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Clive Barker’s Dread (DVD; Horror; FSK 18)

Rezension von Torsten Scheib

 

Rezension:

Irgendwo, am Rande einer kleinen Uni: Der Filmstudent Stephen Grace (Jackson Rathbone) nutzt seine karg bemessene Zeit für ein kleines Raucherpäuschen, als ein Fremder hinzu stößt. Mit seiner selbstsicheren und leicht exzentrischen Art gewinnt Quaid (Shaun Evans) sein eher schüchternes Gegenüber rasch für sich – und für sein nicht minder exaltiertes Filmprojekt; eine verwegene Mischung aus soziologischem Experiment und Dokumentation. Mittelpunkt des Ganzen sind Zwänge, Furcht und deren Ursprünge in all ihren schimmernden Facetten sowie die direkte Auseinandersetzung mit ebendiesen. Probanden beziehungsweise erzählfreudige Freiwillige sind schnell gefunden und füllen den Kameraspeicher rasch mit Material. Doch nach Quaids Meinung sind mit tränenerfüllten Augen und erstickter Stimme vorgetragene Geständnisse über Phobien aller Art nicht intensiv genug. Er braucht das wahre Antlitz der Angst; will in die Augen des Wahns starren und der Welt mitteilen, welche Abgründe sich dort aufgetan haben!

Verständlich, dass Stephen und den beiden, ebenfalls in das Projekt involvierten Studentinnen nicht ganz wohl bei der Sache ist. Doch letztlich überwiegt Quaids Begeisterung und verdrängt eventuelle Zweifel. Dabei kennen weder Stephen noch die beiden jungen Frauen Quaids wahre Intentionen, die einem ebenso traurigen wie entsetzlichen Hintergrund entstammen – noch sind sie sich der Grenze gewahr, welche dieser bereits überschritten hat …

 

Clive Barker. Bücher des Blutes. Welcher Horror-Connaisseur bekommt da keine weichen Knie? Und das vollkommen zu Recht. Barkers legendäre Erzählungen kamen Anfang der 80er Jahre wie ein Nuklearangriff daher und erschütterten das Genre nachhaltig. Dieser Mann und dessen Geschichten waren anders, intensiver, visionärer und teilweise blutrünstiger als ein Großteil seiner Vorgänger und brachte selbst Ikonen wie Stephen King dazu, unverblümt vor dem neuen Großmeister des Grauens auf die Knie zu fallen und ihm ihre Wertschätzung zu zollen. Mehr als ein Vierteljahrhundert hat sich daran nicht viel geändert; spielt Barker noch immer in einer eigenen Liga – literarisch zumindest. Im filmischen Bereich sieht es leider nicht ganz so rosig aus. Die letzte Barker-Adaption, die offiziell im Kino lief? Lang, lang ist’s her. Muss wohl Candyman aus dem Jahre ´92 gewesen sein. Und was danach folgte, erschien den hiesigen Kinobetreibern einfach nur schlecht – oder war es auch. Besonders die Milchkuh namens Hellraiser wurde dabei ausgeschöpft bis zum Gehtnichtmehr; folgte eine grottige Direct-to-Video-Veröffentlichung nach der anderen. Unter Filmschaffenden assoziierte man plötzlich mit dem Namen Barker weder packendes Grauen noch grenzenlos-düstere Vorstellungskraft, sondern stempelte ihn ohne große Umwege gleich als Kassengift ab.

Gottlob hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren ein wenig getan. Neben der, bei uns mal wieder zensierten Adaption seines Krachers Midnight Meat Train wurden inzwischen auch andere Segmente der Blutbücher bearbeitet und/oder verfilmt. Nach dem – zugegebenermaßen – etwas blutarmen Book of Blood (2009) wagte sich der noch relativ unbekannte Regisseur Anthony DiBlasi nun an den Moloch Angst, so der deutsche Titel der Vorlage. Allerdings bekam er vom Meister himself Unterstützung. Und so darf Barker der Kredit als Co-Drehbuchautor ebenso zugeschrieben werden wie der Posten des Produzenten. Gottlob ist Barkers Handschrift unverkennbar. Statt auf die x-te Hochglanzslasherroutine zurückzugreifen, wird sich Zeit genommen. Für die einzelnen, sorgsam durchdachten Charaktere. Zeit für das langsam, aber sicher aus dem Ruder laufende Psycho-Experiment, das letztlich auf ein nervenaufreibendes Kammerspiel zwischen Stephen und Quaid hinausläuft. Hie und da muss man sich zwar eingestehen, dass auch ein Film wie „Dread“ nicht drum herumkommt, gewisse Avancen an Saw und Konsorten zu machen, stets aber galant die Kurve bekommt, ehe das Ganze dann doch zu offensichtlich zu werden droht. Wie bereits erwähnt, müssen Liebhaber der etwas härteren Gangart zwar warten, werden aber letztlich durch ein Finale entschädigt, das alles bereithält, was deren Pulsschlag beschleunigen sollte: Selbstverstümmelung, madenzerfressene Nahrungsmittel und axtschwingende Opfer inklusive, aber nicht um des reinen Selbstwillens wegen. Ein großes Lob gilt aber auch den – ebenfalls – überwiegend unbekannten Akteuren, die ihre Aufgaben von sehr gut bis hervorragend meistern. Insbesondere Shaun Evans als Quaid liefert hierbei eine ziemlich beeindruckende Vorstellung ab; findet die perfekte Balance zwischen lässigem Obermacker und reichlich durchgeknalltem Spinner.

 

Fazit:

Endlich mal wieder eine Clive Barker-Verfilmung, die der Vorlage gerecht wird! Aber Vorsicht – statt Hochglanzoptik und austauschbarer Mimen wird hier intelligente Hochspannung serviert, die durch die eine oder andere ziemlich heftige Einlage noch zusätzlich an Fahrt gewinnt.

Eure Meinung:


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DVD:

Clive Barker’s Dread

Großbritannien, 2009

Original: Dread

Regie: Anthony DiBlasi

Drehbuch: Clive Barker, Anthony DiBlasi – basierend auf der Kurzgeschichte „Moloch Angst“ von Clive Barker

Musik: Theo Green

Format: Dolby, DTS, PAL, Widescreen

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Region: 2

Bildseitenformat: 16:9 - 2.35:1

Anzahl Disks: 1

FSK: 18

Sunfilm, 7. Mai 2010

Spieldauer: 90 Minuten

Extras: Making Of

 

ASIN: B0036U8T5Y

 

Erhältlich bei Amazon

 

Darsteller:

Jackson Rathbone

Shaun Evans

Paloma Faith

Hanne Steen

Laura Donnelly

Jonathan Readwin


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Erstellt: 24.05.2010, zuletzt aktualisiert: 27.03.2020 10:23