwerk schlagen. Im Glas der Anzeige spiegelte sich der Himmel. Eine Wolke zog eilig über die spiegelnde Fläche, verdeckte die Zeit. Er sah auf.

Sie zog weiter.

Da fliegst du, Wasserdampf, und kannst den Weltraum nie erreichen …

Kannst nicht mit den Sternen tanzen.

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Die Charaktere dieser Geschichte, sowie alle Handlungen sind geistiges Eigentum des Autors. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen, Orten oder Handlungen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Der Autor verfolgt kein kommerzielles Interesse an der Veröffentlichung dieser Geschichte.

Freigabe zur Weiterveröffentlichung besteht, soweit vom Autor nicht anders angegeben nur für "FantasyGuide.de". Für alle weiteren Veröffentlichungen ist die schriftliche Zusage des Autors erforderlich.

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Erstellt: 05.12.2013, zuletzt aktualisiert: 28.12.2018 09:08