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Blackmail von Greg Iles

Rezension von Eileen Weinreich

 

Inhalt

Die kleine Stadt Natchez in Mississippi ist eigentlich ein ruhiger und beschaulicher Ort. Als eines Tages jedoch Angler die Leiche der jungen und allseits beliebten Kate Townsend am Ufer eines Flusses finden, breitet sich eine regelrechte Ohnmacht aus.

 

Bald nach dem Fund der Leiche findet der ehemalige Staatsanwalt Penn Cage heraus, dass sein bester Freund Drew Elliott ein Verhältnis mit der minderjährigen Schülerin Kate hatte. Auch war Drew es, der die Leiche des Mädchens wirklich gefunden hat. Penn findet sich bald in einem höchst delikaten Dilemma wieder. Denn er soll Drew verteidigen, da dieser ist nun wegen Verführung Minderjähriger angeklagt ist, gleichzeitig aber auch herausfinden, wer Kates getötet hat. Denn es deutet alles auf ihren älteren Liebhaber hin.

 

Penn findet sich sehr bald schon in einem Sumpf auf Sex, Drogen und Rassenhass wieder. Dabei deckt er Wahrheiten auf, die lieber nie ans Licht gekommen wären.

 

Kritik

Schon beim Lesen der Inhaltsangabe auf dem Buchrücken wird klar, dass der geneigte Thrillerfan es bei „Blackmail“ mit einem Roman zutun hat, der das typische Bild der amerikanischen Südstaaten unterstützt, das in wohl in viele Köpfen als Tatsache existiert. So mag das hier dargelegte Szenario den Leser vielleicht an Filme wie „Die Jury“ erinnern. Nur dass die Geschichte in Iles’ Roman deutlich komplexer aufgebaut ist. „Blackmail“ beginnt zunächst wie ein vergleichsweise harmloser und solider Thriller. Schnell wird dem Leser, der das Buch aufgrund seiner subtilen Spannung nicht mehr weglegen kann, klar, dass die Geschehnisse rund um den Mord an einer weißen Musterschülerin, nur der Auslöser für deutlich tiefer liegende Probleme in der trügerischen Idylle Nachtchez ist. So tangieren die Ermittlungen Penn Cages auch bald einen ganzen Politkapparat und ein geschickt gestricktes Drogennetz. Greg Iles lässt den Leser von einer Katastrophe in die nächste stürzen, sodass er eigentlich kaum Zeit hat zum Luft holen. Die ganze Geschichte entwickelt nach und nach und dabei vollkommen unmerklich einen Sog, dem man sich nicht zu entziehen vermag. Ein wichtiger Fakt in dieser Hinsicht ist dabei auch, dass man absolut keine Ahnung hat, wie die Geschichte nun aufgelöst wird. Jeder könnte am Tod der Schülerin schuld sein und jeder würde auf irgendeine erdenkliche Art und Weise Nutzen daraus ziehen. Iles zeichnet in gewisser Weise ein erschreckendes Bild der Südstaaten, die sonst so einladend wirken mögen.

Dabei lässt der Autor es sich nicht nehmen, Analyseversuche seinerseits einzubauen, die einen als Leser durchaus ebenso wie die Protagonisten dazu animieren, über gesellschaftliche Grundsätze und Normen nachzudenken. Einige dieser Analysen und Interpretationen veranlassen einen tatsächlich einmal zum innehalten und reflektieren. So einen Effekt findet man selten in einem solchen Genre.

 

Abgesehen von der Tatsache, dass in dieser Geschichte nichts durch Zufall geschieht, sondern alles einem penibel durchdachten Plan des Autors unterliegt, was bewirkt, dass kein noch so kleiner Zufall unrealistisch wirkt, wird der Eindruck der Authentizität auch noch durch einen anderen Faktor hervorgerufen. Nämlich des es Ich – Erzählers. Aber es bleibt nicht nur bei diesem besonderen Stilmittel des Autors. Greg Iles lässt seinen Protagonisten Penn Cage auch noch im Präsens erzählen. Dies hat zur Folge, dass man sich als Leser direkt ins Geschehen hinein versetzt fühlt. Man hat den Eindruck, man sei bei den überraschenden und gefährlichen Schießereien genauso dabei, wie bei den leicht erotisch anmutenden Szenen, in denen Penns Kindermädchen Mia sich an ihn heranmacht. So wird man vom Voyeur durchaus zum Mittäter und Mitwisser.

 

Der Charaktere in „Blackmail“ gibt es nicht grade wenige.

Am wichtigsten zu erwähnen aber wären wohl zwei. Zum einen der ehemalige Staatsanwalt Penn Cage, der inzwischen Buchautor ist. Er hat eine kleine Tochter, mit der er seit dem Krebstod seiner Frau allein lebt. Penn ist ein aufrechter Bürger, wie man ihn aus unrealistischen Fernsehserien kennen mag. Dennoch hat er seine Ecken und Kanten, welche ihn dann allerdings wieder zu einer Figur werden lassen, die man sich vorstellen kann, die lebendig wird. Penn erkennt mehr und mehr während seiner Recherche im Mordfall Kate Townsend die Abgründe der jugendlichen Musterschüler in Natchez. Aber auch über seinen langjährigen besten Freund Drew Elliott muss er so einiges erfahren. Dennoch bleibt er loyal und tut alles, um ihn vor der Todesspritze zu retten. Dabei geht er mit einer atemberaubenden Raffinesse vor, die einen tatsächlich beeindruckt.

Die zweite zweifellos wichtige Hauptfigur ist die des angeklagten Drew Elliott. Er ist ein angesehener Arzt in Natchez und hat über mehrere Monate hinweg eine enge Beziehung zur minderjährigen Kate Townsend gehabt. Er ist wohl einer der wenigen, der es schafft, dem diesem Thema skeptisch gegenüberstehenden Leser begreiflich zu machen, was ihn zu einer Affäre mit einem Mädchen veranlasst hat, die seine Tochter hätte sein können. Man glaubt es ihm ganz einfach und so wird auch er zu einer vorstellbaren Figur, mit der man mitfiebert und –fühlt.

 

Alles in allem handelt es sich bei „Blackmail“ von Greg Iles um einen sehr soliden Thriller, der mit mehr aufwarten kann, als mit dem standardmäßigen Serienkiller, der von einem seelisch vollkommen degenerierten Cop gejagt wird. Die Verstrickungen, die sich nach und nach aufdecken, sind viel weit reichender als man es noch zu Anfang des Buches glauben würde. So hält der Autor eine konstante Spannung aufrecht, die nie abebbt und nie durch unnütze Längen unterbrochen wird. Jeder Thrillerfan wird also an „Blackmail“ seinen kurzweiligen Lesespaß haben, der zudem auch noch einige ernst zu nehmende Theorien zu unserer Gesellschaft aufweisen kann.

 

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Blackmail

Autor: Greg Iles

Broschiert: 624 Seiten

Verlag: Lübbe

Auflage: 1 (11. Dezember 2007)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3404158024

ISBN-13: 978-3404158027

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 15.09.2008, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46