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Clanbuch: Lasombra

Rezension von Maja Koutsandreou

 

Das (zumindest von mir persönlich) langersehnte Clanbuch: Lasombra schließt die 13teilige Clanbuch-Reihe für Vampire: Die Maskerade ab. Es befasst sich mit dem im wahrsten Sinne des Wortes düstersten Clans der Kainskinder. Seine Mitglieder, Meister der Schatten, haben sich im letzten Jahrtausend von edlen Aristokraten des Mittelalters zu gefürchteten Führern des verdorbenen Sabbats entwickelt.

 

Formalia:

Das Clanbuch: Lasombra ist ein 100 Seiten starkes Softcover, das in eine Einleitung und drei Kapitel gegliedert ist. Die Zeichnungen sind größtenteils eher mittelmäßig, wie man es von White Wolf aber schon seit langem gewöhnt ist. Das Layout ist von solider Qualität (wobei ich allerdings nicht verstehe, warum F&S die einleitende Geschichte in einer winzig kleinen Schreibschrift auf dunklen Untergrund setzen musste, nicht besonders augenfreundlich... Das ist zum Glück nur auf den ersten 3 Seiten der Fall.) Die Übersetzung ist auch in Ordnung, wenn man von dem sich über den ganzen Text hinziehenden eher lustig anmutenden Schnitzer „Koterie“ absieht (engl. coterie = Klüngel bzw. Rudel. Was will uns der Übersetzer wohl mit "Koterie" sagen?...).

 

Inhalt:

Die Einleitung ist wie immer eine Kurzgeschichte, die das Wesen des Clans näherbringen bzw. einem helfen soll, sich in die Atmosphäre einzufühlen. Sie handelt von der Erschaffung eines jungen Mannes, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist und einen riesigen Hass auf die Welt hat (seine Schwierigkeiten der letzten Jahre sind natürlich auf Manipulationen seiner Erzeugerin zurückzuführen, die ihn damit durch den Lasombra-eigenen „Test“ der Rekruten laufen ließ). Durch Brillanz besticht diese Geschichte nicht gerade. Ich halte es für höchst zweifelhaft, dass ausgerechnet der martialische Sabbat einen Gelähmten erschaffen würde, der sich, wie später im Buch noch erwähnt wird, nur durch die Hilfe von Schattententakeln einigermaßen fortbewegen kann. Außerdem fehlt mir in dieser Geschichte das typische intrigante „Lasombra-Flair“, dass diesen Clan vom üblichen Antitribu-"Gesocks" des Sabbat abhebt.

 

In Kapitel Eins wird aus verschiedenen Perspektiven (die afrikanische Lasombra, der Paladin, der asiatische Gelehrte, der fast 1000 Jahre alte Ahn) die Geschichte des Clans Lasombra erzählt, von den ersten seefahrenden Lasombra der (Vor-)Antike über die Anarchenrevolte und die Vernichtung Lasombras durch sein verräterisches Kind Gratiano bis in die heutigen Nächte. Komplettiert wird das Ganze durch eine Übersicht über die Lasombra-Population in Asien und Afrika. Auch hier ist der Clan verbreitet, wenn natürlich auch nicht in so großen Massen wie auf den anderen Kontinenten. Zu guter Letzt kommt dann noch eine Lasombra antitribu zu Wort, die sich vom Sabbat abgewandt hat und eine kurze Geschichte des Clans aus einer ganz anderen Sicht schildert.

Dieses Kapitel ist recht locker geschrieben und durch die verschiedenen Sichtweisen streckenweise auch interessant. Leider bietet es jedoch allen, die schon etwas mehr als nur das Grundregelwerk gelesen haben, nicht viel neues (und das kann ich sagen, obwohl ich absolut keine "Lasombra-Expertin" bin).

 

Das Zweite Kapitel befasst sich mit den Gründen, warum ein Lasombra sich für einen Sterblichen als Kandidaten für den Kuss entscheidet - Ehrgeiz, Willenskraft, Rachsucht etc. sind immer gut - und mit den Methoden, mit denen Erzeuger ihre potentiellen Kinder testen. Es wird die harte Schule beschrieben, durch die ein neu erschaffener Lasombra gehen muss, wenn er die ersten paar Jahre im Sabbat überleben will. Dann folgt ein Überblick über die einzelnen Fraktionen des Clans, von den konservativen Kreuzrittern bis zu den Fatalisten, denen eigentlich alles egal ist, weil sie sich für Marionetten ihrer Ahnen halten.

Natürlich darf auch eine Beschreibung der elitären Führergruppe im Clan, der berüchtigten Freunde der Nacht, nicht fehlen, sowie der Blutgerichte, in denen über (Un-)leben oder Tod von Clansmitgliedern, die gefehlt haben (und sei es nur dadurch, dass sie einem Anderen unbeabsichtigt auf die Füße getreten sind) entschieden wird. Interessant und nützlich. Falls der Spielleiter plant, seine Spieler als Kläger oder Angeklagte vor ein Blutgericht zu stellen und sie mal so richtig schwitzen zu lassen, ist dieses Kapitel eine gute Informationsquelle.

Es folgt ein mäßig interessanter Abschnitt über den Tagesablauf und Lebensstil der Lasombra (dass es viele unterschiedliche Kleidungsstile und Behausungen unter den Lasombra gibt, ist nichts wirklich neues....).

Dann wird auf knapp anderthalb Seiten kurz die Minderheit des Clans beschrieben, diejenigen Lasombra, die sich nicht zum Sabbat bekennen (und die sich selbst natürlich niemals antitribu nennen würden). Als bekennender Lasombra antitribu-Fan habe ich mich über diesen Abschnitt besonders gefreut, obwohl er leider sehr kurz ist und nur wenig Information bietet.

Wie immer wird auch in diesem Clanbuch die clansinterne Meinung über die anderen Clans, die Sekten und andere übernatürliche Wesenheiten kundgetan. Über den Sinn dessen kann man sich streiten, auf jeden Fall ist es ganz nett zu lesen, wenn auch nicht sonderlich überraschend.

Danach folgt ein Regelteil mit neuen Vorzügen und Schwächen, die sich hauptsächlich auf die Affinität der Lasombra zum Meer und natürlich zu den Schatten beziehen, ein paar davon sind wirklich sehr finster, aber passend für den Clan. Es werden auch neue Ausprägungen des Pfads der Nacht beschrieben, was nützlich ist, wenn man seinem Charakter mehr Individualität verleihen möchte.

Zuletzt werden die Disziplinen der Lasombra beschrieben, darunter Erscheinungsformen und Anwendungsmöglichkeiten sämtlicher Schattenspiele-Stufen bis Level 5. Dieser Abschnitt ist auf jeden Fall interessant, da er die clanseigene Disziplin der Lasombra sehr düster, atmosphärisch und viel plastischer beschreibt als im Regelwerk. Auf jeden Fall eine Inspiration, gerade für Spieler, die dazu neigen, ihre Disziplinen so stimmungsvoll zu beschreiben wie:"Ich würfel jetzt mal Schattenspiele 3, 4 Erfolge".

Abgesehen von einer einzigen Disziplinkombination und einem Ritual zum "Abstieg in die Dunkelheit" wurde auf weitere neue Disziplinsausprägungen und die sonst obligatorischen Methusalem-Kräfte jedoch verzichtet, was ich persönlich sehr begrüßt habe.

 

Die erste Hälfte von Kapitel Drei beinhaltet die üblichen Beispielcharaktere samt vorgefertigten Charakterbögen fürs Tisch- und Liverollenspiel. Über den Sinn dieser Beispielcharaktere kann man sich wie immer streiten, ich für meinen Teil finde sie völlig überflüssig, aber es mag ja durchaus Leute geben, die sie nützlich finden.

Doch davon abgesehen sind einige der hier angegebenen Charaktere wirklich ein Witz. Z.B. die "Brokerin der Verdammten" (der Name steht da wirklich so) oder noch besser: der "Glückstreffer", ein 60 Jahre altes Hausmütterchen, das den lieben kleinen Kindchen aus dem Rudel das Becherchen für die Vaulderie einsegnet. Kein Kommentar.

Im zweiten Teil des Kapitels wird eine Beispielbrut vorgestellt, eine Gruppe von Lasombra, die hauptsächlich über moderne Computertechnik agieren, auch mal was Neues, wenn auch nicht unbedingt sehr stimmungsvoll. Danach werden einige bedeutende Lasombra vorgestellt, unter anderem natürlich Moncada und Lucita (wie sollte es anders sein), zu meinem Bedauern fehlt Montano.

 

Fazit:

Insgesamt hat mich das Clansbuch: Lasombra doch eher enttäuscht. Es ist zwar ganz nett und flüssig zu lesen, wird diesem eigentlich sehr interessanten Clan aber nicht wirklich gerecht, da es nur wenig wirklich interessante Informationen enthält. Nur streckenweise wird das, was die Lasombra ausmacht, überzeugend und stimmungsvoll dargestellt. Es werden weder die "langfristigen Ziele" noch die "abscheulichsten Geheimnisse" des Clans aufgedeckt, wie im Klappentext so vollmundig behauptet wird. (Mit etwas so Großem hätte ich zwar auch nicht gerechnet, aber nicht mal ein ganz kleines Geheimnis wird enthüllt...) Wenn man sich nur ein bisschen in der World of Darkness auskennt, kann man leider kaum etwas Neues aus diesem Buch ziehen. Im Vergleich zu anderen Clanbüchern (Ravnos z.B.) kann es qualitativ nicht mithalten. M.A. nach das einzige Clanbuch, das die vorherige Edition nicht übertrifft. Schade eigentlich.

 

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Clanbuch: Lasombra

Autor: Bruce Baugh

Verlag: Feder & Schwert

ISBN: 3-935282-78-8

Erschienen: Oktober 2003

Erhältlich bei: Amazon

 


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Erstellt: 18.07.2005, zuletzt aktualisiert: 19.01.2015 08:29