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Cleopatra – Schicksal einer Königin (PC)

Rezension von Björn Backes

 

Alexandria im Jahre 48 vor Christus: Nach der zerbrochenen Ehe zwischen Cleopatra VII: und ihrem Ehemann und Bruder Ptolemäus streiten die beiden um den ägyptischen Thron. Ihr Bestreben führt sie in einen erbitterten Bürgerkrieg mit allerlei Ränken und Intrigen. Auch die Königin ist mit allen Wassern gewaschen und entsendet ihren Chefastrologen Akkad, in einer geheimen Mission die Machtergreifung vorzubereiten. Doch Akkad verschwindet spurlos vom Erdboden und hinterlässt eine ratlose Königin. Thomas, der Liebhaber von Akkads ebenfalls verschwundener Tochter, erfährt als erster von seinen verschollenen Angehörigen und lässt keine Zeit verstreichen, nach ihnen zu suchen. Allerdings scheint hinter dem Verschwinden der beiden mehr zu stecken. Ohne zu zögern stürzt sich der Protagonist also in ein mystisches Abenteuer voller Rätsel und Kniffe, die es zu lösen gilt, will er seine Geliebte und ihren Vater wieder sehen. Doch erste Blutspuren im Garten der Pyramiden verheißen nichts Gutes…

 

 

Das Spiel:

 

Es ist eigentlich erstaunlich, dass der Mythos um die sagenumwobene ägyptische Königin bislang so wenige Designerfirmen dazu veranlasst, ein Computerspiel um das Schicksal Cleopatras herum zu stricken. Dementsprechend neugierig durfte man auf den neuesten Prioritäten-Titel aus dem Hause rondomedia sein, dessen verheißungsvolle Überschrift darauf schließen ließ, dass wir an Cleopatras Seite einige waghalsige Abenteuer erleben dürften.Dem ist aber schlussendlich doch nicht so; die Heldenrolle in „Schicksal einer Königin“ übernimmt nämlich eine unscheinbare Figur namens Thomas, der zwar indirekt im Auftrag der Königin handelt, sich dabei insgesamt auch weitestgehend auf historischen Fakten stützt, aber letztendlich doch zumeist eigenständig durch ein klassisches Point & Click-Adventure navigiert.

 

Thomas Reise beginnt in unmittelbarer Nähe der Pyramiden, wo er erste Papyrusrollen entdeckt und darauf erste Hinweise über den möglichen Verbleib der beiden Gesuchten findet. Mit seinen ersten Gegenständen ausgestattet jagt er durch die Gruft, entschlüsselt kryptische Codes, stöbert in den finstersten Gemächern und folgt selbst den kleinsten Spuren in diesem Verwirrspiel. Jedoch steuert man nicht blindlings durch die Botanik. Eine Übersicht des bisherigen Dialogs unterstützt die Navigation ebenso wie eine Art Tagebuch, in dem die wichtigsten Ereignisse und Fundstücke niedergeschrieben und abgebildet sind. Gerade im späteren Verlauf stellt sich diese Eigenschaft als äußerst wertvoll heraus, da somit eine kontinuierlich gute Spielübersicht gewährleistet ist.

 

Der Spielaufbau ist unterdessen absolut logisch; manche Rätsel erwecken zwar den Anschein, als könnten sie nicht prompt gelöst werden, aber wirklich frustrierende Momente erlebt man nicht, da die Lösung eigentlich immer in direkter Nähe wartet – was aber nicht bedeuten soll, dass der Anspruch deswegen in irgendeiner Form geschmälert wird. Lediglich an einem ansprechenden Umfang hapert es, was zumindest Adventure-Kenner am Ende beklagen könnten. Mit etwas Mühe ist das Abenteuer in 5-6 Stunden bewältigt.

 

Neueinsteiger dürften zwar ein paar Stündchen mehr vorm Schirm sitzen, was aber eher am Schwierigkeitsgrad mancher Rätsel als an der üppigen Ausstattung liegt. Sei’s drum: Spannend ist „Cleopatra – Schicksal einer Königin“ allemal.

 

 

Technik/Grafik:

 

Auf technischer Ebene erlaubt sich das Spiel keine Schwächen. Sieht man mal von der bisweilen etwas holprigen Steuerung ab, der es manchmal ein wenig an Präzision mangelt, ist das Point & Click-System sehr gut ausgereift und auch verhältnismäßig leicht zu händeln. Des Weiteren ist die Ego-Perspektive überraschend gut umgesetzt; hier und dort entgehen bei den Wendungen des zu steuernden Charakters zwar noch ein paar Details, aber auch wenn man vielen Dingen je nach Perspektive den Rücken zukehrt, ist die Spielübersicht insgesamt richtig gut. Positiv fällt auch die feine Menüführung auf. Die vielen Items lassen sich einfach ins Spiel einbeziehen und durch das Dialog- und Tagebuch-System ist unsinnigem Umherirren spielerisch vorgebeugt.

 

Die Grafik hingegen muss man unter zweierlei Aspekten betrachten: Einerseits sind die Umgebungen des Adventures häufig nur spärlich ausgestattet, soll heißen hier wird auf den klassischen Pomp bevorzugt verzichtet. Allerdings ist die Optik dennoch bestechend scharf und unterlegt die mystische Spielatmosphäre jederzeit richtig schön. Die Darstellungen der Pyramiden, Skulpturen und der vielen Artefakte sind einfallsreich und richtig stimmig und runden diesbezüglich das überzeugende Gesamtbild ab. In dieselbe Kerbe schlägt im Übrigen auch der Sound. Die dezente Hintergrundmusik wird von einer anständigen Sprachausgabe unterstützt, in der die Atmosphäre ebenfalls entsprechend zur Geltung kommt. Ergo: Die Rahmenbedingungen sind insgesamt nahezu uneingeschränkt überzeugend ausstaffiert.

 

 

Spielspaß:

 

„Cleopatra – Schicksal einer Königin“ birgt zwar noch keine Suchtgefahr, ist für ein Independent-Adventure aber wirklich ein richtig anständiger Titel. Der Schwierigkeitsgrad ist besonders für Neueinsteiger sehr angemessen, was jedoch nicht bedeutet, man könne das Spiel im Durchmarsch bewältigen. Den Frustfaktor haben die Designer allerdings durch den logischen Aufbau der Rätsel vollständig ausgeschaltet, was angesichts manch kniffliger Situation durchaus angenehm ist.

 

Was den Spielspaß anbelangt, so ist das Adventure grundsätzlich so lange interessant, bis man zum ersten Mal am Ende angelangt ist – klarer Fall. Darüber hinaus schwindet die Motivation aber leider ein wenig, auch wenn man zu Beginn des Spiels durch die Wahl des Sternzeichens noch einen geringen Einfluss auf den individuellen Spielverlauf hat. So individuell wie erhofft ist das Ganze letztendlich aber nicht, so dass ein kompletter Durchgang den Spielreiz erheblich schmälert. Neue Rätsel oder ergänzende Szenarien gibt es nach dem Neustart nämlich leider nicht zu bewundern, sodass das Spiel insgesamt doch recht limitiert ist. Hinzu kommt die Einschränkung durch den vergleichsweise recht knappen Umfang, der mit besagten 5-6 Stunden zwar noch im Rahmen ist, für den gehobenen Anspruch aber dennoch ein wenig zu wünschen übrig lässt.

 

Dies alles steht im Widerspruch zum wirklich guten Adventure-System, welches an sich mächtig Spaß bringt, wegen der genannten Beschränkungen aber leider zu limitiert ist, um langfristig zu überzeugen aber leider zu limitiert ist. Dementsprechend ist „Cleopatra – Schicksal einer Königin“ für die zwischenzeitliche Kurzweil eine sehr, sehr gute Alternative, für intensiveren Adventure-Genuss aber eben nur bedingt geeignet – was bei dem Potenzial wiederum sehr schade ist!

 

 

Fazit:

 

Bevor man sich mit dem Abenteuer aus Cleopatras nächster Umgebung auseinandersetzt, muss man zunächst abwägen, inwiefern man bereit ist, den Neupreis von knapp 40€ für ein relativ kurzes Adventure zu investieren. Dass die Spielmechanismen und das Point & Click-System völlig ausgereift sind, steht zwar außer Frage, ebenso die Tatsache, dass „Schicksal einer Königin“ an sich ein sehr gutes Spiel ist. Nur stehen dem eben der recht limitierte Umfang sowie das durchweg lineare Spielgeschehen entgegen, welche das Spiel nach einem Komplettdurchgang weniger reizvoll gestalten. Daher entscheide bitte jeder selbst, jedoch noch einmal mit dem Hinweis, dass der Spaß- und Rätselfaktor beim ersten Durchgang wirklich sehr hoch ist.

 

 

Eure Meinung:


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Spiel:

Cleopatra – Schicksal einer Königin (PC)

rondomedia

USK: Freigegeben ab 12 Jahren gem. 14 JuSchG

Erscheinungstermin: 12. März 2008

ASIN: B0012JPDU0

Erhältlich bei: Amazon

 

Systemvoraussetzungen:

 

  • Prozessor 800 MHz
  • 3D-Grafikkarte mit 64 MB
  • Win 98SE / 2000 / XP / Vista
  • 256 MB RAM

 

 

 


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Erstellt: 17.04.2008, zuletzt aktualisiert: 16.08.2019 14:42