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Cocaine Cowboys (DVD)

Filmkritik von Cronn

 

Das Filmfach der Dokumentationen ist in den letzten Jahren vielfach einer Wandlung unterworfen. Diese Medienform hat wie kaum eine andere sich den veränderten Lebensumständen und Sehgewohnheiten des modernen Publikums anpassen müssen, um nicht unter die Räder der Konsumgesellschaft zu kommen.

Moderne Dokumentationen haben nichts mehr gemein mit den heutzutage als dröge und langweilig empfundenen Filmstreifen, die noch vor einem Jahrzehnt produziert wurden. Heute müssen Dokumentationen mit den Sehgewohnheiten der modernen Zeit Schritt halten und sie tragen diesem Umstand durch ihre veränderte Machart durchaus selbstbewusst Rechnung.

Lange Jahre galten Dokus als etwas elitäres, das das Zuschauen lediglich den Zuschauern von Arte oder Phoenix angemessen sei. Dokumentationen seien Kassengift, brächten nichts den Produzenten und Studios ein. Doch diese Ansicht ist schon lange vorbei.

Bowling for Columbine markiert einen Wendepunkt hierbei und zeigte deutlich, dass auch Dokumentationen für volle Kassen sorgen können.

Beim renommierten DVD Verlag Ascot Elite Entertainment ist dieser Tage eine Dokumentation erschienen, die sich mit einer besonderen Zeit der Vergangenheit auseinandersetzt. Es geht um den Aufstieg Miamis zur glitzernden Metropole der 80er Jahre, wobei aber dies auf die Machenschaften der Drogenmafia größtenteils zurückführt.

 

Der Titel der Dokumentation lautet Cocaine Cowboys.

 

Inhalt:

Bevor die kritische Würdigung des Films erfolgt, soll hier ein Einblick in den Inhalt des Streifens geschehen.

Bill Corbens rasanter Film lässt die blutige Realität hinter Filmen wie Scarface und Blow und der Kultserie Miami Vice lebendig werden:

Alles in Miami drehte sich in den frühen 80er Jahren um Drogen. Die Grenzen waren weit offen, die ganze Stadt vibrierte im Koksrausch. Columbianer überschwemmten den ehemals beschaulichen Ort mit Stoff.

Als cubanische Dealer ihnen den Markt streitig machten, brach schließlich ein blutiger Krieg aus. In keiner US-Stadt gab es mehr Morde pro Jahr.

Zeitzeugen – Dealer, Killer, Drogenkuriere, Ermittler, Reporter – schildern, wie Miami zum lukrativsten und tödlichsten Ort Amerikas wurde. Und wie mit Hilfe gewaschener Drogengelder die glitzernde Strandmetropole entstand, die heute so beliebt ist.“

Soweit die inhaltliche Fassung. Nun zur Kritik des Films.

 

Kritik:

Billy Corben hat mit „Cocaine Cowboys“ eine Dokumentation erstellt, die auf mehreren Ebenen funktioniert. Zum einen zeigt sie vermeintlich kommentarlos in den Interviews die Seite der Gangster und auch der Polizei nebeneinander. Dennoch ist auch hier ein Kommentar vorhanden, auch wenn ihn niemand spricht. Der Kommentar besteht vielmehr aus der Auswahl der Szenen, dem Kamerawinkel, etc. – all dies macht der Regisseur willentlich und daher darf man dies als stillen Kommentar betrachten.

Daneben ist „Cocaine Cowboys“ unterhaltsam. Eingestreute kleinere Spielszenen verdeutlichen die manchmal lediglich gesprochenen Inhalte. Und die Geschichten der beiden Parteiungen, Verbrecher und Polizei, sind ohnehin höchst spannend und manchmal auch lustig.

Somit ist „Cocaine Cowboys“ in beiden Fächern gelungen, sowohl im ernsten, dokumentarischen, als auch im unterhaltenden Fach. Der Streifen zeigt somit wieder einmal, dass beide Pole sich nicht ausschließen müssen, sondern sich im besten Fall gegenseitig ergänzen sollen.

Die Musik zu „Cocaine Cowboys“ hat übrigens kein geringerer als der Komponist Jan Hammer erschaffen, der schon für die TV-Serie „Miami Vice“ als musikalischer Konzeptionist wirkte. „Miami Vice“ griff in den 80er Jahren die Thematik des Drogenmilieus in Miami aktuell auf und hat damit heutzutage eine bereits legendäre TV-Geschichte geschrieben.

 

Bonusmaterial:

An Zusatzmaterial ist eine kleinere Dokumentation mit auf der Silberscheibe, die sich mit der Gangster-Königin Griselda Blanco beschäftigt, jener berüchtigten Verbrecherin, die einen der blutigsten Bandenkriege in der Geschichte des organisierten Verbrechens anzettelte und als „Schwarze Witwe“ bekannt wurde.

Daneben existiert noch eine Sektion mit entfallenen Szenen, die zusammen gut eine halbe Stunde Laufzeit haben.

 

Fazit:

„Cocaine Cowboys“ ist ein Film, der als Dokumentation interessant ist, als zeitgeschichtliches Faktum spannend mit Fiktion-Szenen angereichert ist und zusammen bestens unterhält.

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Eure Meinung:

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DVD:

Cocaine Cowboys

USA 2006

Regie: Billy Corben

Komponist: Jan Hammer

Format: Dolby, PAL, Surround Sound

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1

Umfang: 1 DVD

FSK: 16

Ascot Elite, 17. Juli 2008

Spieldauer: 119 Minuten

 

ASIN: B0018TF6JC

 

Erhältlich bei: Amazon

 

Mitwirkende:

Jon Roberts

Al Sunshine

Sam Burstyn

Mickey Munday

Bob Palumbo

Toni Mooney

Edna Buchanan

Joseph Davis

Al Singleton

Louis Caruso

Raul Diaz

Jorge Ayala

Nelson Andreu


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Erstellt: 24.10.2009, zuletzt aktualisiert: 01.07.2021 19:02