Blutsbande (Reihe: Criminal Bd. 2)
 
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Blutsbande

Reihe: Criminal Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

In seiner Einleitung zum zweiten Sammelband der Eisner Award-prämierten US-Serie Criminal von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips echauffiert sich Sin City-Schöpfer und aktuell Spirit-Regisseur Frank Miller darüber, dass Criminal ihn vom Arbeiten abhält. Dann an dieser Stelle eine Gegenbeschwerde an Mr. Miller: Wie soll man bitte eine ordentliche Kritik schreiben, wenn Miller in seiner Einleitung bereits alle wichtigen Punkte abarbeitet und Brubaker und Phillips - verdientermaßen! - über den grünen Klee lobt?

 

Aber Miller hat natürlich recht, wenn er Criminal mit Lob überschüttet und das auch explizit an diesem zweiten Band festmacht, der noch einen Ticken stärker ist als das erste Trade Feigling (Leo sehen wir übrigens kurz wieder). Die Geschichte dieses zweiten Bandes mit den US-Heften sechs bis zehn ist indessen schnell erzählt: Als er aus der Militärhaft entlassen wird und erfährt, dass sein Bruder Ricky umgebracht wurde, will Tracy Lawless nur herausfinden, wer seinen kleinen Bruder auf dem Gewissen hat. Also stiehlt er sich davon und baut sich eine neue Existenz als Fluchtfahrer auf, um in Rickys alter Bande einzusteigen und dieser mit allen Mitteln und all seinen Fähigkeiten auf den Zahn zu fühlen ...

 

Brubaker weiß, wie er diese reichlich klassische Crime Noir-Geschichte erzählen muss, damit sein Leser darauf anspringt. Er zersprengt die zeitliche Abfolge an genau den richtigen Stellen und baut auf engstem Raum Charaktere auf, die im Klischee Zuhause sind, aber eben vor Lebendigkeit in den Schatten und dem Zwielicht der Stadt zugleich auch schier platzen. Das ganze würzt er mit großartigen Dialogen und atmosphärischen, präzisen Erzähltexten und natürlich einer lässigen Prise Sex - et voilá, fertig ist der perfekte Comic-Krimi, der gekonnt auf dem schmalen Grat zwischen Hommage und Kopie balanciert; ein Comic-Krimi, der seinen Leser von hinten bis vorne mitreißt und förmlich in Brubakers überstilisierte Gangsterwelt einsaugt.

 

Diese Hommage an das Genre fängt Sean Phillips in wunderbaren Bildern ein: Da findet man keinen Strich und kein Element zu viel auf seinen traditionell umbrochenen Seiten - und trotzdem sprüht auch das Artwork vor Dynamik und Kraft im Ausdruck, Details und einer gewissen Authentizität - woran auch die stimmungsvolle Farbgebung von Val Staples keineswegs unschuldig ist.

 

Man nimmt Phillips genauso wie Brubaker einfach ab, dass die beiden wissen, was sie da tun und worüber sie schreiben und mit wie viel Herzblut sie dabei sind. Es ist schon verrückt, wenn man sich vor Augen hält, dass Criminal in den USA alles andere als gut läuft und es vor allem Brubakers selbstloser finanzieller Einsatz ist, der das Erscheinen weiterer Hefte bisher möglich gemacht hat.

 

Wer sich in diesem Jahr nur eine Handvoll Comics gönnen möchte oder kann - »Criminal: Blutsbande« sollte dabei sein.

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240625095239bed40f31
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Comic:

Blutsbande

Reihe: Criminal Bd. 2

Autor: Ed Brubaker

Zeichner: Sean Philips

Paperback, 132 Seiten

Panini, September 2008

Erhältlich bei Panini

weitere Infos:


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Erstellt: 12.08.2008, zuletzt aktualisiert: 28.12.2022 16:07, 7112