Catweazle – Collector´s Edition (DVD)
 
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Catweazle – Collector’s Edition

Filmkritik von Christel Scheja

 

Rezension:

Mitte der 1970ger Jahre mogelte sich eine Serie in die Herzen der Zuschauer, die bei den heute Vierzig- bis Fünfzigjährigen unvergessen sein dürfte. Der schrullige Zauberer „Catweazle“ bewies, dass britische Serien nicht unbedingt steif und langweilig sein müssen, sondern auch sehr skurril und eigenwillig sein konnten. Nicht nur Kinder, auch Erwachsene saßen wie gebannt vor den Bildschirmen und ließen sich von den Abenteuern des Mannes aus dem frühen Mittelalter, den es in unsere Zeit verschlagen hatte, verzaubern.

Im Gegensatz zum Ursprungsland liefen hier alle 26 Folgen ohne Jahrespause durch. Nur bei den Wiederholungen in den dritten Programmen und kommenden Jahren entschloss man sich dazu, die Serie nur staffelweise auszustrahlen.

In den 1960ger Jahren entschied sich der eher glücklose Schauspieler Richard Carpenter dazu, eine neue Laufbahn zu versuchen. Er wurde zum Autor und schuf nach einer spontanen Idee heraus seinen Helden. Bereits 1970 wurde das Buch auch in eine Serie umgesetzt.

Sein Bekannter und Freund Geoffrey Bayldon, der in diversen Frankenstein-Filmen der Hammer-Studios mitgewirkt hatte und dessen bekannteste Rolle wohl die des Q aus der James-Bond-Parodie Casino Royale war, schien nach kurzer Suche der geeignete Kandidat für die Titelrolle zu sein und willigte nach kurzer Überlegung auch ein. Ihm ist die eigenwillige aber nicht zu alberne Schrulligkeit des alten Zauberers zu verdanken.

 

In der ersten Staffel gerät Catweazle zusammen mit seiner Krötenvertrauten Kühlwalda nach dem Ausprobieren eines mächtigen Zauberspruches und auf der Flucht vor den Normannen, die nach dem Jahr 1066 das Land verheeren und auf jeden gefährlichen Angelsachsen Jagd machen, in die Zukunft. Dort erwartet ihn eine völlig veränderte Umgebung mit Schrecken, die aus den Abgründen der Hölle entsprungen zu sein scheinen.

Mit Hilfe des Jungen Harold, der mit seinem Vater Mr. Bennet und dem Knecht Sam die Hexenhof-Farm mehr schlecht als recht bewirtschaftet, lernt er sich nach und nach in der neuen Zeit besser zurecht zu finden und die teuflische Zauberei als neue Errungenschaften der Menschheit anzuerkennen.

Trotzdem passt sich Catweazle nicht dem 20. Jahrhundert an und versucht sich zu integrieren. Statt dessen ist er auf der Suche nach einem Weg zur Rückkehr in seine Zeit. Harold wird dabei sein engster Vertrauter und Freund, der ihn versorgt und unterweist. Im Gegenzug dazu hilft der schrullige alte Mann ihm dabei, die Hexenhof-Farm oder die Harmonie in der Familie vor dem drohenden Ruin zu retten, sei es durch aufsehenerregende archäologische Funde oder Maßnahmen und Frauen zu vertreiben, die sich mit Mr. Bennet eine gute Partie sichern wollen.

Dabei kommt Catweazle natürlich auch immer wieder durch seine schrägen Aktionen mit den Nachbarn der Bennets, den Dorfbewohnern oder gar dem Gesetz in Konflikt.

 

Ein normannischer Adliger hat Catweazle zu Beginn der zweiten Staffel auf Farthing Castle festgesetzt, damit der alte Mann für ihn Gold herstellt. Der Zauberer weiß, dass er nur auf eine Weise entkommen kann – nämlich indem er wieder fliegt. Erneut verschlägt es ihn in die Zukunft.

Diesmal gerät er an Cedric Collingford, den Sohn verarmter englischer Adliger, die den Familiensitz King’s Farthing kaum noch halten können und mit nur wenig Personal – dem Faktotum Henry Groom und der Haushälterin Mr. Gowdie – bewirtschaften. Der Junge ist gerade aus dem Internat wieder gekommen und will in den Ferien nach dem verborgenen Schatz suchen, den sein Urahne aus dem 18. Jahrhundert angeblich irgendwo im Gemäuer verborgen habe.

So entspinnt sich zwischen dem schrulligen Zauberer und dem Adelssproß erst einmal weniger eine Freundschaft als eine Zweckgemeinschaft. Denn im Gegensatz zu Cedric kann Catweazle die Aufzeichnungen des zauberkundigen Collingford-Lords lesen und erkennt, dass dieser sich ähnlicher Quellen und Hinweise bedient hat wie er.

Gemeinsam suchen die beiden nun nach den zwölf Zeichen des Tierkreises, die auf ein dreizehntes, noch unbekanntes hinweisen. Während Cedric hofft mit dem Artefakt auch den Schatz zu finden, hat Catweazle ganz andere Pläne, wenn er nicht gerade mit den Tücken des Alltags kämpft. Auch wenn er schon einige Dinge kennt, so hat die Moderne auch diesmal immer wieder Überraschungen für ihn parat, und einige davon sind nicht angenehm.

 

Es sind nicht allein die geflügelten Worte wie „Elektrik-Trick“, Beleidigungen wie „Eulengesicht“ oder „Vieräugiges Frettchen“, die in den Köpfen der Zuschauer hängen geblieben sind, auch die liebenswerte Umsetzung der Serie, die ganz ohne die Boshaftigkeit oder den Zynismus späterer Produktionen auskommt. Die Schauspieler agieren gerade in der ersten Staffel sehr zurückhaltend, der Humor entsteht vor allem durch den Wortwitz und aus der Situation heraus. Erst in der zweiten Staffel erlaubt man sich, mehr Slapstick und auch den ein oder anderen bewusst provozierten Gag einzubauen.

Geoffrey Bayldon gibt Catweazle durch sein schräges Verhalten Wiedererkennungswert. Sein Zischen oder die hektischen Bewegungen sind nicht überdreht, sondern passen zum ganzen Charakter des so kauzigen wie eigenwilligen Zauberers, der in manchen Augenblicken auch sehr ernst und weise sein kann. Die Figur ist vielleicht nicht vielschichtig, zeigt aber doch immer wieder die ein oder andere ungewohnte Seite.

Auch die Nebenfiguren entwickeln im Lauf der Folgen ein Eigenleben. Dabei erweist es sich als Vorteil, dass man für die Staffeln ein höchst unterschiedliches Milieu gewählt hat. Zwar kämpfen sowohl die Hexenhof-Farm als auch King’s Farthing um das Überleben, aber die Personen, denen Catweazle begegnet sind mehr als unterschiedlich. Während Harold, sein Vater und Sam trotz der reinen Männerwirtschaft eine gewisse Herzlichkeit ausstrahlen, die auch auf Catweazle abfärbt, ist das Heim der Familie Collingford durchaus von intellektuell geprägtem Standesdünkel durchzogen. Cedric ist wesentlich weniger liebenswert als Harold, was auch sein Verhältnis zu dem angelsächsischen Zauberer prägt.

Auch wenn im Prinzip die gleiche Geschichte erzählt wird, so bekommt man in beiden Stafflen doch unterschiedliche Lösungswege präsentiert. Interessant dabei ist, dass die einzelnen Folgen zwar abgeschlossene Geschichten erzählen, aber doch durch einen roten Faden miteinander verbunden sind. Gerade in der zweiten Staffel wird das durch die Suche nach den Tierkreis- und dem dreizehnten Zeichen deutlich.

Die Serie wusste vor allem durch ihre unterschwellige Komik und die kauzigen Charaktere zu gefallen. Mit den Augen von Catweazle konnten vor allem Kinder, die mit der Technik noch nicht so vertraut waren die Welt auf eine etwas andere und sehr verspielte Weise entdecken, während die älteren Zuschauer ab und zu zwar den Spiegel ihres eigenen Verhaltens vorgehalten bekamen, sich aber dennoch mehr über nur all zu menschliche Unzulänglichkeiten amüsieren konnten, mit denen sie auch im normalen Leben konfrontiert wurden. Die Serie scheute sich nicht, Klischees zu benutzen und gelegentlich ad absurdum zu führen. Zwar mögen einige nach fast vierzig Jahren etwas veraltet wirken, aber die Serie hat trotzdem eine gewisse Zeitlosigkeit bewahrt, wie man sie auch aus manchen Kinderbuch-Klassikern kennt. Und wer will leugnen, dass sich vielleicht sogar heutige Schriftsteller wie J.K. Rowling nicht auch als Kinder begeistert den Abenteuern des Zauberer-Zausels gewidmet haben und so den Grundstock für ihre eigenen Ideen legten?

Die Serie hat nicht ohne Grund einen Kultstatus erreicht, aufgrund dessen sie nicht in den Archiven der Fernsehsender verstaubt. Sie zeigt, wie vielfältig und einfach fantastische Themen doch umgesetzt werden können.

Die Serie erschien bereits 2005 und 2006 in zwei einzelnen Staffel- und 2007 in einer Box mit allen 26 Folgen. Damals wurde nicht nur auf Bonusmaterial verzichtet, sondern die Bildqualität ließ ebenfalls zu wünschen übrig. Das hat sich mit der Collector’s Edition geändert, so dass sich das Warten gelohnt hat. Während man am Ton nicht viel ändern konnte – er klingt auch raschfrei auf beiden Tonspuren blechern und dünn, ist das Bild jetzt klar und scharf, die Farben satt, weil man die Bearbeitung direkt am Originalmaterial und nicht nur an Kopien vornehmen konnte. An Extras finden sich neben einigen Audiokommentaren auch noch die Dokumentation „Brothers in Magic" mit Autor Richard Carpenter und den Darstellern Geoffrey Bayldon und Robin Davies, die noch einmal die Hexenhof-Farm besuchen, sowie ein 48-seitiges Booklet, das sehr viele Informationen zur Serie und ihren Episoden, den Darstellern und dem Kultstatus der Serie enthält.

 

 

Fazit:

Die Geduld hat sich ausgezahlt, denn die „Catweazle Collector’s Edition“ wird der Kultserie aus den 1970gern mehr als gerecht. Die Aufbereitung schärft den blick für Details und die zusätzlichen Informationen machen deutlich, warum die Serie noch heute unvergessen ist. Denn damals wie heute verzaubert „Catweazle“ durch seine lebenswert abgedrehten Geschichten, die so zeitlos wie eh und je sind, den immer präsenten aber nie aufdringlichen Humor und die wundervoll kauzigen Charaktere, die man einfach nicht aus dem Kopf bekommt.

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 20240423205904614973f3
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DVD:

Catweazle – Collector’s Edition

Großbritannien 1970/71

26-teilige Fernsehserie (2 Staffeln a 13 Folgen)

Autor: Richard Carpenter

Regisseure: David Lane, Quentin Lawrence, David Reid

Komponist: Ted Dicks

Format: Collector's Edition, Dolby, HiFi Sound, PAL

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bildseitenformat: 4:3

Anzahl Disks: 6

FSK: 6

Koch Media, 24. Oktober 2008

Spieldauer: 623 Minuten (26 Folgen a ca. 23 min)

Extras:

48-seitiges Booklet

Exklusive Dokumentation "Brothers in Magic" mit Autor Richard Carpenter und den Darstellern Geoffrey Bayldon und Robin Davies

6 Audiokommentare mit Darstellern und Crew-Mitgliedern

 

ASIN: B001F9LB6W

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Darsteller:

Geoffrey Bayldon (Catweazle)

Robin Davies (Harold)

Charles Tingwell (Mr. Bennet)

Neil McCarthy (Sam)

Garry Warren (Cedric)

Peter Butterworth (Henry Groom)

Elspet Gray (Lady Collingford)

Moray Watson (Lord Collingford)

Gwen Nelson (Mrs. Gowdie)

 


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Erstellt: 14.12.2008, zuletzt aktualisiert: 07.02.2024 17:01, 7975