Bodytech
 
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Bodytech

Rezension von Tanja Thome

 

„Mein Körper ist mein Kapital!“ Ein Satz, der auch und gerade für viele Shadowrunner gilt. Und die Welt von 2070, wie sie in der vierten Edition des Rollenspiels beschrieben wird, ist darauf hinreichend eingestellt. Das zeigt „Bodytech“, der Quellenband rund um Körpermodifikationen und medizinische Belange.

 

Bereits der Anfang des Buches zeigt, dass sich seit „Mensch & Maschine“, dem äquivalenten Band der dritten Edition, einiges getan hat. Wurden medizinische Versorger abseits von DocWagon früher eher stiefmütterlich behandelt, beginnt „Bodytech“ nun mit einem etwa 20-seitigen Einstieg rund um dieses Thema mit Berichten über Privatpraxen und Schattenkliniken bis zur Konzernmedizin. In diesem Kapitel werden auch Themen wie Organschmuggel und Körperraub, die Bedeutung von Körpermodifikationen im Alltag sowie neue Gaben und Handicaps besprochen.

 

Übersichtlich in einzelne Kapitel geordnet folgen die Detailinformationen zu Cybertech, Biotech, Gentech, Nanotech, Medtech für Fortgeschrittene und novaheißen Informationen aus dem Biosektor der Zukunft.

 

Man findet viel Altbekanntes aus der dritten Edition wieder, doch ist schnell zu merken, dass sich das Leben bis 2070 noch einmal deutlich verschärft hat, was auch vor möglichen Modifikationen nicht Halt macht. So werden komplette Torsen angeboten, Hautverkleidungen, ebenso andersartige Beine, etwa mit Zusatzgelenken, Greiffüßen oder ähnlichem.

 

Spürt man den Hauch von „Terminator“ und Konsorten noch nicht, wird es jedoch spätestens im Bereich Gentech gruselig. Genmanipulation in Richtung „Soylent Green“ mittels Sojaprodukten ist seit jeher gang und gäbe in Shadowrun, doch in der vierten Edition wurden solche Trends erweitert und zugespitzt. Designerbabys, genetische Veränderungen von der Anlage eines sechsten Fingers bis hin zu ethnischer Veränderung, Hybridhaustiere beziehungsweise DNArt … alles kein Thema mehr. Im Gegenteil: Heute in der Realität heiß diskutierte Themen wie eben beispielsweise Designerbabys werden in „Bodytech“ nur noch am Rande erwähnt mit dem Hinweis, dass es spannendere Dinge mit Gentech anzustellen, zumal der Trend so schnell wechsle. Und so zieht sich das Zugespitzte und teilweise erschreckend Pointierte auch durch die anderen Tech-Themen.

 

Medtech für Fortgeschrittene behandelt Verletzungen, aber auch Cyberwareausfälle und ihre Folgen, Schönheitschirurgie beziehungsweise Bioformung und derlei mehr nützliche Spielereien. Durch die Gefahr von Cyberausfällen wird die Macht der klassischen Straßensamurais deutlich gemindert, so wie die neuen Regeln trotz aller erweiterten Modifikationsoptionen insgesamt durch ihre erschwerte Umsetzbarkeit dafür sorgen, dass es mehr lowtechorientierte Spielrunden gibt – was offenbar vielen Spielern geradezu erstaunlicherweise gelegen kommt.

 

Nanoheiß bietet im Grunde in erster Linie einen Ausblick auf wachsende Märkte und das, was einen Shadowrunner zukünftig erwarten könnte. Da ist die Rede von Biodrohnen, Cybermantie und Cyborgs.

 

Insgesamt fügt sich „Bodytech“ sehr gut in die mit dem Grundregelwerk neu begonnene Ära von Shadowrun ein. Die Regeln sind leichter zu merken und umzusetzen, anders als noch in der dritten Edition sieht man sich nicht mehr einem Wust von Regeloptionen gegenüber. Gleichzeitig macht die vierte Edition, und die Quellenbände „Bodytech“ und „Vernetzt“ bislang vorn weg, einen weiteren Schritt in die Zukunft. Anfang der Neunziger Jahre spielte man etwa sechzig Jahre in der möglichen Zukunft (zweite Edition), die dritte Edition behielt den zeitlichen Abstand zwar in etwa bei, berücksichtigte dabei aber nur in geringem Maße, dass die Realität sich derweil deutlich rasanter entwickelt hatte als angenommen. Man spielte also zwar in der Zukunft, aber doch irgendwie in einer eher antiquierten. Dass diese Mängel dann durch die Fantasyelemente des Spiels (etwa durch die zahlreichen Möglichkeiten dank Halleyschem Kometen) kompensiert werden sollten, verschob den Fokus von Shadowrun dann leider mehr in Richtung Fantasy und öffnete Powergamern Tür und Tor.

In der vierten Edition hat man die Fehler der dritten erneut auszugleichen versucht, ist diesmal jedoch offenbar den besseren Weg gegangen. Was sich beim Grundregelwerk nur andeutete, wird anhand der nun bei Pegasus erscheinenden Quellenbände immer deutlicher: Shadowrun der vierten Edition ist wieder zukunftsorientiert, näher an der Basis, erwachsener geworden und der Fokus liegt mehr auf „Cyber“ als auf „punk“.

 

„Bodytech“ zeigt auf sehr eindrucksvolle Weise, dass die Richtung von Shadowrun ganz klar die der Dystopie ist – für alle, die dies zwischendurch, vor allem in Edition Drei, vielleicht aus den Augen verloren haben könnten. Und „Bodytech“ ermöglicht – nicht zuletzt durch die zahlreichen Shadowtalkeinwürfe – ein spannendes, ausgewogenes und sogar gruseliges Spielen.

 

Störend an den bisherigen Bänden der vierten Edition ist der laxe Umgang mit einem abschließenden Stichwortverzeichnis. In „Bodytech“ bedeutet dies: Es gibt gar kein Stichwortverzeichnis. Zwar fällt die Inhaltsangabe dafür zweiseitig und entsprechend detailliert aus, Tabellen befinden sich im Verlauf des Buches und am Ende, doch ertappt man sich häufiger dabei, mal eben dies oder jenes im Stichwortverzeichnis nachsehen zu wollen, nur um dann – einmal mehr – festzustellen, dass keines vorhanden ist.

 

Schade ist zudem, dass man sich von der Aufmachung her nicht an beliebten Quellenbänden der zweiten Edition, etwa „Virtual Realities“ oder „Shadowtech“ orientierte. Die Katalogform und vielleicht eine oder andere Farbseite hätte das Ganze zu einem perfekten Buch gemacht. Nun ja, dafür erwarten den Leser dennoch 184 Seiten praller Informationen, und das als Hardcover, was man wohl als würdige Alternative zu Katalogstil und Farbseiten werten kann.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2024072006143067fbb3e7
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Bodytech

System: Shadowrun, Edition Vier

Verlag: Pegasus

Umfang: 184 Seiten, Hardcover

Erschienen: Januar 2009

ISBN-10: 3939794775

ISBN-13: 978-3939794776

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 28.11.2009, zuletzt aktualisiert: 15.01.2015 19:58, 9654