Cthuloide Welten Nr.5
 
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Cthuloide Welten Nr.5

Rezension von Michel Bernhardt

 

 

Edel und informativ geht die Cthuloide Welten in die fünfte Runde. Dass es sich beim offiziellen deutschen Cthulhu-Magazin um etwas ganz besonderes handelt, ist der Leserschaft bereits seit längerem bekannt, wie man anhand der vielen positiven Kritiken erkennen kann. Auch diesmal hat sich das Pegasusteam um Frank Heller wieder erfolgreich große Mühe gegeben, auf knapp 100 Seiten eine informationsreiche und innovative Ausgabe zu präsentieren, welche den Cthulhu-Kosmos für Spieler, Spielerleiter und Fans um ständig neue interessante Facetten ergänzt und der Welt des H. P. Lovecraft kontinuierlich weitere Vitalitätsschübe einhaucht.

 

Nach einem kurzen Vorwort wird der Leser auf vier Seiten über die aktuellen Neuigkeiten und bevorstehenden Publikationen zum Thema Cthulhu informiert. Anschließend geht’s in ein dunkles Zwischenreich – eine finstre Dimension, aus der Nachtmahre die Insassen einer Bostoner Psychiatrie plagen und den Gerüchten über den sagenumwobenen Dracula ein ganz neues, erschreckendes Antlitz verleihen. Die vier Seiten stellen kein abgeschlossenes Abenteuer dar, sondern verstehen sich eher als Settingbeschreibung und Storyhook für den Erzähler. Vier handschriftliche Protokolle eines behandelnden Arztes der Anstalt über seltsame Phänomene unter den Patienten lassen sich gut als Handout verwenden, um den Spielern die Atmosphäre der Situation näher zu bringen. Auf den folgenden Seiten lässt der Leser den Bundesstaat Massachusetts hinter sich, um sich einer fernen Insel in der Ägäis zu zuwenden: Kreta, Wiege einer der ältesten Kulturen des europäischen Raums. Vor Jahrtausenden blühte hier das minoische Reich, bis ein altes Geheimnis aus Mesopotamien letztendlich den Untergang der Kultur besiegelte. Es obliegt den Spielercharakteren dieses Geheimnis im sechsundzwanzig Seiten langen Abenteuer „Das Geheimnis von Knossos“ von Günther Dambachmair & Matthias Oden zu ergründen, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen, geschweige denn, den Verstand zu verlieren. Vom feurigen Süden gelangt man sodann mit der Fortsetzung der Cthulhu-Regionalia ins norddeutsche Mittelgebirge. Der Harz mit all seinen verborgenen Besonderheiten wartet auf den Leser und lädt ein, in verschlafene Kurorte, tiefe Wälder und dunkle, schattige Bergtäler. Stefan Geister & Eva Ponick haben auf fünfundzwanzig Seiten ein hervorragendes Portrait eines vielfältigen Settings geliefert, voller Informationen über Land und Leute, diversen Ortschaften und mysteriösen Lokalitäten sowie selbstverständlich einer ordentlichen Portion okkulter Hintergründe. Aufgelockert wird die Harz-Beschreibung durch zeitgenössische Photos und Landkarten, wobei sich zudem für den Spielleiter verschiedene Szenarioideen vorfinden, die sich mit etwas Eigenarbeit mehr oder minder schnell zu einzelnen Abenteuern ausbauen lassen. Nach den Harzinformationen wartet ein Artikel über Automobile der 20er Jahre in Deutschland auf den geneigten Leser – denn auch in den Goldenen Zwanzigern sollte man wissen, dass man vor den leibhaftigen Schrecken des Mythos besser in einem Szawe als in einem Mollmobil flieht! Zusammen mit über zwanzig Beschreibungen diverser Automobilmodelle samt Photographien bringt dieser Artikel noch mehr Licht in die Welt der fahrbaren Untersätze von damals. Anschließend geht es mit einer weiteren Errungenschaft der menschlichen Zivilisation weiter: Der nun besprochene Gegenstand ist wesentlich älter, zugleich extrem viel kleiner, gleichsam aber länglich und war teils – wer hätte das gedacht!? – in der 20ern zu 10% mit Haschisch angereichert. Ganz genau, es geht um die Zigarette. Auf knappen drei Seiten wird die Welt des Glimmstengels vorgestellt und bereichert so die Welt von Cthulhu – trotz eventueller Gesundheitsschäden – um einen kultverdächtigen Aspekt, der sich wunderbar in jede Investigatorengruppe integrieren lässt. Nach der Zigarettenkunde präsentiert Steffen Schütte dem Leser einen neuartigen, und dabei doch eigentlich altbekannten, Charaktertyp: Den Skeptiker, der meint hinter allem und jedem eine rational-vernünftige Erklärung ausmachen zu können. Anschließend folgt, quasi direkt diametral, ein aufschlussreicher Artikel über alle möglichen Formen des landläufigen Aberglaubens – von Hasenpfoten über Katzen bis hin zu Spiegeln –, und der Art und Weise wie sich dieses Thema in ein Cthulhuabenteuer einweben lässt. Im letzten größeren Artikel der Ausgabe wird sodann Charles Fort, der Chronist des Unerklärten, in der Rubrik Personen der 20er Jahre vorgestellt. Hiermit wird dem Erzähler wahrlich ein Unikat an die Hand gegeben, welches glatt Lovecraft selbst als Nichtspielercharakter Konkurrenz machen könnte. Phänomene wie Blutregen, Feuerräder, außerirdische Wesenheiten und dergleichen mehr hat Fort Zeit seines Lebens im Anspruch der Wissenschaftlichkeit kritisch und mit einer Prise Humor archiviert und stellt somit eine wahre Fundgrube für Skurrilitäten aller Art da, die einer mit Fort in Zusammenhang stehenden Cthulhugeschichte einen ganz eigenen Charme verleihen. Eine Liste seiner Werke (samt kurzer Inhaltsangabe), sowie seines gesellschaftlichen Impetus’ runden diese ausführliche Charakterstudie gelungen ab. Der folgende Kurzartikel „Il Richiamo di Cthulhu“ steht ganz in der Tradition der Vorgängerausgabe und widmet sich – nach Frankreich – nun der cthuloiden Spielergemeinde in bella italia. Ein Blick über den Tellerrand ist immer informativ und wieder wird die Gewissheit genährt: Wir sind nicht allein… Zu guter letzt folgt ein Interview mit dem Erfinder des Cthulhu-Rollenspiels, Sandy Petersen, die (vorerst letzte) Vernetzte-Tentakelvorstellung der Domain www.cthulhulive.de und ein kurzer Leitfaden zur alternativen Standup-Charaktererschaffung, wenn’s mal wieder ganz schnell gehen muss.

 

Fünf Euro sind eigentlich viel zu wenig für diese abermals schön gelungene Cthuloide Welten. Aufgrund des geringen Preises und der im Gegenzug servierten überproportionalen Qualitätsgüte kann man eigentlich gar nicht anders, als sofort zu zuschlagen. Wer dies nicht tut, ist selber schuld. Als besonderes Schmankerl bekommt der Leser dieser fünften Ausgabe oben drauf auch noch die besten (wirklich guten!) Ergebnisse eines Cthulhu-Zeichenwettbewerbs, entstanden im Zusammenhang mit dem zehnjährigen Jubiläum der Hannover Spielt Con, zu sehen. Was will man mehr? Cthuloide Welten 6 natürlich! ;-)

 

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Oje, das hat nicht geklappt, Elfenwerk! 202407201014336007d541
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Cthuloide Welten Ausgabe 5

Magazin zu Cthulhu

82 Seiten

Herausgeber: Pegasus Spiele GmbH

Erhältlich bei: cthuloide-welten.de


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Erstellt: 04.09.2005, zuletzt aktualisiert: 21.02.2015 20:47, 1182