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Blondes Gift von Duane Louis

Rezension von Oliver Kotowski

 

Rezension:

"Ich habe Ihren Drink vergiftet."

"Wie bitte?"

"Sie haben mich schon verstanden."

"Äh, ich glaube nicht."

Die Blondine hob ihr Glas. "Zum Wohl."

 

Mit diesen Zeilen lässt der Autor seine chaotische Hetzjagd beginnen. Doch bis dahin braucht es ein wenig, denn Jack Eisley hält das Ganze für eine dumme Anmache – und mit einer schicken Blondine erwischt zu werden, kann er bei den Verhandlungen mit dem Scheidungsanwalt seiner Frau nicht gebrauchen. Er habe nur noch 10 Stunden zu leben! Über diesen Witz lachend fährt er in sein Hotel. Bis die Schmerzen einsetzten und er Blut spucken muss. 10 Stunden? Vielleicht ist sie ja noch am Flughafen.

Unterdessen ist Mike Kowalski, ein weicher CI-6 Killer des Heimatschutzes, mit einem privaten Rachefeldzug beschäftigt. Gerade als er noch einen Mafiosi ausknipsen will, erhält er einen neuen Auftrag: Er soll den Kopf des frisch verstorbenen Universitätsprofessors Manchette besorgen und den Aufenthaltsort von Kelly White – die hübsche Blondine hatte offenbar zuletzt Kontakt zum Toten – feststellen. Der Killer wird dann weitere Anordnungen erhalten.

 

Das Geschehen trägt sich im Philadelphia der Gegenwart zu: Handys, die Bedrohung durch Terroristen und der nach den Anschlägen vom 9/11 eingesetzte Patriot Act spielen alle eine gewisse Rolle. Doch Eigenheiten der Stadt oder ihrer Bewohner werden kaum aufgenommen – sieht man von der Einschätzung ab, dass abends der Bürgerstieg hochgeklappt wird, und den Ortsangaben zu Beginn der Kapitel. Diese verleihen der Geschichte allerdings kaum Authentizität. Damit ist das Setting ein knapp entwickeltes Ambiente.

Dennoch strapaziert die Geschichte das Vorstellungsvermögen extrem: Vor allem das Objekt der Begierde ist ein phantastisches Element, wie es zwar zu einem Action-Reißer aus Hollywood passt, aber mit einigen Unplausibilitäten und Prämissenbrüchen verknüpft ist. Es handelt sich dabei um Nanoroboter, die sich in den Körperflüssigkeiten eines Trägers einnisten und von dort ein Signal an einen Satelliten senden – so kann die Position des Trägers immer exakt bestimmt werden. Wenn sich jedoch niemand innerhalb von 3 Metern um den Träger befindet, dann können sie dessen Gehirn zur Explosion bringen. Jetzt wird es magisch: 3 Meter Entfernung – egal welche Barrieren sich dazwischen befinden; außerdem müssen die Naniten permanent eine Strahlung emittieren um die Entfernung zu überprüfen – nimmt denn am Flughafen kein Gerät diese Strahlung wahr? Beeinflusst sie den Körper des Trägers nicht? Woher kommt die Energie? Und das ist nur die Spitze des Eisberges.

 

Es gibt drei zentrale Figuren, die nur skizzenhaft charakterisiert werden; vielschichtig sind sie auch nicht. Jack Eisley ist ein Journalist. Er wird gerade von seiner Frau geschieden. Er wird vergiftet und will am Leben bleiben. Eigentlich ist er kein gewalttätiger Typ, aber wenn's sein muss, dann schlägt er auch Frauen; zudem ist er ein wenig rachsüchtig und impulsiv. Mike Kowalski (schon der Name ist Klischee) ist ein Killer der Abteilung CI-6 des Heimatschutzes. Seit die Mafia seine schwangere Freundin ermorden ließ, ist er auf Rache aus. Während er Unschuldige für die US-Regierung brutal ermordet, fragt er sich, ob er ein Scheusal ist. Über die Motive der schönen Blondine Kelly White ist man einige Zeit im Unklaren – offensichtlich ist sie in illegale Machenschaften verwickelt, kann sich nicht an die Polizei wenden und braucht dringend Hilfe. Ebenso bleibt ihr Charakter unklar – dass sie allerdings kein rechtschaffener Typ ist, steht von vornherein fest. Letztlich hebt sie sich jedoch von den beiden zuvor genannten Figuren kaum ab.

Dazu strapazieren auch die Figuren die Plausibilität: Der Profikiller verhält sich oftmals wie ein Amateur und die Handlungen bzw. Charakterentwicklungen wirken z. T. unmotiviert.

Daneben treten noch einige Nebenfiguren auf, wie Vincent, der Sicherheitsbeauftragte von Jacks Hotel; der Ex-Militär tut im Dienst zwar stets freundlich, ist aber bereit es bei Gelegenheit Leuten, die ihn verärgern, mit gleicher Münze Heim zu zahlen.

Glanzleistungen sind diese Figuren nicht.

 

Vom Plot her ist es klar ein Thriller: Jack wird vergiftet, such verzweifelt nach dem Gegengift, Mike schlägt sich durch Philadelphia auf der Suche nach Kelly und diese versucht Mittels aggressiver Manipulationen ihre eigenen Ziele zu erreichen. Es gibt wilde Verfolgungsjagden, gewalttätige Auseinandersetzungen mit Toten, harte Drohungen, denen brutal Nachdruck verliehen wird, und – einige coole Dialoge sowie grotesk-komische Momente. Spannungsquellen sind in erster Linie die vielen haarsträubenden Actionszenen, aber auch die permanente Bedrohung durch das Gift – jedes Kapitel zeigt mittels Uhrzeitangabe auf, wie viel der 10 Stunden bereits vergangen ist. Eine weitere Spannungsquelle können einige eingestreute Anspielungen auf Filme wie D.O.A. sein.

Der Plot fließt die ganze Zeit über rasant dahin – die oben zitierten Zeilen sorgen für einen schnellen und starken Einstieg, die kurzen Kapitel erinnern an einen schnell geschnittenen Film. Die Kapitel der Stränge werden gut kontrastiert: Wenn in einem Strang knapp ein paar Erläuterungen zum Verständnis gemacht werden, geht es im nächsten Kapitel um rasche Entscheidungen oder Handlungen.

 

Die Handlung folgt dabei durchgehend zwei Strängen, die aus der personalen Perspektive von Jack bzw. Mike geschildert werden. Zwischendurch werden einzelne Szenen aus der Perspektive weiterer Figuren eingeschoben. Sieht man von einigen erläuternden Rückgriffen ab, dann ist die Handlung progressiv und dramatisch aufgebaut.

Der Stil ist dabei jeweils empathisch mit ironisch-zynischem Unterton. Die Sätze sind kurz und prägnant; sie behindern den Plotfluss nie. Einzelne Momente, die den Leser mit Fakten beliefern, wirken zugunsten der Kürze etwas gekünstelt. Die Wortwahl schwankt zwischen Saloppem und Neutralem, meidet dabei stets "schwierige" Worte ebenso wie Adverbien bzw. Adjektive – ganz wie das Vorbild hardboiled Krimi.

 

Fazit

Jack Eisley hat Gift geschluckt – wenn er nicht innerhalb von 10 Stunden das Gegengift von der hübschen Blondine erhält, muss er sich um seine Scheidung keine Gedanken mehr machen. CI-6 Profikiller Mike Kowalski ist auf eben jene Blondine, Kelly White, angesetzt: Sie weiß Genaueres über gefährliche Nanoroboter. Ein spannender, rasanter Thriller – wenn man sich an amateurhaften Profikillern und magischen Naniten nicht stört bzw. sie mit Humor nehmen kann, dann wird man gut unterhalten.

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Blondes Gift

Autor: Duane Louis

Heyne (2007)

Broschiert, 335 Seiten

ISBN-10: 3453432657

ISBN-13: 978-3453432659

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 17.10.2007, zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 18:46