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Das Graveyard-Buch von Neil Gaiman

Rezension von Christian Endres

 

Man muss nicht mehr viel über Neil Gaiman sagen – außer, dass er dabei geholfen hat, die Fantastik auf den Bestsellerlisten des Anspruchs salonfähig zu machen. Ob Comic, Prosa-Geschichte, Kinderbuch oder zuletzt (und mit Coraline bald auch wieder) Film – wo immer der Brite Hand anlegt, ist der Erfolg nicht weit.

 

Gaimans neustes Werk ist »Das Graveyard-Buch« (den ›Friedhof‹ im Titel hat man glücklicherweise umschifft), das Arena im Januar 2009 dankenswerterweise recht zügig zur Originalausgabe auf den deutschen Markt bringt. Die Geschichte beginnt mit Nebel, einem Jack und einem Messer, einigen tollen Reminiszenzen an Kiplings »Dschungelbücher« und hat zu Beginn überhaupt viel von Peter S. Beagles klugem Debütroman »He, Rebeck!«, der auch größtenteils auf einem Friedhof spielt.

 

Bei Gaiman gibt’s da natürlich dann nicht nur Geister, sondern auch Vampire, Gotteshunde, Hexen, Ghule, den Tod, Hügelgräber und ihre Wächter, gierige Trödler, Prophezeiungen und Killer – wer wie Nobody »Bod« Owens als Ehrengast auf einem Friedhof aufwächst und von Geistern und anderem großgezogen und unterrichtet wird, erlebt eben so manch ein Abenteuer zwischen oder unter den Grabsteinen und erst recht hinter der Friedhofspforte, wo das seltsame Leben lauert. Und dann ist da natürlich noch der Mann namens Jack mit seinem Messer - und ein dunkles Geheimnis aus einer Nacht, der nur ein Baby entkam ...

 

Gaiman nahm Kiplings Mowgli, versetzte ihn in das Setting von Beagles literarische Erstling und verfeinerte das Ganze mit seinem tollen Stil, seinen frischen Ideen und seinen herrlich leichten Dialogen. Irgendwann wird aus der Hommage an zwei Klassiker jedoch ein feiner Coming-of-Age-Roman, der sich schleichend zum Jugendbuch und zur modernen Fantasy wandelt. Wie Protagonist Bod, wächst eben auch Gaimans Roman, wird er erwachsen. Gaiman behält es sich aber auch nach 300 Seiten vor, sein Buch inhaltlich definitiv zur Klassifizierung freizugeben. Einzig und allein zum Schmökern, Abtauchen und Genießen gibt er es her.

 

Ein Genuss ist auch die Aufmachung, mit der man sich richtig Mühe gegeben hat. Eine ausgefallene Metallbox im Look einer alten, efeuüberwucherten Grabplatte dient als Verpackung des kompakten Hardcovers, das wiederum ein Titelbild von Chris Riddell schmückt, dem Illustrator der Klippenland-Chroniken. Da mag man es fast verschmerzen, dass es weder die Illustrationen von ihm, noch die von Dave McKean in die ansonsten wunderschöne deutsche Erstausgabe geschafft haben.

 

Und auch ohne Bebilderung bleibt ein schön eingepackter, großartig geschriebener Roman für Jung wie Alt. Fast so, als hätte Tim Burton Kiplings Mowgli-Geschichten mit Beagles »He, Rebeck!« vermischt und als modernen Stop-Motion-Fantasy-Streifen zum Leben erweckt.

 

Am Ende ist es aber nur die übliche Erzählmagie von Neil Gaiman, diesem großen, kunstvollen Erzähler moderner Pop-Märchen mit dem Charme vergangener Tage.

 

Und das ist mehr als genug.

 

 

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Das Graveyard-Buch

von Neil Gaiman

Hardcover in Metall-Box, 312 Seiten

Arena, Januar 2009

ISBN: 3401063561

Erhältlich bei: Amazon

Weitere Infos:


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Erstellt: 27.01.2009, zuletzt aktualisiert: 16.05.2019 13:46