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Das Imperium der Ameisen von Herbert George Wells

Hörspiel

 

Rezension von Ralf Steinberg

 

Rezension:

Die kleine Folgenreich-Hörspielreihe nach Werken von Herbert G. Wells wird mit einer nicht ganz so bekannten Geschichte des SF-Urgesteins fortgesetzt. Die Kurzgeschichte The Empire of the Ants erschien 1905 und Oliver Döring holt auch sie ein kleines Stückchen in Zukunft. Zumindest von Wells ausgesehen.

Dramatisch beginnt das Hörspiel. Ein Mann und eine Frau befinden sich in einer hoffnungslosen Situation. Irgendwer oder irgendwas wird gleich in ihren Raum eindringen und ihrem Leben ein grausames Ende setzen. Wer da angekrabbelt kommt, steht nach dem Titel Das Imperium der Ameisen wohl außer Frage. Doch John will sein Ende selbst bestimmen. Zwei Handgranaten, zwei gezogene Stifte – Schnitt.

Der junge Biologe Lucas Holroyd wird von seinem Chef in den Dschungel gesandt, um das plötzliche Verstummen einer Forschungsstation zu untersuchen. Seit drei Wochen kommen keine Berichte mehr von John, dabei sprachen sie von einem vielversprechenden Ameisengift, das dem Pharmakonzern hohe Gewinne verschaffen könnte. In der Probezeit sagt man solche Dienstreisen ungern ab und so macht sich Holroyd auf den beschwerlichen Weg, unterstützt vom einheimischen Militär …

 

Die Modernisierung unterstützt den Charakter einer Ökogeschichte. Die Vernichtung von Regenwald und die Zerstörung von Lebensräumen stehen heute wesentlich deutlicher im Fokus der Öffentlichkeit als zu Wells Lebzeiten. Während es in der literarischen Vorlage mehr um den Verbreitungsaspekt ging und Gerilleau versucht, die Ameiseninvasion mit Kanonen aufzuhalten, richtet Oliver Döring das Augenmerk der Hörerschaft auf die Frage, welche Mitschuld die Menschen an den Ereignissen tragen. Natürlich bleibt das Grundthema auch im Hörspiel, wie die Menschen auf eine Rasse reagieren, die in der Lage ist, sie als dominierende Spezies zu verdrängen. So glänzt dann auch der Epilog des Hörspiels mit komplett anders ausgerichteten Folgen und schlägt den Bogen zu einer ähnlich ausgerichteten SF-Filmreihe.

Das spannend inszenierte Hörspiel überzeugt dabei durch ein soundtechnisch gekonnt aufgebautes Dschungelflair. Unterstützt wird das durch den deutlichen Dialekt der Einheimischen, allen voran Carlos Lobo als Captain Gerilleau. Die Leistung der Sprecher und der beiden Sprecherinnen bilden eine mehr als solide Basis für die kleine Abenteuer-Story.

Julien Haggége als Holroyd gelingt die notwendige Mischung aus lässigem Ton in den Erzählerparts und langsamer Entwicklung in den Spielszenen sehr gut. Fast ist es schade, dass die Vorlage nicht noch mehr Abenteuer und gruselige Bedrohung hergibt, aber Döring hat ihr ja bereits deutlich mehr hinzugefügt.

Jedoch das Werk von Herbert G. Wells bietet noch weitere Möglichkeiten für den Einsatz hervorragender Schauspielerinnen und Schauspieler!

Leider ist der CD nicht zu entnehmen, wer das Coverdesign schuf, denn mit seiner schmucken Reihengestaltung, die für jedes Hörspiel individuell ausfällt, ist die Wells-Reihe auch optisch ein Highlight.

 

Fazit:

»Das Imperium der Ameisen« von H. G. Wells in der Bearbeitung von Oliver Döring überzeugt als ein modernes Hörspiel über die möglichen Folgen unseres sorglosen Umganges mit der Natur. Herbert G. Wells ist weit davon entfernt, als verstaubter Klassiker in dunklen Bibliotheken vergessen zu werden – ein Hörspielgenuss!

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Eure Meinung:

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Hörspiel:

Das Imperium der Ameisen

Original: The Empire of the Ants, 1905

Autor: H. G. Wells

Produktion: Alex Stelkens und Oliver Döring

Produktionsleitung und Regieassistenz: Ila Panke

Tontechnik: Thomas Nokielski

Buch, Schnitt und Regie: Oliver Döring

Spieldauer: ca. 56 Minuten

Folgenreich (Universal Music), 24. November 2017

Umfang: 1 CD

 

ASIN: B076BLY9V2

 

Erhältlich bei: Amazon

SprecherInnen:

  • Holroyd: Julien Haggége
  • Gerilleau: Carlos Lobo
  • Ernest: Douglas Welbat
  • John: Boris Tessmann
  • Richard: Oliver Stritzel
  • Da Cunha: Daniel Montoya
  • Julia Kaufmann
  • Robert Frank
  • Natascha Geisler
  • Martin Baden
  • Marcus Staiger
  • Joachim Kerzel

Weitere Infos:


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Erstellt: 01.12.2017, zuletzt aktualisiert: 03.09.2018 18:38