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Das Blut von Lyonesse

Reihe: Die Herren von Cornwall, Bd. 1

Rezension von Christel Scheja

 

„Artus und die Ritter der Tafelrunde“ – der zentrale Mythos und die ihm angegliederten Legenden sind nach wie vor im Trend und werden immer wieder gerne aufgegriffen. Zwar haben sich Autoren und Künstler jetzt mehr den historischen Gegebenheiten angenähert und vermischen die Mythen mit keltischem Sagengut, aber im Kern bleiben die Geschichten so erhalten, wie man sie kennt – oder aber steuern auf die entsprechende Geschichte zu.

 

Die vierteilige Comic Serie „Die Herren von Cornwall“, geschrieben von Sylvain Cordurié und gezeichnet von Alessio Lapo ist eine solche Geschichte. Die beiden hierzulande noch unbekannten Künstler widmen sich der Vorgeschichte von Tristan und Isolde auf ganz besondere Art und Weise.

Sie betten das ganze in ein pseudohistorisches Umfeld ein. Alles beginnt damit, dass Duncan, der König von Hibernia seine Aufmerksamkeit auf König Marks Reich Cornwall richtet, weil dessen Verbündeter Artus Pendragon hoch im Norden damit beschäftigt ist, die Invasionen der Scoten und Pikten abzuwehren. Und alleine hat Mark nicht die Macht, einen Überfall auf Dauer abzuwehren.

Derweil spinnt die Fee Gloredell ihre eigenen Intrigen und beginnt damit ihre Schwestern zu ermorden. Denn sie will sich in den Krieg der Menschen einmischen und eigene Vorteile daraus ziehen. Deshalb braucht sie keine Einmischung von Wesen, die ähnlich mächtig wie sie sind.

Derweil führen Tristan und sein älterer Bruder Gethelin ein relativ sorgenfreies Leben auf Burg Tintangel. Allerdings bleiben auch die beiden nicht lange vom Krieg verschont, denn ihr Vater Rivalen schließt sich Mark an, um Cornwall zu verteidigen und muss seine Familie deshalb mit geringem Schutz zurücklassen, nicht ahnend, dass genau diese Burg eines der ersten Ziele von Duncan sein wird.

Derweil finden die Druiden heraus, was Gloredell getan hat, doch es ist bereits zu spät, etwas gegen die Machenschaften der Fee zu tun, denn sie hat bereits ein Bündnis mit dem eroberungshungrigen König von Hibernia geschlossen.

 

Wer erwartet hat, dass der Artus-Mythos eine größere Rolle in der Geschichte spielt, wird enttäuscht, denn Cordurié und Lapo verwenden im Grunde nur ein paar Namen und das Setting, alles andere ist entweder selbst erfunden oder aus anderen Legenden entnommen. Der Sagenkönig selbst wird nur ein paar Mal erwähnt, die Geschichte konzentriert sich ganz auf den Krieg in und um Cornwall.

Der Leser wird erst einmal in das Szenario eingeführt, er erfährt ein wenig über die politische Lage, lernt die wichtigsten Figuren des Dramas kennen und bekommt mit, wie einige von ihnen die Weichen stellen. Dabei springt die Geschichte sehr oft von einem Schauplatz zum anderen, so dass man die meisten Charaktere nur oberflächlich kennenlernt. Immerhin reicht das aus, um an ihrem Schicksal Anteil zu nehmen, auch wenn man insgesamt nicht viel an Entwicklung erwarten darf. Selbst Tristan bleibt in diesem Band noch ziemlich im Hintergrund.

Das ganze ist mit ziemlich vielen Kampf- und Schlachtenszenen garniert, deren Sinn man erst beim zweiten Lesen wirklich versteht. Denn stellenweise nehmen sie der Geschichte etwas von ihrer mythischen Kraft.

Inhaltlich wirkt die Geschichte nicht wirklich neu, verbinden Autor und Künstler doch bisher nur sehr bekannte Versatzstücke der Fantasy miteinander und man hat das Gefühl. Viele Entwicklungen schon von anderer Stelle zu kennen und mehrfach gelesen zu haben. Die Zeichnungen sind zwar sehr detailreich und ordentlich, aber durch den kantigen und harten Stil auch sehr gewöhnungsbedürftig.

 

 

Fazit

 

Alles in allem muss sich „Die Herren von Cornwall“ noch beweisen. „Das Blut von Lyonesse“ ist zwar solide Fantasykost, bringt aber nicht wirklich neue Ideen und Impulse in die Geschichte, da man sich schon irgendwie denken kann, wie das Drama um den machthungrigen König und seine ebenso verderbte Verbündete aus dem Reich der Feen, das unterjochte Cornwall und den zum Waisen gewordenen Jungen weiter geht, wenn man genug Geschichten aus dem keltisch-britannischen Sagenkreis gelesen hat.

Eure Meinung:


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Comic:

Das Blut von Lyonesse

Reihe: Die Herren von Cornwall, Bd. 1

Autor: Sylvain Cordurié

Zeichner: Alessio Lapo

Farben: Olivier Héban

Original: Les Seigneurs De Cornwall: Le Sang du Loonois, FR 2009

Übersetzerin: Monja Reichert

Hardcover-Album, 47 Seiten

Splitter Verlag, erschienen im November 2010

ISBN-10: 3868692320

ISBN-13: 978-3868692327

Erhältlich bei Amazon

weitere Infos:


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Erstellt: 26.01.2011, zuletzt aktualisiert: 10.12.2019 18:33