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Castlevania Judgement

Rezension von Björn Backes

 

„Castlevania“ gehört zu den wichtigsten Videoserien aller Zeiten und gehörte besonders in den Neunzigern zu den Qualitätsgaranten auf allen erdenklichen Nintendo-Konsolen. Die Dracula-Gegnerschaft blieb der virtuellen Welt auch im Folgenden erhalten, jedoch nicht mehr im regelmäßigen Turnus, wodurch aber zumindest eine Qualitätssicherung gewährleistet wurde. Nach jahrelanger Pause kehrt die Vampirjägersippe nun auf den Nintendo-Markt zurück. Doch Obacht: „Castlevania Judgement“ ist kein typisches Abenteuer nach herkömmlichem Muster. Vielmehr orientiert sich der bislang vielleicht ungewöhnlichste Ableger der Reihe an modernen Prügel-Geschichten wie „Soul Calibur“. Ob das Sinn macht?

 

Inhalt:

Dabei haben sich die kreativen Entwickler jedoch nicht ausschließlich auf das Kampfsystem der begehrten Vorgabe beschränkt, sondern in drei unterschiedlichen Hauptmodi mit zahlreichen Unteroptionen. Hier stößt man schließlich aber doch auf bekannte Schemen, wenn auch ein bisschen obskur umgesetzt. In der Story beispielsweise trifft man zahlreiche Charaktere aus dem umfangreichen „Castlevania“-Universum, angefangen bei der Legende Simon Belmont bis hin zu Alucard und Carmilla. In Persona eines von insgesamt 14 Figuren geht es nun darum, den sogenannten Time Reaper aufzuhalten, der in die Vergangenheit reisen möchte, um Dracula endgültig zu vernichten. Die Aufgabe des gewählten Protagonisten besteht nun darin, auf Aeons Geheiß das Unheil abzuwenden und den Reaper aufzuhalten. So weit , so gut. Die Umsetzung allerdings ist weitaus weniger spektakulär als das inhaltliche Basiskonzept. In einem eher mauen Beat `Em Up hauen sich die 14 Figuren mit ihren individuellen Waffen vor die Mütze, was dadurch noch ausgeschmückt wird, dass einzelne Inhalte aus der „Catlevania“-Historie neu ausgegraben werden. Jeder Charakter bekommt einen Erzrivalen zur Seite gestellt, den er schließlich bekämpfen muss, um überhaupt erst die Pläne des eigentlichen Endgegners durchkreuzen zu können. Das verleiht dem simplen Prügelsystem zumindest ein wenig Frische und Farbe, wobei Letztgenannte schon wieder abblättert, sobald einem das merkwürdige Story-Konzept präsentiert wird. In kurzen Dialogfetzen verfolgt man die individuellen Background-Storys der 14 Akteure, die jedoch durch die Bank plump sind und eher einem jugendlich-naiven Anime zuzuschreiben sind als einem wirklich durchdachten Handlungskonzept. Dass Maria Renard beispielsweise mehr mit ihrer Oberweite beschäftigt ist als mit dem eigentlichen Problem, gibt schon mal zu denken – und unterstreicht den Eindruck, dass man bei der eigentlichen Konzeption selten wirklich mit dem Ernst bei der Sache war.

Die Mängel der Story treffen für den Schlossmodus wiederum nicht zu. Vergleichbar mit dem Hauptmodus aus „Soul Calibur“ arbeitet man sich hier Zimmer für Zimmer durch die Gemäuer von Schlossherr Dracula und bekämpft unter verschiedensten Aufgabenstellungen dessen Schergen und Helfershelfer. Peu a peu können hier neue Fighter freigespielt werden, so dass zumindest ein gewisser Reiz für den dauerhaften Einsatz gegeben ist. Aber auch die Strukturierung der Kämpfe verspricht Abwechslung. Statt den Gegner einfach nur platt zu machen, tritt man unter verschiedenen Aufgabenstellungen in die Arenen. Hier geht es beispielsweise darum, bestimmte Combos zu landen, eine spezifische Waffe für die Vernichtung zu wählen, einfach nur zu überleben oder aber vorgegebene Gegenstände aus den Arealen zu entfernen und daraufhin erfolgreich zu flüchten. Blöd nur: Der Schwierigkeitsgrad ist ebenso wie bei nahezu allen Vorgängertiteln nicht der geringste. Und wenn man nicht gerade wieder einen Save-Point erreicht hat, muss man manchen schwierigen Kampf auch noch zum x-ten Mal führen, obwohl man den entsprechenden Gegner schon mehrfach besiegt hat. Regelmäßige Speicherpunkte als frusthemmende Elemente hätten ihren Zweck sicherlich erfüllt.

Wer sich hingegen erst einmal an das Kampfsystem herantasten muss, kann natürlich auch einen Solokampf anvisieren und im Versus-Modus gegeneinander antreten. Auch ein Online-Game ist enthalten, aufgrund von bislang unzureichendem Interesse des Publikums noch nicht in die Testphase ausgenommen worden.

 

 

Technik/Grafik:

Man mag zum visuellen Part der „Castlevania“-Serie stehen, wie man mag, aber Fakt ist, dass sich Belmont und Co. im Anime-Look richtig gut machen und aus den Hardware-Voraussetzungen der Wii eine Menge herausholen. Leidig ist nur die Kameraperspektive bei den Kämpfen, die unglücklicher nicht hätte gewählt sein können. Der Fokus liegt ständig auf dem Zentrum der Kampfarenen, was insofern in Ordnung geht, dass man somit auch stets den gesamten nutzbaren Raum überblicken kann. Einige flotte Schwenks während der eigentlichen Action hätten dem Ganzen aber trotzdem gut getan, um auch hier eine bessere Übersicht zu gewährleisten – ist aber nicht.

Im Bezug auf das Handling offenbart „Castlevania Judgement“ leider die eklatanten Schwächen von Wiimote und Nunchuk im Action-Bereich. Hektische Fuchteleien sind an der Tagesordnung, sobald man sich auf die moderne Steuerung einlässt. Ohne Gamepad verkommt das optische Spektakel daher schnell zum wilden Gefummel mitsamt jeglichem Kontrollverlust.

 

 

Spielspaß:

Eigentlich bringt der neue „Castlevania“-Titel ein paar sehr gute Voraussetzungen mit, um ein qualitativ hochwertiges Peitschen-Geprügel zu ermöglichen, jedoch ist die technische Umsetzung sowie die langweilige Inszenierung der Modi derart kontraproduktiv, dass man am Ende wirklich von einer rufschädigenden Wirkung für das Konami-Trademark sprechen muss. Hinzu kommt die mangelnde Einstiegsmotivation. Bis auf Alucard und Simon muss man alle Charaktere frei schalten und dementsprechend jeden Modus immer wieder von neuem durchspielen. Aufgrund der langatmigen Inszenierung von Schloss- und Story-System bekommen die Peitschenschwinger hier alsbald müde Arme. Einladend sind lediglich die Duelle mit einem manuellen Partner, die aber auch daran scheitern, dass die meisten Moves berechnend sind und man durch den geringen Aktionsradius nicht sehr flexibel kämpfen kann – das hat man von Konkurrenten wie „Soul Calibur“ noch viel überzeugender im Gedächtnis.

 

 

Fazit:

Als endgültigen Rohrkrepierer mag man „Castlevania Judgement“ zwar nicht bezeichnen, jedoch wäre es ohne die Sympathien für die Serie im Allgemeinen richtig schwer, dem aktuellen Titel noch etwas Positives abzugewinnen. Wer auf bewaffnete Beat `Em Up-Games steht, sollte ruhig mal reinschauen. Doch Fakt ist, dass sich die neueste Dracula-Hatz gegen keinen namhaften Konkurrenten aus diesem Genre durchsetzen kann.

 

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Castlevania Judgement

System: Nintendo Wii

Publisher Konami

USK-Einstufung: Freigegeben ab 12 Jahren gem. 14. JuSchG

ASIN: B001PBUN6E

Erhältlich bei: Amazon


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Erstellt: 27.05.2009, zuletzt aktualisiert: 25.01.2015 19:19