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Byzanz – Eine Biographie

Rezension von Christel Scheja

 

Der Historiker Simon Sebag Montefiore beschäftigt sich in der dreiteiligen Serie „Byzanz – Eine Biographie“ mit dem „Aufstieg Istanbuls zur Hauptstadt“ zweier Religionen und zeigt dem Zuschauer so die unterschiedlichen Gesichter der fast dreitausend Jahre alten Stadt.

 

Begonnen hat Byzanz wie so viele andere Metropolen erst einmal nur als Fischerdorf, als Siedlung, gelegen an einer auch handelstechnisch sehr günstigen Stelle. Erst später – als Reiche wuchsen und an Bedeutung gewannen, erkannte man nach dem wirtschaftlichen auch den politischen Nutzen, Hier an der Nahtstelle zwischen zwei Meeren ist nicht nur der Übergang von einem Kontinent zum anderen sichtbar wie sonst nie, von hier aus kann man auch Weltreiche kontrollieren.

Griechen und Römer erkannten den Wert der Siedlung und begannen sie auszubauen, aber erst Konstantin der Große, Römischer Feldherr und Kaiser begann den Ort als Metropole auszubauen und gab ihr einen eigenen Namen: Konstantinopel. Über Jahrhunderte sollte hier die Schaltzentrale des oströmisches Reiches liegen, sollten heute noch bestehende Gebäude wie die Hagia Sophia errichtet werden.

Unter dem Kaiserpaar Justinian und Theodora erreichte das Reich seinen Höhepunkt an Macht und Glanz, ehe der langsame Abstieg begann, Ausgerechnet der Bildersturm und das Schisma, die Spaltung der Christen in die katholische Kirche, die in Rom ihren Sitz hatte, und die sich in Konstantinopel konstituierende griechisch-Orthodoxe Kirche, sollten dafür sorgen, dass der Glanz des byzantinischen Reiches immer schwächer wurde. Ausgerechnet die christlichen Kreuzzüge ebneten den Weg für Mehmet II., der die Stadt eroberte, zur Hauptstadt seines Reiches machte und schließlich sogar zu einem der bedeutenden Orte für den Islam. Zeichen des christlichen Glaubens wurden nicht unbedingt zerstört sondern zu Moscheen gemacht, wie die Hagia Sophia. Und seither ist die Stadt auch als Istanbul bekannt.

 

„Byzanz – eine Biographie“ gehört zu den Dokumentationen, die nicht mit Spielszenen aufgelockert werden, sondern durch einen Moderator geführt, der die für die Geschichte wichtigen Orte in ihrem jetzigen Zustand aufsucht, Bilder von realen Fischmärkten schaffen zum Beispiel eine Atmosphäre, die Erläuterungen über die ersten Jahrhunderte der Stadt vertiefen sollten, da gerade die Funde aus dieser Zeit eher mager sind, da die ersten Besiedlungsschichten ja mehrfach überbaut wurden, allein in den Zisternen, die Konstantin anlegen ließ, um die Wasserversorgung der Stadt zu sichern kann man ahnen, wie es in griechischer oder römischer Zeit in der Stadt ausgesehen hat.

Außenpolitische Schlachten spielen eine eher geringe Rolle, die Macher konzentrieren sich ganz auf die Entwicklungen in und die Veränderungen in der Stadt, die einst eine der heiligen Städte des Christentums war, seit einigen Jahrhunderten aber auch dem Islam wichtig ist. Die lang Geschichte der Stadt wird fein säuberlich beschrieben, ebenso wie der lebendige Wandel, der diesen Schmelztiegel der Völker und Kulturen durchgemacht hat, zuletzt im 20. Jahrhundert, als Kemal Atatürk dafür sorgte, dass sich seine Heimat wieder mehr Europa und dem Westen annäherte und sich nicht an dem konservativen Nationalismus festklammerte, der das osmanische Reich zu Fall brachte.

Die Kultur, eng verbunden mit der Religion, steht im Mittelpunkt, der drei Folgen, ebenso die Personen, die die Entwicklung der Stadt besonders prägten, und in deren Lebenszeit die größten Veränderungen stattfand.

Dabei kommen auch Aspekte ans Licht, die in früheren Dokumentationen kaum zur Sprache kamen, so dass auch diejenigen, die sich mehr mit der Geschichte von Byzanz beschäftigt haben, auch noch das ein oder andere kulturhistorische Detail erfahren, das ihnen vielleicht nicht so vertraut oder gar bekannt ist.

Das einzige, was auf Dauer etwas ermüdend wirkt, sind sich wiederholende Kameraschwenks und Hintergrund-Szenen, die man bereits mehrfach gesehen hat. Ansonsten wird die Serie recht unterhaltsam präsentiert, Simon Sebag Montefiore weiß als Erzähler sehr gut bei der Stange zu halten und neugierig zu machen.

Bild und Ton sind auf der Höhe der Zeit, die Farben satt und realistisch. Extras allerdings gibt es keine.

 

 

Fazit:

 

Damit ist „Byzanz – Eine Biographie“ ein spannender Einblick in die lange kulturhistorische Geschichte einer legendären Metropole, die mehr als nur Hauptstadt mehrerer großer Reiche war, sondern immer auch einer der Schmelztiegel zwischen Orient und Okzident, an dem die verschiedenen Weltanschauungen und Religionen letztendlich aufeinander treffen mussten.

 

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DVD:

Byzanz – Eine Biographie (

Moderator: Simon Sebag Montefiore

Format: Dolby, PAL, RC 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Anzahl Disks: 1

FSK: Infoprogramm

Studio: Polyband/WVG

Erscheinungstermin: 29. April 2016

Produktionsjahr: 2013

Spieldauer: 150 Minuten ( 3 x 50 min)

ASIN: B01AYPMUJO

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 2023020518382299650dfd
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Erstellt: 30.04.2016, zuletzt aktualisiert: 02.08.2022 20:01