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Call of Juarez – Gunslinger (PC)

Rezension von Cronn

 

Ich nähere mich dem Farmhaus von der Straße her. Schon von weitem höre ich die Schüsse der Gangster, welche das doppelgeschössige Blockhaus belagern. Dazwischen vernehme ich das aufgeregte Gackern der Hühner, die nervös herumjagen.

Schnell ducke ich mich hinter einen großen Felsbrocken und sondiere die Lage. Vor mir erstreckt sich das Gelände der Farm: eine Scheune, ein Wasserspeicher samt Turm, dazwischen Kürbisfelder, Hühner und ein kleiner Heu-Unterstand. Hinter Holzkisten und Zäunen verstecken sich die Gauner, die meinen Waffenbruder beharken, der sich mitsamt seinen Getreuen im Haus verschanzt hat. Ich rede von keinem Geringeren als Billy the Kid.

Ich zähle mehr als sieben Typen. Das sollte kein größeres Problem werden. Ich husche geduckt hinunter zur Scheune, dann lehne ich mich vor und knalle den ersten von hinten ab – nicht ehrenhaft, aber was soll's!

Dann werfe ich mich in Deckung, da seine Kollegen auf mich aufmerksam geworden sind. Sobald sie nachladen, wage ich mich vor und erledige einen nach dem anderen. Drei weniger. Noch vier übrig.

Stellungswechsel. Ich laufe durch die Scheune und schleiche mich von hinten heran. Die Typen auf dem Kürbisfeld haben nicht mit mir und meiner Pistole gerechnet. Nun sind es nur noch zwei!

Jetzt setze ich alles auf eine Karte und stürme aus der Deckung, mit wild feuernder Pistole. Der eine trifft mich, doch der andere geht über den Jordan. Ich hoffe das Beste und ziele mit der Pistole über Kimme und Korn, während der letzte Kerl nachlädt. Ich treffe ihn genau zwischen die Augen. Peng!

Er geht zu Boden und küsst den Staub.

Das war's!

Ich hoffe, dass Billy the Kid mir dankbar ist. Aber unser gemeinsamer Weg hat gerade erst begonnen …

 

Rezension:

Call of Juarez – Gunslinger ist der neueste Ableger der Serie Call of Juarez. Entwickelt wurde das Game von Techland, welche zuletzt mit einem Zombie-Franchise für Furore sorgte, das in Deutschland nicht erschienen ist. Als Publisher fungiert Ubisoft.

Der letzte Titel Call of Juarez – The Cartel war nicht sehr erfolgreich und auch spielerisch nicht auf dem gewohnten Niveau der Vorgänger. Call of Juarez – Bound in Blood und auch der erste Teil »Call of Juarez« boten Western-Shooter-Einlagen in bester Manier. Dagegen fiel »The Cartel« qualitativ ab. Ob es Techland geschafft hat, mit dem neuesten Ableger wieder zu alten Qualitäten zurückzufinden?

 

Hintergrund:

»Call of Juarez – Gunslinger« verlässt die Pfade des Vorgängers und ist wieder in der Western-Vergangenheit angesiedelt. Es nimmt die Storyline von »Call of Juarez – Bound in Blood« nicht auf, in welcher die Brüder McCalls im Jahr 1864 unterwegs waren, sondern erzählt eine eigene Handlung.

Diesmal geht es um Silas Greaves, einen Kopfgeldjäger des Wilden Westens, der auf seinem Rachefeldzug die Wege der berüchtigsten und berühmtesten Pistoleros des Wilden Westens kreuzt, darunter Billy the Kid, Pat Garret, Doc Hollyday und Jesse James.

Ein großes Plus ist die Art, wie die Macher von Techland die Story erzählen. Am Anfang kommt Silas Greaves im Jahr 1910 in einen Saloon und erzählt den dort Anwesenden seine Geschichte. Dabei lässt es Techland offen, wie korrekt diese sind. Ab und zu korrigiert er sich selbst, was dazu führt, dass sich die Levels ändern, während die Stimme des Revolverhelden aus dem Off kommentiert. Genial gemacht!

Manchmal kehrt man auf diese Weise in die Levels unter veränderten Rahmenbedingungen zurück. Das macht Spaß und sorgt dafür, dass man gerne die neuen Wege ausprobiert. Ein großes Plus ist auch die permanente Stimme aus dem Off, welche das Geschehen live kommentiert. Schießt man beispielsweise auf Hühner, kann es sein, dass die Stimme das in seinen Kommentar einbaut. Sehr gelungen!

 

Gameplay:

»Call of Juarez – Gunslinger« ist ein Deckungs-Shooter, der seine Mechanik versteht. Abwechslungsreich und voller Überraschungen wird hier geballert, was der Zeigefinger hergibt. Dabei vergisst Techland aber nicht, dass die Spieler gerne selbst ihren Helden leveln. Dafür gibt es Punkte für gelungene Abschüsse und Kombos. Beim Erreichen einer neuen Stufe darf man einen Erfahrungspunkt auf einen von drei Talentbäumen verteilen. Es gibt einen für Pistolenschützen, einen für Gewehrschützen und einen für Nahkämpfer. Diese unterteilen sich wiederum in verschiedene Perks, wie schnelleres Nachladen, mehr Schaden und so weiter. Die Kombination der drei Bäume unterstützt ein recht hohes Maß an Verschiedenartigkeit der Spielstile.

Die Spielumgebung ist typisch für einen Western-Shooter: Farmhäuser, Western-Städte, Canyons im Mondschein, etc.pp. Dabei geht so manche Deckung durch Beschuss kaputt und man ist zum Stellungswechsel gezwungen. Techland beherrscht die Shootermechanik perfekt. Das Gameplay läuft rund und bietet sogar noch zwei weitere Gimmicks: Letzte Chance und Duell.

Bei der letzten Chance handelt es sich um ein Feature, das es dem Spieler erlaubt, kurz vor dem Ableben die letzte Kugel durch Drücken von A oder D auszuweichen, während diese in Zeitlupe heranjagt. Ein gelungenes Feature. Beim Duell am Ende eines Levelabschnitts geht es darum, dass der Spieler seine Hand am Holster hält und gleichzeitig den Gegner im Visier. Wenn die Glocke schlägt gilt es schneller zu ziehen und zu schießen als der Feind. Spannend umgesetzt!

Eine letzte Besonderheit ist noch der Konzentrations-Modus. Hier wird die Zeit verlangsamt und die Feinde werden rot hervorgehoben. Dieser Modus ist per Q-Taste auszulösen, sofern diese durch Abschüsse aufgefüllt wurde.

Abseits des Storymodus gibt es noch reine Arcade-Shoot-Outs. Diese Level machen auch großen Spaß, sind aber nicht storytechnisch relevant. Einen Multiplayer-Part vermisst man leider völlig.

In den Levels gibt es noch Karten zu finden, sogenannte „Nuggets der Wahrheit“, auf der die wahren Hintergründe der Revolverhelden notiert sind. Dies zu sammeln ist rein optional, aber für Geschichtsinteressierte durchaus interessant.

 

Grafik und Sound:

Im Grafikbereich ist »Call of Juarez – Gunslinger« ein Hybrid aus realistischer Grafik und Cell-Shading-Comic-Optik. Dies funktioniert hervorragend, wie man auch schon bei Borderlands gesehen hat. Dadurch erreicht Techland einen eigenen Stil, der auch keine überpotente Hardware braucht. In Kauf nehmen muss man allerdings die ein oder andere matschige Textur.

Soundtechnisch rockt »Call of Juarez – Gunslinger« die Hütte: wuchtige Pistolenknall-Effekte, Dynamit-Explosionen und agile Sprecher machen das Game soundtechnisch zu einem Hit. Die Musik passt ebenso in das Western-Setting.

 

Fazit:

»Call of Juarez – Gunslinger« ist nach dem eher mäßigen Vorgänger „Call of Juarez – The Cartel« wieder ein Shooter im Western-Genre, der sich auf die eigentlichen Qualitäten der Serie besinnt. Nicht mehr und nicht weniger.

»Call of Juarez – Gunslinger« macht durchwegs Laune, was auch an der Story liegt und dem kompakten gelungenen Gameplay. Ein Multiplayer wird sehr vermisst, sollte beim nächsten Spiel des Franchise wieder dabei sein.

Ubisoft und Techland haben mit »Call of Juarez – Gunslinger« die Scharte des Vorgängers ausgewetzt und präsentieren einen überaus gelungenen und auch preislich sehr fairen Titel!

Mehr Western-Shooter braucht das Land!

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Eure Meinung:

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PC-Spiel:

Call of Juarez – Gunslinger

Techland / Ubisoft, 23. Mai 2013

Plattform: Windows XP / Vista / 7

USK: 16

 

ASIN B00CDG3SOY

 

Erhältlich bei: Amazon

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Erstellt: 31.05.2013, zuletzt aktualisiert: 10.05.2019 10:50