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Conan von Robert E. Howard

Rezension von Christian Endres

 

Dies, meine Damen und Herren, liebe Kinder und Hardcore-Sword-and-Sorcery- Fans, ist, worauf Leser und Liebhaber seit Ewigkeiten, ja seit dem Untergang von Atlantis oder der Blütezeit des Königreichs Aquilonien warten; etwas, dem sie entgegenfiebern, seit ihre altehrwürdigen Terra-Fantasy-Ausgaben leicht ramponiert und zerlesen im Regal stehen und auf eine würdige (!) Ablösung sowie den wohlverdienten Ruhestand warten; etwas, wonach ich mich seit Jahren sehne: eine ultimative Conan- Werkausgabe!

 

Vor ein paar Jahren hat ein amerikanischer Kleinverlag das ebenso ehrgeizige wie ehrbare Ziel vor Augen gehabt, eine originalgetreue, unverwässerte und vor allem unverfälschte Werkausgabe der Geschichten von Robert E. Howard zu schaffen, wie es sie bis dato in dieser Form noch nicht gegeben hat und eigentlich schon seit Jahrzehnten hätte geben müssen, um den Träumer aus Texas und seine unvergesslich-unvergleichlichen Schöpfungen und die um diese angesiedelten Geschichten (zumeist Kurzgeschichten) gebührend zu würdigen: Erstmals in chronologischer Reihenfolge, vollständig und dank einer regen Mitarbeit von Rusty Burke (einem der Howard-Experten unserer Zeit) und Glenn Lord (Howards fleißigem Nachlassverwalter) so nahe wie möglich an den originalen Manuskripten von REH, illustriert von wahren Meistern ihres Faches (Mark Schultz, Gary Gianni) und vor allem in bibliohphil hochwertiger Aufmachung präsentierte man dem erwartungsfrohen Fan eine bis dahin einmalige Howard-Werkausgabe, die ihren Titel wahrlich verdient hatte, jedoch nicht ganz so günstig zu erstehen war. Diese Bände (»The Coming of Conan the Cimmerian«, »The Bloody Crown of Conan«, »The Conquering Sword of Conan«, »Bran Mak Morn: The Last King«, »The Ultimate Triumph«, »The Savage of Solomon Kane« und, geplant für Oktober 2006, »Kull«) wurden vor nicht allzu langer Zeit dann bei Randomhouse bzw. Delrey Books im hochwertigen, etwas preiswerteren und damit erschwinglicheren Paperbacks veröffentlicht, nach wie vor illustriert und sehr schön aufgemacht und inhaltlich identisch mit den Wandering-Star-Ausgaben. Hierzulande nun knüpft Heyne an diese lobenswerte »Tradition« an und veröffentlicht den ersten Band besagter Werkausgabe, wobei es natürlich ungemein freut, dass zumindest die nächsten beiden Conan-Bände im Vorwort des deutschen Tradepaperbacks schon angekündigt werden und Band zwei bei den Onlinehändlern und auf der Verlagswebsite schon für August 2006 angekündigt und vorbestellbar ist. Bei den anderen, nicht weniger lesenswerten Kandidaten aus Howards Feder wird es wohl trotzdem wieder eine Zitterpartie werden, falls sie überhaupt fest eingeplant sind. Die Sammlerpreise für den »Bastei-Bran-Mak-Morn« aber sollten hier deutlich zeigen, dass eine Neuausgabe im Paperback wünschenswert und durchaus sinnig wäre ...

 

Doch das sei, wie es will: Auf so eine Conan-Ausgabe hat man hierzulande jedenfalls lange genug warten, ja und schlimmer, bis dahin immer mit den »DeCamp-Verunstaltungen« von Howards Stories Vorlieb nehmen müssen, was Howard so oder so in keinster Weise und zu keinem Zeitpunkt wirklich gerecht geworden ist. Zwar ist der hier vorliegende Band zugegebenermaßen bereits einmal innerhalb der aufgrund der allseits bekannten Lizenzproblematik vor zwei, drei Jahren leider viel zu früh eingestellten Meisterwerke-der-Fantasy-Reihe erschienen und gleicht dem jetzigen Trade inhaltlich bis aufs tiefschwarze Barbarenhaar, doch sollte dieser Umstand den wahren Fan nicht stören oder gar abschrecken – warum, das wird spätestens klar, wenn wir weiter unten zur Aufmachung dieses Bandes oder den darin enthaltenen Illustrationen kommen werden.

 

Ich bin mir nicht sicher, was man über Robert E. Howard und sein Wirken, sein Schaffen oder sein Vermächtnis, ja seine immense Bedeutung für die phantastische Unterhaltungsliteratur heute noch (oder schon wieder) sagen muss. Fakt ist jedoch, dass der Texaner, der sich im Alter von dreißig Jahren viel zu früh das Leben nahm, eine Reihe bemerkenswerter Figuren und eine Reihe noch bemerkenswerterer Geschichten geschaffen hat, die man immer wieder lesen kann, ohne dass sie ihre Faszination verlieren. So ging es mir dann natürlich auch beim diesmaligen, abermaligen Lesen von Geschichten wie »Der Turm des Elefanten«, »Ymirs Tochter« oder »Die Königin der Schwarzen Küste« und anderen bemerkenswerten Kurzgeschichten aus dem Hyborischen Zeitalter, allesamt herausragende Genrevertreter mit kräftiger, intensiver Sprache und einer tiefen Atmosphäre. Diese Geschichten kann man gar nicht oft genug lesen oder sich gar an ihnen sattlesen, und einmal im Jahr gehören sie einfach zum Pflichtprogramm des Freunds klassischer phantastischer Literatur.

 

Man ist Anfang 2006 auf dem richtigen Weg, was die Aufmachung von Fantasybüchern angeht. Selbstverständlich mag ich auch das traditionelle, schlichte Design von Büchern, mit dem ich schließlich ja erst in die Materie hineingewachsen bin, aber wenn man ein eben solches Produkt mit den heutigen technischen Möglichkeiten der Druckindustrie verbindet, dann ist das Ergebnis einfach nur als gelungen zu bezeichnen: Ein stimmungsvolles Titelbild von Charles Keegan (welcher auf der Verlagshomepage übrigens irrtümlich als Illustrator angegeben wird; bei einem Internetbuchhändler aber sogar als Übersetzer), der »aktuelle« Conan-Schriftzug, wie man ihn derzeit auch in den USA (beispielsweise bei den Dark-Horse-Comics oder dem sich in der Mache befindenden Animationsfilm Conan: Red Nails) verwendet, und natürlich die Veredelung eben jenes hübschen Schriftzuges auf Titel, Rückseite und dem plakativen Buchrücken sind schon eine Wucht und macht einiges her. Und steht das dicke, über 700 Seiten starke Trade so im Regal, stellt es die meisten der dort ansässigen Bücher ohne Mühe in den Schatten und dominiert die Reihe, wie es auch Conan in einer Reihe Männer stets zu tun pflegt. Abgesehen von einem etwas strengen Papiergeruch gibt es an dieser Aufmachung wahrlich nichts zu meckern. Nein, für so eine Aufmachung gibt es von mir sogar die Höchstnote, denn meine Begeisterung für Verarbeitung und Gestaltung und den Umgang mit Druckveredelung hält nach wie vor an.

 

Die Innen-Illustrationen von Mark Schultz, die den gesamten Text stimmungsvoll begleiten und zur gelungenen Aufmachung des Buchblocks einiges beitragen, haben vor allem einen Vorteil: Sie orientieren sich zwar an Frazetta und Co, sind aber dennoch gänzlich eigenständig und schlagen eine Brücke zwischen den klassischen Fantasy-Illustrationen und einem modernen, kraftvollen Artwork, das Howards Sprache in nichts nachsteht und Conan vor allem nicht als Schwarzenegger-Klon darstellt. Diese Ausgabe rühmt sich einer perfekten Symbiose von Texten und Bildern, deren Inhalte mehr sind als eine bloße Interpretation sind und im großformatigen Paperback noch besser zur Geltung kommen als im handlichen Taschenbuch der Meisterwerke-Ausgabe. In Band zwei, der sich mit den Conan-Geschichten aus dem Jahr 1934 beschäftigt, wird Schultz im August dann von Gary Gianni abgelöst, welcher zwar einen gänzlich anderen, jedoch nicht minder beeindruckenden Strich hat – soviel sei an dieser Stelle schon einmal verraten ...

 

Abgerundet wird die Aufmachung des ersten Conan-Bandes von einigen Karten (sowohl Originalmaterial von Howard, als auch die altbekannte Karte von Erhard Ringer), die in den redaktionellen Anhang des Buches integriert sind, welcher neben einem Quellenverzeichnis und Bemerkungen zu den Veröffentlichungen oder Überarbeitungen im Übrigen auch mit einigen anregende Gedanken und Informationen zu Howard und dem von diesem geschaffenen Hyborischen Zeitalter, aber auch mit interessanten Original-Exposes von Robert E. Howard oder verworfenen Fassungen manch einer der hier abgedruckten Geschichten aufwarten kann.

 

Fazit: Für 13,- Euro bekommt der geneigte Fantasy-Leser hier ein Urgestein der phantastischen Literatur in einer grandiosen Aufmachung präsentiert, dessen inhaltliche Qualität selbstredend über jeden Zweifel erhaben ist. Eine exzellente redaktionelle Betreuung, eine nur leicht modifizierte Übersetzung von Lore Straßl, die schon in den damaligen Terra-Fantasy-Bänden zu überzeugen gewusst hat, eine Vielzahl prächtiger Innen-Illustrationen von Mark Schultz sowie einige Farbtafeln auf Hochglanzpapier machen das erste Tradepaperback mit Conans Anfängen aus den Jahren 1932/33 zu einem Erlebnis, das alte wie neue Fans begeistern wird und eine sichere, gute Investition für den Freund guter, klassischer bzw. zeitloser Phantastik ist.

 

Bei Crom, für dieses Buch kann es nur eine Empfehlung geben!

 

 

 

Für weitere Informationen zu Robert E. Howard und dessen Wirken und Leben lohnt aktuell ein Blick in »Phase X #1, das Magazin für Phantastik« (ISBN: 3936742359, Atlantis Verlag, Februar 2006), in welchem Howard als erster Autor stilgerecht und obendrein in einer Ausgabe mit dem Themenschwerpunkt »Helden« in die Hall of Fameaufgenommen worden und mit einem ausführlichen Artikel gewürdigt worden ist.

 

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Eure Meinung:

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Anzeige: 1 - 2 von 2.

Alexander
Sonntag, 12. März 2006 21:39 Uhr
Endlich einmahl alle Original Howard Stories gesammelt in einem dicken, wunderschön illustrierten Paperback. Auf so eine Ausgabe habe ich mich schon lange gefreut. Für jeden Conan- und Fantasy Fan ein Muß!

Alandor
Dienstag, 21. Februar 2006 17:37 Uhr
Habe das Buch auch gekauft kann mich der Lobpreisung nur anschließen.
Auf einer Skala von 1-10 erhält dieser Band von mir eine 12.
Für Conan Fans ein Muss!


AL

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Buch

Titel: Conan, Bd. 1

Reihe: Conan-Werkausgabe

Autor: Robert E. Howard

Illustrator: Mark Schultz

Verlag: Heyne

Seitenzahl: 768

ISBN: 3453520696

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 14.02.2006, zuletzt aktualisiert: 19.02.2019 09:40