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Bloodrayne & Bloodrayne 2: Deliverance - Dhampir Box (DVD; Horror; FSK 18)

Filmkritik von Christel Scheja

 

„Bloodrayne“ ist eines der vielen Computerspiele, die zwar in der Szene einen gewissen Achtungserfolg erringen, aber in ihrem Bekanntheitsgrad nicht unbedingt die große Masse erreichen. Schon dort kämpfte eine junge Frau, die halb Mensch, halb Vampir, ist gegen ihren Erzeuger und dessen Brut, um deren Traum von der absoluten Weltherrschaft zu vereiteln. Ein Thema, das nun auch auf die Filme des deutschen Produzenten Uwe Boll übertragen wird, der mit „Die Schwerter des Königs“ nun auch ein weiteres Game für das Kino umgesetzt hat.

 

 

Bloodrayne: Osteuropa im späten 19. Jahrhundert. Ein kleiner Wanderzirkus macht mit unheimlichen Geschichten von sich reden. Eine der Kreaturen in ihren Käfigen ist eine junge Frau, die von reinem frischen Wasser verbrannt wird und Blut benötigt, um ihre Wunden wieder zu heilen. Sie wird wie eine Bestie in Ketten und hinter Gitterstäben gehalten und hat nur in einer jungen Tänzerin und Messerwerferin eine Freundin. Auch wenn sie nicht weiß, wie ihr das gelingen soll, so träumt Rayne doch von Flucht.

Dies gelingt erst, als Fremde den Zirkus überfallen und alle niedermetzeln. Das junge Mädchen erkennt sie wieder - es sind die Schergen des Mannes, der vor vielen Jahren schon ihre Mutter ermordeten. Kagan, der Herr aller Vampire will ihren Tod. Denn als Produkt seiner Beziehung zu einer Menschenfrau ist sie die einzige, die ihm gefährlich werden kann. Denn sie besitzt genug Unabhängigkeit und starken Willen genug, um sich von ihm nicht beeinflussen zu lassen und kommt ihm an Kraft und Schnelligkeit gleich.

Derweil sind auch Vampirjäger der Brimstone Society auf der Suche nach Rayne. Sie hoffen die Daywalkerin für sich gewinnen zu können, denn starke Hilfe tut Not. Der Vampirfürst arbeitet daran, „Das Auge von Belial“ an sich zu bringen, durch das er unendliche Macht erlangen würde. Zur Erringung der Weltherrschaft wäre es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Doch wird sich Rayne überhaupt dazu überreden lassen, nachdem die letzten Menschen, denen sie vertraute, sie so übel misshandelt haben?

 

Bloodrayne 2: Deliverance: Durch die Eisenbahn wird der einstmals wilde Westen immer mehr von der Zivilisation erschlossen. Und so hoffen auch die Bewohner des kleinen Örtchens Deliverance, das sie durch die Schienenstrecke nicht nur an die große weite Welt angeschlossen werden, sondern auch an Bedeutung und Reichtum gewinnen.

Allerdings haben es auch andere auf den Ort abgesehen. Zusammen mit einigen untoten und noch lebenden Kumpanen, kommt eines Nachts der Vampir Billy the Kid in den Ort und nimmt die Kinder der braven Bürger als Geiseln. Sie sollen für das Wohlverhalten der Männer und Frauen garantieren und einen Kampf verhindern. Der Outlaw plant von hier aus das ganze Land nach und nach mit Vampiren zu bevölkern. Doch schon naht Hilfe. Neben Pat Garrett verirrt sich auch eine schöne und mit Schwertern bewaffnete Fremde in den Ort - Rayne, die eigentlich nichts weiter will, als eine Freundin zu besuchen und nun den Kampf gegen den untoten Revolverhelden und seine Bande aufnimmt.

 

 

Man merkt deutlich, dass sich der erste „Bloodrayne“-Film sehr stark an das entsprechende Computerspiel hält, auch wenn es die Handlung in das 19. Jahrhundert zurück verlegt hat. Kagan ist nicht länger ein Nazi, sondern einfach nur ein despotischer Aristokrat, der die Macht nicht aus den Händen geben sondern eher vergrößern will und alles aus dem Weg räumt, was ihm gefährlich werden könnte. Ihm fehlt dazu nur noch das in einem Kloster behütete „Auge von Belial“.

Nach ihrer Flucht aus dem Zirkus bleibt die Heldin erst einmal sehr misstrauisch und versucht auf eigene Faust ihr Ziel, Rache an Kagan zu nehmen, zu erreichen. Das kostet sie fast das Leben. Weil ihr drei Vampir-Jäger das Leben rettet, verbündet sie sich schließlich mit der Brimstone-Society und nimmt zusammen mit ihnen den blutigen und verlustreichen Kampf gegen den Vater auf.

Das führt zu einer ganzen Reihe von actionreichen Kämpfen bei denen das Kunstblut nur so spritzt, wenn Hälse durchgeschnitten und Körperteile abgehackt werden. Ganz wie in einem Game muss Rayne einen Parcour von Gefahren durchlaufen, um ein Artefakt an sich zu bringen und schließlich vor ihrem Vater stehen zu können. Und zwischendurch darf die einsame Halbvampirin zumindest einmal kurz die Freuden der Leidenschaft mit einem der Vampirjäger kennen lernen. Während das Ambiente halbwegs stimmig ist und von der Optik an „Dracula“ und „Van Helsing“ erinnert, sind die Tricks und Choreographien der Kämpfe doch eher einfach gehalten und entsprechen bei weitem nicht dem Standard, den man von amerikanischen Actionspektakel her kennt. Sie entsprechen mehr dem, was Fernsehserien mit ihrem begrenzten Budget bieten können.

Während Bloodrayne durch eine gesunde Mischung aus ruhigen und dynamischen Szenen noch halbwegs unterhaltsam ist, auch wenn man bei den Spezialeffekten nicht all zu viel erwarten darf, kann man das leider nicht von „Bloodrayne 2: Deliverance“ sagen. Uwe Boll hat sich hier die Western von Sergio Leone zum Vorbild genommen, was man an verschiedenen Kameraeinstellungen und dem Gebahren der Helden merkt, aber er erreicht nicht einmal ein Viertel ihrer Klasse. Nicht nur die Kulissen sind billig, der Film vergeudet auch drei Viertel seiner Zeit mit sinnlosen Wortgeplänkeln, ehe es endlich zur Sache kommt. Action wird in diesem Film eher klein geschrieben - markige Worte definieren die Helden und Schurken und das eher nasskalt wirkende europäische Klima ist der Atmosphäre abträglich. Die Idee, Vampire in den wilden Westen zu versetzen ist zwar nett und ungewohnt, wird aber nicht gerade gelungen umgesetzt.

In beiden Filmen ist zwar eine Frau die Heldin, aber zu Gunsten von Zuschauererwartungen werden gewisse Abstriche gemacht. Sie darf zwar kämpfen und dabei ihren sportlichen Körper zur Schau stellen - im ersten Film mehr als im zweiten - aber in den wirklich entscheidenden Kämpfen braucht sie die Hilfe ihrer männlichen Mitstreiter, die den Bösewicht im entscheidenden Augenblick entsprechend ablenken. Es fällt auch nicht auf, dass die Figur Rayne von zwei verschiedenen Schauspielerinnen verkörpert wird - beide sind vom gleichen Frauentypus und so gestylt, das die Unterschiede im Gesicht nicht viel ausmachen.

Die Darsteller selbst agieren eher lustlos. Man merkt deutlich, das gerade die internationalen Stars nicht so ganz bei der Sache sind und den Film möglichst schnell hinter sich bringen wollten, während es den unbekannteren eher an Talent und Ausdruckskraft fehlt.

Was die Verwandlungen, Masken und das Gebaren vieler Vampire angeht, so hat man sich dabei eher an „Buffy“ orientiert, als an klassischen Vorlagen. Auch die Fallen, die Rayne überwinden muss hat man schon oft genug gesehen - und wirklich beeindrucken können sie nicht, stellenweise wirken sie eher lächerlich.

Letztendlich sind beide Filme keine besonderen Highlights im weiten Feld der Verfilmung von Computerspielen. Man merkt zwar den ein oder anderen interessanten Ansatz, aber die allgemeine Umsetzung ist eher billig.

Während „Bloodrayne“ selbst noch halbwegs unterhaltsam und abwechslungsreich ist und durch seine Action überzeugen kann, kommt „Bloodrayne 2: Deliverance“ nicht über schlichtes Fernsehfilmniveau heraus. Wer Trash mag, wird sich stellenweise gut amüsieren können, nur viel mehr als das sollte man allerdings nicht erwarten.

Splendid Entertainment bietet die Filme nun in einer Doppelbox an. Neben einem Audiokommentar von Uwe Boll, der stellenweise eher erheiternd als informativ ist, wurde der Erstauflage noch ein Kartenspiel mit Bildern der Darsteller auf den Bube, Dame und König - Karten beigefügt, was ein nettes, aber nicht weiter bedeutsames Gimmick ist.

 

 

Fazit:

 

Insgesamt wendet sich die „Dampir-Box“ mit „Bloodrayne“ und „Bloodrayne 2: Deliverance“ wohl mehr an Hardcore-Fans von Trash im Allgemeinen und des Spiels im Speziellen. Wer anspruchsvollen Horror oder wenigstens gutes Action-Kino sucht wird beides hier nicht unbedingt finden.

 

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DVD:

Bloodrayne & Bloodrayne 2: Deliverance - Dhampir Box

Deutschland 2005-2007

Idee & Regie: Uwe Boll

Drehbuch: Guenevere Turner (Bloodrayne), Christopher Donaldson & Neil Every (Bloodrayne 2)

Musik: Henning Lohner (Bloodrayne), Jessica de Rooij (Bloodrayne 2)

Bildformat: 16:9

Synchro: Deutsch, Englisch (Dolby Surround) Untertitel: Deutsch

Spieldauer: 184 Minuten (90 & 94 min),2 DVD

FSK: 18

Extras: dt. und engl. Audio-Kommentar von Uwe Boll, Poker-Kartenspiel (lim. Erstauflage)

Splendid, 25. April 2008

 

ASIN: B00114VA2G

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Ben Kingsley

Kristianna Løken

Michael Madsen

Michelle Rodruigez

Matt Davies

Geraldine Chaplin

Udo Kier

Billiy Zane (Bloodrayne)

Natassia Malthe

Zack Ward

Michael Pare

Chris Soppola

Chris Spencer (Bloodrayne 2)


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Erstellt: 14.05.2008, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23