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Catwoman: Damals in Rom

Reihe: 100% DC Bd. 2

Rezension von Christian Endres

 

Wenn Jeph Loeb und Tim Sale sich vereinen, um eine Superhelden-Miniserie zu gestalten, dann weiß der interessierte Comicfreund, dass er auf einen optischen Leckerbissen mit tollen Dialogen und einer atmosphärischen Story gespannt sein darf. Groß war daher die Freude, als Loeb und Sale sich von 2004 bis 2005 daran machten, einen Krimi in sechs Akten zu erzählen, und sich in einer Miniserie mit Catwomans Suche nach deren Vergangenheit, ihren Eltern und damit ihrer ursprünglichen Herkunft zu widmen ...

 

Selina Kyle, vielleicht besser bekannt als Catwoman, reist gemeinsam mit Eddie Nigma, ebenfalls wohl unter dem Namen Riddler dem ein oder anderen eher ein Begriff, nach Italien, genauer gesagt Rom, um sich ihrer eigenen, im Dunkeln liegenden Vergangenheit zu stellen und mehr über ihre Eltern zu erfahren. Dabei trifft sie nicht nur auf die ein oder andere krumme Eigenart oder Machenschaft ihres grüngekleideten Begleiters, der so gerne in Rätseln spricht, sondern auch auf den besten Italienischen Killer, den ein oder anderen Mafia-Spießgesellen und natürlich auch eine Hand voll Superschurken, die sich seltsamerweise zum gleichen Zeitpunkt wie Selina in Rom aufzuhalten scheinen ...

 

Jeph Loeb erzählt seine Story größtenteils routiniert, hält dabei aber trotzdem die ein oder andere Überraschung für seinen Leser bereit, von denen ein Großteil auch zu gefallen weiß und der Story manch einen Aha-Effekt entlocken. Besonders gelungen ist auch die Charakterisierung von Selina samt deren Albträume, die gekonnt ihre Beziehung zu Batman ins Spiel bringen. Leider hat sich in den Plot aber an manch einer Ecke auch ein Haken zuviel eingeschlichen, der den Leser unnötig verwirrt, und hie und da ist eine Wendung in der Haltung der Figuren zueinander bzw. eine Szene nicht ganz schlüssig. Ansonsten besticht Loebs Story durch ein flottes Erzähltempo, extrem gute Dialoge und ein paar richtig witzige und charmante Einzelszenen.

 

Es ist interessant, die Entwicklung von Tim Sale zu beobachten: Mitte der 90er (ich habe hier einen Sammelband von 1986, um genau zu sein) feierte er bei der Graphic Novel Serie zu Robert Asprins Diebeswelt-Romanen sein Debüt als Zeichner. Sein damaliger Stil ist aber noch Meilen weit von seinen ersten Superhelden-Arbeiten entfernt, die er wenig später abliefern sollte, da die Zeichnungen in den Thievesworld-Comics noch nicht die Finesse von The Long Halloween oder Dark Victory bei DC, Hulk: Grau oder Spider-Man: Blau bei Marvel haben – und auch nicht des vorliegenden Catwoman: Damals in Rom, welches nach Daredevil und Spider-Man wieder einen etwas düsteren Strich inne hat und das natürlich auch durch die grandiose, sehr düstere und an den richtigen Stellen auch schmutzige Farbgebung von Dave Stewart besticht. Alleine schon die erste Seite, da Catwoman auf einer ganzseitigen Splashpage einen Tresor ausräumt und Batmans Schatten über den Perserteppich huscht, ist ein echter Hingucker.

 

Die Aufmachung des Tradepaperbacks weiß einmal mehr zu gefallen: Klappenbroschur samt vorperforierten Lesezeichen, schönes Papier, vollständige Cover-Galerie, Infos zu Autor und Zeichner und ein stimmungsvolles, gekonnt veredeltes Cover rechtfertigen den Preis von fast siebzehn Euro. Einziger Kritikpunkt ist an zwei oder drei Stellen das Lettering, da hier der Abschluss zwischen den Sprechblasen und der jeweiligen Panel-Grenze nicht ganz sauber war. Ansonsten eine tadellose, stimmige Publikation, die sich durch ein schönes Design und eine saubere Verarbeitung hervor tut.

 

Fazit: Wenn ein Meister des grafischen Erzählens wie Jeph Loeb sich mit einem außergewöhnlichen Künstler wie Tim Sale zusammen tut, um eine Geschichte vor der Kulisse des sommerlichen Roms zu inszenieren, dann kann dabei nur etwas Gutes heraus kommen, zumal dieses Team in der Vergangenheit schon hinlänglich bewiesen hat, dass sie mit Superhelden und ungewöhnlichen Erzählungen umgehen können, egal ob DC oder Marvel, Batman oder Daredevil.

 

Dementsprechend positiv ist dann auch der bleibende Gesamteindruck von Catwoman: Damals in Rom, das zwar kein neues The Long Halloween ist, dafür aber als ein unterhaltsamer Band mit großartigen Zeichnungen und einer supersexy Selina in Erinnerung bleiben wird und auch aufgrund seiner manchmal nicht so einfachen Story und den Zeichnungen von Sale, an denen man sich nicht satt sehen kann, ein zweites oder drittes Lesen wert sein dürfte.

 

Kurzum: Egal ob Marvel oder neuerdings auch DC – 100% bleibt Paninis momentan bestes Format, was Inhalt und vor allem auch Aufmachung anbelangt, und auch Catwoman: Damals im Rom ist wieder einen genaueren Blick wert.

 

Eure Meinung:

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Alexander
Montag, 13. März 2006 14:18 Uhr
Jeph Loeb und Tim Sale sind für mich eines der Dreamteams der Comickünstler. Obwohl Sales Zeichnungen beim ersten Dürchblättern etwas cartoonhaft wirken, bekommen sie beim Lesen der Lektüre ihren Reiz. Seit dem Erscheinen des Bandes in den USA habe ich auf eine deutsche Veröffentlichung gewartet - das Warten hat sich gelohnt!

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Comic:

Catwoman: Damals in Rom

Reihe: 100% DC Bd. 2

Autor: Jeph Loeb

Zeichner: Tim Sale

Verlag: Panini

Format: Softcover

Sprache: Deutsch

Anzahl Seiten: 148

Preis: 16,95

erhältlich bei Panini


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Erstellt: 29.01.2006, zuletzt aktualisiert: 20.04.2019 08:40